Gebaut in den 30er Jahren wurde das Offizierskasino am Neu-Ulmer Donauufer einst von der Deutschen Wehrmacht und später von der in Neu-Ulm stationierten US-Armee genutzt. Die Tage des mehr als 80 Jahre  alten Gebäudekomplexes könnten bald gezählt sein. Denn: Hinter den Kulissen verhandeln der Pächter des Barfüßers, der Gastronom Ebbo Riedmüller, und die Stadt Neu-Ulm über einen Abbruch und einen Neubau. Die entsprechenden neuen Pläne dafür will Riedmüller Anfang nächsten Jahres dem Stadtrat präsentieren.

Das Gebäude gehört der Stadt Neu-Ulm, sie hatte es nach dem Abzug der Amerikaner zusammen mit den ehemaligen Wiley- und Nelson-Baracks Anfang der 90er Jahre erworben. Allerdings wurde in den vergangenen Jahre so gut wie nichts mehr investiert. Der mit Riedmüller abgeschlossene Pachtvertrag ist im vergangenen Jahr abgelaufen und wurde, wie Riedmüller sagt, so lange verlängert, bis er sein Konzept für den neuen Barfüßer vorlegt. Und das will er zum Jahresanfang auch tun. Im Moment werde daran noch gearbeitet.

Sanierung macht keinen Sinn

Eines schloss Riedmüller kategorisch aus, nämlich die Sanierung des alten Barfüßers: „Das macht überhaupt keinen Sinn mehr.“ Die Renovierungskosten beliefen sich auf etwa fünf Millionen Euro. Zwar kämen ihn ein Abbruch und der Neubau teurer, aber das sei dann eine Investition in die Zukunft. Riedmüller würde den neuen Barfüßer auf eigene Kosten bauen, wenn ihm die Stadt das Grundstück in Erbbaupacht überlassen würde. Die genauen Konditionen müsste man aber erst noch konkret aushandeln. Gleichzeitig hat Riedmüller angekündigt, im nächsten Jahr das seit geraumer Zeit leerstehende benachbarte „Bad Wolf“ abreißen und durch Wohnbebauung ersetzen zu wollen.

Unter Denkmalschutz steht das alte Offizierskasino nicht,  laut Riedmüller sei der Komplex nach dem Zweiten Weltkrieg erweitert und in Teilen durch Anbauten „ohne eine Wertigkeit“ zusammengesetzt worden.

Ambiente und Flair muss erhalten bleiben

Der Vorsitzende des Historischen Vereins und SPD-Stadtrat Ulrich Seitz sieht das aber etwas anders: „Der Barfüßer ist zeittypisch interessant und ein Teil der Neu-Ulmer Geschichte, also sicher auch erhaltenswert.“ Das sei ein Ort, an dem sich 100 Jahre Stadtgeschichte klar und deutlich ablesen ließen. Sollte ein Neubau doch angesagt sein, „kommt eine nullachtfünfzehn-Bebauung an dieser Stelle natürlich nicht in Frage“, sagt er.

Riedmüller habe dem Rat schon im vergangenen Jahr seine ersten Neubaupläne präsentiert, „aber die waren nicht sehr ansprechend.“ In dieser exponierten Lage und direkt am Donauufer müsse das Ambiente und Flair unbedingt erhalten werden. Seitz bezeichnet den Barfüßer in dieser Lage als echtes Highlight. „Etwas Gesichtsloses darf dort nicht entstehen.“

Im Neu-Ulmer Rathaus selbst gibt man sich ziemlich zugeknöpft. Das sei eine liegenschaftliche Angelegenheit, also nichtöffentlich zu behandeln. Allerdings wird auch in den Amtsstuben die in die Jahre gekommene marode Gebäudesubstanz des Barfüßers kritisch gesehen. Letztendlich sei entscheidend, wie der Stadtrat in seiner Mehrheit das weitere Vorgehen beurteile.

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Kasino, Lager und Gastronomie


Historie Gebaut als Donaukasino in zweiten Hälfte der 30 er Jahre, wurde es von den US-Besatzungstruppe beschlagtnahmt. von 1946 bis 1952 diente es als Lager, dann wieder als Kasino für die US-Armee. Die Stadt kaufte die US-Hinterlassenschaft 1993 für 3,5 Millionen Mark vom Bund und nutzte das Gebäude gastronomisch.