Ich habe nicht geübt, aber ich komme so gerne zu dir“ – welches Herz würde nicht vor Freude hüpfen, wenn ein Schüler samt Blumenstrauß mit so netten Worten zum Musikunterricht erscheint? Sigrid Scholz-Grathwohl ist die Rührung noch anzumerken, als sie diese Anekdote aus ihrem langen Berufsleben erzählt – erfüllte Berufsjahre, die nun mit einem Jubiläum gekrönt werden: der goldenen Urkunde für „50 Jahre im Kirchenmusikalischen Dienst“, verliehen vom „Verband Evangelischer Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in Bayern“.

Schon mit elf Jahren, wusste Scholz-Grathwohl, was ihr „Ding“ ist: das Klavierspiel. „Ab diesem Alter habe ich immer wieder im Kindergottesdienst gespielt“, erzählt sie. Aus dem Klavier wurde die Orgel, mit 14 Jahren begleitete die Musikbegeisterte regelmäßig Gottesdienste in der Kirche. Ihre Prüfung legte sie in Esslingen an der einstigen Hochschule für Kirchenmusik ab und nach einer „Vernunft-Episode“ auf Wunsch der Eltern beim Arbeitsamt Aalen – „sie meinten, mit Musik verdient man nicht viel“ – siegte am Ende doch die Leidenschaft, die zum Beruf wurde.

Richtige Entscheidung

Bereits die Liste ihres musikalischen Werdegangs ist Beweis dafür, dass dies die richtige Entscheidung für ihr weiteres Leben war: der kirchenmusikalischen folgte eine musikpädagogische Ausbildung in Trossingen und eine zehnjährige Berufspraxis als hauptamtliche Musiklehrerin für Blockflöte und Klavier an der Städtischen Musikschule in Aalen. „Dort wurde vom damaligen Leiter eine Lehrerin für das Fach Musikalische Früherziehung gesucht und das Spannende war, dass die musikalische Früherziehung sich gerade erst entwickelte“, erinnert sich die Pädagogin.

Mit Geburt ihres Sohnes im Jahr 1986 verlegte sie ihren Wohnsitz endgültig nach Gerlenhofen, wo sie seit 1989 als selbstständige Musiklehrerin tätig ist. Doch nicht nur diese Aufgabe bereitet ihr große Freude, sondern auch ihre Tätigkeit als Kirchen-Organistin beglückt ihren Berufsalltag.

Konfessionsübergreifend hat sie abwechselnd mit nicht weniger als vier Gesangbüchern zu tun: für Bayern und Baden-Württemberg jeweils evangelisch und katholisch. Als „Springerin“ hat sie ihr Beruf nicht nur an die Orgel der Kirche „Maria Königin des Himmels und der Erden“ in Gerlenhofen geführt, genauso durfte sie bereits Tasten und Pedalwerk an den Orgeln der St. Georgs-, Martin-Luther-, Christus- und der Pauluskirche bedienen: „Dass ich nun an der großen Link-Gaida-Orgel der Pauluskirche spielen darf, ist die Krönung meiner Laufbahn. Natürlich könnte ich vom Alter her aufhören, aber ich liebe die Musik und meine Schüler und möchte das alles gerne so lange wie möglich fortführen.“

Wer die Arbeit von Scholz-Grathwohl kennenlernen möchte, bekommt auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt bald wieder Gelegenheit dazu. Am 7. Dezember um 18 Uhr hat sie mit dem von ihr gegründeten Chor „Illerchoralle“ ihren jährlichen Auftritt am Hauptportal des Münsters.