Neu-Ulm Sparkasse Ulm kauft Steinle-Ruine in Neu-Ulm

Seit Juni geht am Petrusplatz nichts mehr voran.
Seit Juni geht am Petrusplatz nichts mehr voran. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Neu-Ulm / Von Edwin Ruschitzka 07.12.2018
Wohnungskäufer erhalten das Geld zurück, haben aber Verluste. Wie es mit dem Betten-Renftle-Gebäude weitergeht, ist offen.

Die Sparkasse Ulm hat sich beim so genannten „Rettungserwerb“ der Steinle-Ruine am Petrusplatz in Neu-Ulm durchgesetzt und das Gebäude gekauft. Das hat Insolvenzverwalter Martin Hörmann jetzt mitgeteilt. Was mit dem ehemaligen Bettenhaus Renftle passiert, soll nach Angaben von Sparkassen-Sprecher Boris Fazzini in den nächsten drei Monaten genauer untersucht werden. Es gebe mehrere Optionen: weiterbauen oder das Gebäude teilweise oder komplett abbrechen. Das wird die Ulmer Sparkasse mit dem Bauunternehmen Mayer-Madel und dem Architekten Max Stemshorn, beide Ulm, erst noch besprechen.

Käufer bekommen Geld zurück

Die für viele im Juni dieses Jahres völlig überraschend bekannt gewordene Insolvenz der Neu-Ulmer Wohnbaufirma von Günter Steinle hat dem Vernehmen nach viele Geschädigte produziert. Dazu gehört vor allem die Sparkasse Ulm, bei der Steinle Kredite in gut siebenstelliger Höhe aufgenommen hat. Weitere Gläubiger sind die Ulmer Baufirma Mayer-Madel, die im Juni die Arbeiten am Petrusplatz eingestellt und die Baufahrzeuge abgezogen hatte, dazu auch der Ulmer Architekt Max Stemshorn. Bauunternehmer Gerhard Mayer beziffert seine noch nicht beglichenen Außenstände auf gut 300 000 Euro, Architekt Stemshorn machte dazu keine Angaben.

Die Käufer der elf Wohnungen hatten allesamt schon erste Zahlungen an Steinle beziehungsweise die Sparkasse Ulm geleistet. Sie bekommen über Bankbürgschaften zumindest die reine Kaufsumme zurückerstattet. Auf allen anderen begleitenden Kosten (Bereitstellungsgebühren, Zinsen bei einer Fremdfinanzierung) werden sie indes sitzen bleiben. Die elf Wohnungen waren zwischen knapp 300 000 und 1,1 Millionen Euro teuer. Die Eigentümer hatten allerdings je nach Baufortschritt Ratenzahlungen bestritten.

Auch Saalbau in Pfuhl von Insolvenz betroffen

Wie es zur Steinle-Pleite kommen konnte, darüber rätseln indes nicht nur die an den beiden von der Insolvenz betroffenen Objekten beteiligten Käufer oder Baufirmen, sondern die ganze Branche. Nicht fertiggestellt ist neben dem Bettenhaus Renftle auch der Saalbau im Neu-Ulmer Stadtteil Pfuhl.

Steinles Firma, die er vor mehr als 45 Jahren gegründet und über lange Zeit auch erfolgreich mit Sanierungen und Neubauten vor allem in Ulm und Neu-Ulm geführt hat, ist inzwischen aufgelöst worden. Die beiden Angestellten mussten sich arbeitslos melden. Günter Steinle selbst wohnt dem Vernehmen nach seit geraumer Zeit in der Schweiz. Er hat alle geschäftlichen und auch privaten Kontakte nach Neu-Ulm abgebrochen. Gesundheitlich soll es dem ehemaligen Bauunternehmer sehr schlecht gehen, heißt es.

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Eigentümer in Pfuhl machen weiter

Zusammenschluss Die acht Wohnungskäufer im Saalbau in Pfuhl haben eine Eigentümergemeinschaft gegründet. Der Bau der Wohnungen in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude in der Hauptstraße war zum Teil weit fortgeschritten. Vereinzelte Wohnungen waren bis zu 70 Prozent fertiggestellt. Die Eigentümergemeinschaft hat das Gebäude für einen Betrag unter 50 000 Euro vom Insolvenzverwalter kaufen können, sagt deren Sprecher. Jeder werde seine Wohnung bis zum Bezug fertigstellen. Der Bau dürfte sich durch die Steinle-Insolvenz um 20 Prozent verteuern, schätzt er.

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