Es ist eine komplexe Aufgabe, die die Stadt Neu-Ulm am Heiner-Metzger-Platz vor sich hat – eine, für die sich kein Investor so recht erwärmen wollte. Denn auf dem ehemaligen LEW-Areal sollen ab Ende 2021 in einem Neubau mit Tiefgarage nicht nur Gewerbeflächen, Büros und Wohnungen entstehen, sondern auch die Stadtbibliothek und der Generationentreff untergebracht werden. Weshalb die Stadt das Heft jetzt selbst in die Hand nimmt: Am Mittwochabend hat der Stadtrat einstimmig die Gründung der „Entwicklungsgesellschaft Neu-Ulm“ beschlossen. Sie soll den bereits existierenden Testentwurf und das Nutzungskonzept weiterentwickeln.

Worüber sich Oberbürgermeister Gerold Noerenberg freute: „Ich glaube, dass das ein wichtiger Baustein für unsere Innenstadt sein wird.“ Über alle Fraktionen hinweg waren sich die Räte einig: Es sei gut, dass ein so zentral gelegenes Gelände in der öffentlichen Hand bleibt. „Wir wollen hier ein Stück Innenstadt von hoher Qualität entwickeln“, sagte Kämmerer Berthold Stier. „Das wird ein Projekt sein, das in Verwaltung, Öffentlichkeit und Handel verzahnt werden muss.“ Um den Gebäudekomplex zu planen und zu bauen, wird die Gesellschaft zunächst mit 60 Millionen Euro ausgestattet. Der Betrag setzt sich zusammen aus den Grundstücken am Heiner-Metzger-Platz und einer Einlage von fünf Millionen Euro. Die restlichen 52 Millionen Euro werden über Kredite finanziert.

Eigenes Personal bekommt die Gesellschaft vorerst nicht, die eigentliche Projektentwicklung soll als externe Dienstleistung eingekauft werden. Eine mögliche Zusammenarbeit mit der Ulmer Projektentwicklungsgesellschaft (PEG), die seit mehr als 20 Jahren gewerbliche Immobilien plant, stand nur ganz kurz im Raum, sagt Berthold Stier auf Nachfrage. Dass man eines Tages bei gemeinsamen Projekten doch mal mit den Ulmern zusammenarbeite, schließe er zwar nicht aus. „Aber die Stadträte haben klipp und klar gesagt: Dieses Gelände geben sie nicht aus der Hand.“

Zwar ist die Neu-Ulmer Entwicklungsgesellschaft in erster Linie gegründet worden, um spezifisch den Neubau am Heiner-Metzger-Platz in städtischer Regie zu ermöglichen. In der Diskussion warben die Stadträte allerdings erfolgreich dafür, dem Gesellschaftsvertrag einen Halbsatz hinzuzufügen, der es erlaubt, weitere Grundstücke zu entwickeln. Das könnte in der Zukunft wichtig sein. „Wir haben ja schon Grundstücke aufgegeben und auf das Bau- und Planungsrecht gesetzt“, erklärt Stier. „Aber der Einfluss ist eher begrenzt.“

Mit der Entwicklung in Eigenregie geht die Stadt auch ein Risiko ein. Die Stadträte hatten allerdings wenig Zweifel daran, dass sie die Flächen los wird: „Das ist ein hochattraktiver Standort, der sich sicher auch gut vermarkten lässt“, befand Johannes Stingl (CSU). „Der Druck auf den Immobilienmarkt ist ungebrochen, das wird sich finanziell tragen“, war sich auch Antje Esser sicher, die vergangene Woche aus der SPD ausgetreten und zur Fraktion von PRO Neu-Ulm gewechselt war. Christina Richtmann (FWG) regte an, beizeiten einen Namen für das Gebäude zu überlegen.

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Tiefgarage mit mehr als 200 Plätzen


Eckdaten Wirtschaft fördern, Wohnraum schaffen, öffentliche Einrichtungen unterbringen, Quartier beleben, Parkmöglichkeiten generieren: Es gibt viele Wünsche an den neuen Gebäudekomplex. Bereits vergangenes Jahr wurde ein Testentwurf erarbeitet. Er sieht unter anderem 216 Stellplätze in einer Tiefgarage vor. Zu viele, findet Alfred Schömig (FDP). Das seien 100 mehr als ursprünglich, bemängelt er. Das Geld dafür sollte besser in den ÖPNV, Fahrradstraßen und eine publikumsfreundlichere Innenstadt investiert werden.