Bildung Mark-Twain-Grundschule offiziell eröffnet

Alle Luftballons fliegen hoch! Auf die Karten haben Kinder und Eltern ihre Wünsche geschrieben. Im Hintergrund ist die markante Fassade des Gebäudes zu sehen.
Alle Luftballons fliegen hoch! Auf die Karten haben Kinder und Eltern ihre Wünsche geschrieben. Im Hintergrund ist die markante Fassade des Gebäudes zu sehen. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Neu-Ulm / Christine Liebhardt 15.09.2018

Die Handwerker haben zuletzt fast Tag und Nacht gearbeitet und Schulleiter Thomas Brenner hat letztes Wochenende selbst noch schnell fehlende Papierkörbe besorgt – alles, um im Plan zu bleiben: Wo vor zwei Jahren noch Brachfläche war, gehen seit Dienstag 68 Erstklässler zum Unterricht. Gestern ist die Mark-Twain-Grundschule im Wiley Nord mit einem Festakt auch offiziell eröffnet worden. Worüber sich Oberbürgermeister Gerold Noerenberg freute: „Früher war hier eine Panzerwaschanlage, und jetzt werden dort die Kinder herumtollen. Was für eine glückliche Entwicklung.“ Die von allen Beteiligten viel Mut erforderte, wie der OB hervorhob.

Nicht, dass die stark wachsende Stadt wirklich eine Wahl gehabt hätte, ob sie baut. Zur Diskussion stand allenfalls das wie: Mit 15 Millionen Euro ist es die teuerste Grundschule, die Neu-Ulm sich je geleistet hat. Bekommen hat die Stadt dafür eine offene Architektur mit viel Sichtbeton und Eichenholz, großen Fensterfronten und einer markanten Fassade aus farbigen Aluleisten. Ob man sich letztere wirklich leisten soll, darüber hatte der Stadtrat seinerzeit länger diskutiert. Und dann ging alles ganz schnell: Baubeschluss im Sommer 2016, Grundsteinlegung im März, Richtfest im November 2017.

Über die Fassade sagte Noerenberg jetzt, sie sei „das Sahnehäubchen“ und kam auch sonst aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Die Ulmer Architekten von Mühlich, Fink und Partner hätten „ein Meisterwerk“ abgeliefert. „Wir müssen ermöglichen, dass auch neue Formen der Pädagogik umgesetzt werden können“, befand der OB mit Bezug auf das flexible Raumkonzept mit Lerninseln auf den Gängen. Nicht zuletzt könne Architektur dazu beitragen, dass die Schule ein Ort ist, „an dem Kinder sich wohlfühlen“. Das tun sie offensichtlich jetzt schon, wie sie bei einem vorgetragenen Lied zeigten. Mit ihnen strahlte Schulleiter Brenner: „Für diese tolle Schule hat sich der ganze Aufwand gelohnt.“

Ganz fertig ist das Gebäude an der Grethe-Weiser-Straße allerdings noch nicht. Die Eröffnung rechtzeitig zum Schuljahresbeginn stand monatelang auf der Kippe: Weil das Unternehmen, das mit dem Legen des Bodens beauftragt war, nicht auf der Baustelle auftauchte und auch das Material nicht bestellt hatte, verzögerten sich alle anderen Bauarbeiten. Die Verwaltung hatte bereits einen Plan B entwickelt, die Schüler für die ersten Wochen in die benachbarte Hochschule zu schicken.

Der musste zum Glück nicht umgesetzt werden. Die fertig gestellten Räume reichen für die vier Klassen. In einem Teil des ersten und im zweiten Stock fehlt noch der Innenausbau, und der TÜV muss noch den von Twains Geschichten um Huckleberry Finn inspirierten Schulhof abnehmen. Bis Ende des Jahres soll aber alles geschafft sein, verspricht Ralph Seiffert, Fachbereichsleiter Schulen. Künftig bietet das Haus Raum für bis zu 400 Schüler.

Zur Eröffnung waren auch die bayerische Kulturstaatssekretärin Carolina Trautner und Finanzstaatssekretär Hans Reichhart gekommen. Das Land hat 6 Millionen Euro beigesteuert. Trautner wies darauf hin, dass Kinder außerhalb des Zuhauses nirgends so viel Zeit verbringen wie an der Schule. Deshalb sei es wichtig, „dass es Lern- und Lebensräume gibt, die das soziale Miteinander und die persönliche Entwicklung fördern“. Reichhart sagte, die Schule stehe für das Wachstum der Stadt, „wo junge Familien eine Heimat finden“.

Wie es mit dem Lessing-Gymnasium weitergeht

Neubau Schon vor drei Jahren war der Neubau des Lessing-Gymnasiums beschlossen worden. Seit Neu-Ulm aus dem Landkreis – der die Schule bauen müsste – austreten will, ist das Projekt zum Zankapfel mutiert. Manche Kreisräte hatten gefordert, die Entscheidung über den Nuxit abzuwarten, bevor das 50-Millionen-Euro-Projekt im Wiley geplant wird.

Kompromiss Gestern bedankte sich OB Gerold Noerenberg beim Landrat, dass nun doch gebaut werden könne. Wie berichtet, hatten die Kreisräte im Juni mehrheitlich den Planungsprozess fortgesetzt. Ungeklärt ist noch, wer die Grundstücke bezahlt. Kreisbaumeister Rudolf Hartberger sagte, man sei mit der Stadt in „positiven Verhandlungen“.

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