In Leserzuschriften ist von einer „Empörung biblischen Ausmaßes“ die Rede. Die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen verlangt demnach auf dem Girokonto neuerdings Negativzinsen, so dass sogar jeder Gehaltseingang damit belastet werde. Das stimmt freilich nicht, stellt Pressesprecherin Carmen Partsch dar.

Vielmehr gebe es bei Sichteinlagen – also täglich disponierbaren Geldern wie auf dem Girokonto – einen Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro. „Das gilt nicht schon ab 1 Cent.“ Darüber hinaus werde „auf Grundlage von individuellen Vereinbarungen ein Verwahrentgelt in Höhe des Negativzinses der EZB“ berechnet. Das sind seit der letzten Verschärfung minus 0,5 Prozent. Wer also größere Gelder – vielleicht ein paar hunderttausend Euro – auf dem Girokonto parkt, bekommt ein Problem. Nach den Worten von Partsch geht es in solchen Fällen auch darum, andere und zinsbringende Anlagen in den Vordergrund zu rücken. Die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen verfügte zuletzt über 86.700 Girokonten.

Strafzinsen In Ulm nur für Firmenkunden

Die neue Politik der Sparkasse Neu-Ulm stellt in der Region gleichwohl einen Dammbruch bei Negativzinsen dar, wie der Vergleich mit der Sparkasse Ulm oder der Volksbank Ulm-Biberach zeigt. Weder die Sparkasse links der Donau noch die Volksbank berechnen derzeit Negativzinsen für Privatkunden – sehr wohl jedoch für Firmenkunden. Dazu würden mit regionalen Unternehmen „individuelle Vereinbarungen“ abgeschlossen, erläutert Sparkassensprecher Boris Fazzini. Die Volksbank verfolgt eine ähnliche Politik, berichtet Sprecherin Kathleen Parthey: keinerlei Negativzinsen für Privatkunden, dagegen für gewerbliche Kontoinhaber. Sie ließ freilich offen, inwieweit die Politik der EZB künftig regionale Banken zu einer verstärkten Weitergabe der seitens der Zentralbank erhobenen Negativzinsen an private Kunden zwingen könne.

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