Zelte vor dem Eingang, Menschen in Schutzkleidung, die Schilder anbringen: Das „Seniorenwohnen“ in Ludwigsfeld ist am Mittwoch unter Quarantäne gestellt worden. Nachdem am Montag eine mehr als 80-jährige in dem Heim lebende Person am Coronavirus gestorben ist, starb am Mittwoch eine 69-Jährige mit vielen Vorerkrankungen. Insgesamt sind im „Seniorenwohnen“ 24 von 160 Mitarbeitern sowie 19 von 195 Heimbewohnern positiv getestet worden.

Zuvor hatten am Nachmittag Mitarbeiter des Roten Kreuzes zwei Zelte vor dem Alten- und Pflegeheim im Stadtteil Ludwigsfeld aufgebaut. Was es damit auf sich hatte, war zunächst noch unklar gewesen. Klar war lediglich, dass der Aufbau in Zusammenhang mit der Corona-Epidemie stand. Die zentral zuständige Führungsgruppe Katastrophenschutz trug bis zum frühen Abend dann alle Daten zusammen.

Zwei Tote und 43 Corona-infizierte Bewohner und Mitarbeiter in Neu-Ulm

In einer Mitteilung gab das Landratsamt Neu-Ulm dann am frühen Abend bekannt, dass es zwei Tote gegeben habe sowie mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Bewohnerinnen und Bewohner, die positiv auf das Coronavirus getestet worden seien. In der Meldung heißt es konkret: „Insgesamt sind 24 von 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 19 von 195 Heimbewohnerinnen und -bewohnern positiv getestet worden.“

Demnach sei die über 80-jährige Person bereits am Montag verstorben. Dieses Todesopfer soll in der Neu-Ulmer Corona-Statistik bereits am Dienstag vermerkt gewesen sein. Am Mittwoch sei dann eine „69-jährige Person mit vielen Vorerkrankungen verstorben“. Beide Personen hatten sich mit dem Coronavirus infiziert.

Gesundheitsdienst Neu-Ulm ordnet nach Todesfällen und Infizierungen Maßnahmen an

Der Öffentliche Gesundheitsdienst hat deshalb in Kooperation mit der Einrichtung sowie dem Versorgungsarzt für den Landkreis Neu-Ulm, Dr. Stefan Thamasett, folgende Maßnahmen angeordnet:

  • Das gesamte Haus wurde umgehend unter Quarantäne gestellt.
  • Einrichtung von Schleusenbereichen durch das Bayerische Rote Kreuz.
  • Vollständige Schutzausrüstung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der zentralen Verteilung des Landkreises bereits geliefert worden ist.
  • Umfassende Testung aller Personen

Das bedeute, dass nur noch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und medizinisches Personal das Haus betreten dürfen. Ansonsten ist jeglicher Zutritt verboten. Dies den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Angehörigen zu vermitteln ist keine leichte Aufgabe, wie Ralf Waidner, Leiter des SeniorenWohnens berichtet. „Wir müssen zu allem kategorisch Nein sagen - zum Schutz und zur Vorsorge unserer Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Waidner.

Der Leiter des Seniorenheims betont jedoch, dass die gesamte Belegschaft gut zusammenarbeite, um die Situation bestmöglich zu bewältigen: von der Reinigungskraft über die Küche und das Pflegepersonal bis hin zur Heimleitung. „Die Pflegekräfte widmen sich mit aller Kraft der Aufgabe, die Menschen gesund zu halten.“ Gerade jetzt in der Corona-Krise zeige sich aus Sicht des Heims, „wie wichtig der sorgsame Umgang miteinander, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und vor allem mit älteren Menschen ist“.

Waidner sieht in den vielen Infizierten sogar eine weitere  Chance. Sein Personal könnte, wenn es wieder gesund und nicht mehr ansteckend ist, in anderen Einrichtungen aushelfen.

Landrat Thorsten Freudenberger in Ludwigsfeld vor Ort

Neu-Ulms Landrat Thorsten Freudenberger schaute am Mittwochabend vor Ort vorbei, um Heimleitung und Mitarbeitern „Mut zuzusprechen und zu danken, dass sie auf eine sehr schwere Situation besonnen und engagiert reagiert haben“. Er ließ sich auch gleich ein- und ausschleusen, um sich ein Bild von den Maßnahmen zu machen.

Schon zuvor sei in dem Heim gewissenhaft mit der Situation umgegangen worden, ist sich Landrat Freudenberger sicher. Aber 100-prozentigen Schutz gebe es dieser Tage nicht, zumal viele Infizierte eben keine oder kaum Symptome hätten und die Erkrankung sich erst durch einen Test feststellen lassen.

Altenheim in Ludwigsfeld vom Bayrischen Roten Kreuz betrieben

Vor dem Altenheim in Ludwigsfeld waren am Mittwoch Rettungskräfte im Einsatz.
Vor dem Altenheim in Ludwigsfeld waren am Mittwoch Rettungskräfte im Einsatz.
© Foto: Ralf Zwiebler

Die Senioren-Einrichtung am Hasenweg in Ludwigsfeld wird von der Sozialservice-Gesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes GmbH betrieben und hat nichts zu tun mit dem Neu-Ulmer Kreisverband des Roten Kreuzes. Das Coronavirus kann besonders für alte und kranke Menschen lebensgefährlich werden.