Dass Burlafingen eine neue Grundschule bekommt – darüber sind sich Verwaltung und Stadtrat schon seit geraumer Zeit einig. Die Einigkeit hört allerdings beim Standort auf: Am Mittwochabend haben sich die Fraktionen mit großer Mehrheit gegen die Fläche bei der Iselhalle entschieden. Gebaut wird stattdessen am südwestlichen Ortsrand (wir berichteten kurz). „Steig­äcker Süd“ heißt der Standort zwischen Gerstmayerstraße und Meersburger Straße. Dort hatte die Stadt eigentlich eine Wohnbebauung vorgesehen.

Kuriose Szenen im Rathaus

Bis es zum Beschluss kam, spielten sich im Neu-Ulmer Rathaus kuriose Szenen ab. Kaum hatte Oberbürgermeister Gerold Noerenberg den Punkt aufgerufen, wollte Reinhard Junginger (CSU) ihn von der Tagesordnung nehmen lassen, „um weitere Standorte auszuloten, die bisher nicht berücksichtigt worden sind“.

Weshalb die Sitzung zunächst unterbrochen wurde. Beinahe eine geschlagene Stunde lang beriet sich der OB mit dem Ältestenrat über das weitere Vorgehen – und bat die Stadträte schließlich darum, der Absetzung des Tagesordnungspunktes zuzustimmen. Er wolle nicht, dass etwas übers Knie gebrochen wird, ohne die Folgen zu kennen, begründete Noerenberg seine Position. Wenn der Rat einen anderen Standort wolle, „müssten wir tiefer in die Planung einsteigen“.

Die Ergebnisse könne die Verwaltung dann erst Ende Februar präsentieren. „Der Rat kann das entscheiden, sollte dann aber auch über genügend Informationen verfügen, um diese Entscheidung vertreten zu können.“ Allein: Die Stadträte lehnten das Ansinnen mehrheitlich ab, ebenso wie den Antrag von Thomas Mayer (CSU), die Sitzung zu fortgeschrittener Stunde zu beenden.

Die Verwaltung und der OB hatten den Bau an der Iselhalle vorgeschlagen, weil sie dort im Gegensatz zu Steigäcker Süd nicht erst Baurecht schaffen müsste. Schon 2022 hätte die Schule eröffnen können. Außerdem wäre es günstiger gewesen, die Halle für den Schulsport mitzunutzen, statt eine neue bauen zu müssen. Zusammen mit einer ebenfalls notwendigen Außensportanlage kostet der Standort im Westen letztlich wohl um die 19 Millionen Euro. An der Iselhalle wären es drei Millionen weniger gewesen.

Den Stadträten war es allerdings wichtiger, langfristig zu denken – und den Vereinen in der Iselhalle keine „ungesunde Konkurrenz“ zu machen“, wie es Ulrich Schäufele (SPD) formulierte. Lage und Grundstücksgröße an den Steigäckern ermöglichten einen großen Spielraum, befand Thomas Ott (CSU). Und fügte noch hinzu, dass das Vorgehen im Stadtrat ihn „sprachlos“ mache: „Wenn wir eine Vorlage kriegen, geh’ ich davon aus, dass ich auf der Grundlage entscheiden kann.“

Gabriele Salzmann (Grüne) hingegen fand: „Heute erleben wir gute Demokratie im Stadtrat“. Ein Bau bei der Iselhalle sei auf Kante genäht und nicht nachhaltig: „Gut und gründlich ist wichtiger als kostengünstig und schnell.“

Schülerzahl nimmt zu


Container Die Grundschule Burlafingen in der Waidmannstraße ist nicht nur in die Jahre gekommen, sie ist auch jetzt schon zu klein für die Schüleranzahl: Unterrichtet wird zum Teil in Containern auf dem Pausenhof. 217 Schüler verteilen sich derzeit auf zehn Klassen. Mitte der 20er Jahre werden es schon mehr als 300 in dann wohl 16 Klassen sein. Die Verwaltung hatte für einen Neubau fünf mögliche Standorte im drittgrößten Stadtteil untersucht.
Planung Weil am Steigäcker Süd erst noch der Flächennutzungsplan geändert werden muss, verzögert sich der Schulbau um etwa ein Jahr. Die Fläche war ursprünglich für den Wohnungsbau vorgesehen gewesen.