Schwarze Flecken in Neu-Ulm Anwohner in Pfuhl sauer: Holzpellet-Anlage verbreitet Ruß

Neu-Ulm/Pfuhl / Christoph Mayer 14.01.2019
Schwarze Flecken auf Fenstersimsen, Autos, Fassaden: Bewohner machen dafür eine SWU-Holzpellet-Anlage verantwortlich.

Namen sind Schall und Rauch – manchmal im wörtlichen Sinn. Simone Royal-Pyka kann ein Lied davon singen. Sie wohnt in einem Pfuhler Quartier namens Gartenstadt, Blütenäcker heißt die Straße, in der ihr Einfamilienhaus steht. Das klingt grün, doch Royal-Pyka und einige Nachbarn sehen seit einigen Jahren öfters schwarz, wenn sie aus ihren Fenstern schauen. In unschöner Regelmäßigkeit setzen sich Rußpartikel auf die einst blütenweißen Hausfassaden. Auch auf Gartenmöbeln, Fenstersimsen, Jalousien und Autos finden sich immer wieder kleine schwarze Flecken, die – weil ölhaltig – nur schwer zu entfernen sind.

Als Verursacher des Ungemachs haben Royal-Pyka und mehrere Nachbarn ein Holzpellet-Heizkraftwerk ausgemacht, aus dessen Schornstein Rußpartikel kommen. Die 2012 in Betrieb gegangene Anlage versorgt drei große Mehrfamilienhäuser in den Blütenäckern 16, 23 und 25 mit Wärme. Betrieben wird sie von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU).

Unterschriften gesammelt

Beschwert haben sich einige der unter der angeblichen Verrußung leidenden Anwohner mehrfach, sogar Unterschriften gesammelt. Zwar sei es zu einem Treffen mit SWU-Verantwortlichen gekommen, verbunden mit dem Versprechen, Abhilfe zu schaffen. „Aber wirklich passiert ist nichts. Die Anlage rußt fröhlich vor sich hin,“ sagt Royal-Pyka.

Ihr Nachbar André Hiemer hegt den Verdacht, die einst von einem privaten Bauträger geplante und später von den SWU übernommene Pelletanlage sei bewusst klein dimensioniert worden, um strengeren Auflagen, etwa einer Filterpflicht, zu entgehen. „Im Winter läuft dieses kleine Kraftwerk permanent auf Vollast“, hat er beobachtet. Ein Filter müsse  her, oder besser noch: eine Umstellung auf einen anderen Energieträger (siehe Infokasten).

Zwei Vorfälle

Dem Landratsamt Neu-Ulm hatte Royal-Pyka die Rußbelästigung bereits vor mehr als zwei Jahren gemeldet. Dort kündigte man an, einen Schornsteinfeger vorbeizuschicken. Vor diesem Wartungstermin habe dann allerdings erst mal eine gründliche Reinigung der Anlage durch die SWU stattgefunden, erinnert sich die Bewohnerin. Die sei dazu sogar kurz stillgelegt und wieder hochgefahren worden. 2016 sei es deshalb zu einer Verpuffung gekommen. „Der Wind wehte an diesem Tag in unsere Richtung. Weil unser Haus direkt in der Windschneise des Schonsteins liegt, rieselte reichlich Ruß auf unser Haus.“

Zwei derartige Vorfälle im Juni 2016  und im Dezember 2017 bestätigt SWU-Pressesprecher Bernd Jünke auf Anfrage. In der durch die Stilllegung erkalteten Brennkammer hätten sich damals Schwelgase angesammelt und dann schlagartig entzündet. Der Druckstoß habe angesammelten Ruß auf einmal frei gesetzt, was zu Verschmutzungen in der näheren Umgebung geführt habe. Vier Bewohner hätten Schäden gemeldet, die SWU seien für deren  Behebung  aufgekommen, etwa für den Neuanstrich von Fassaden und die Reinigung von Terrassenmöbeln.

Abgesehen von diesen Fällen sieht sich der Energieversorger aber nicht in der Pflicht. Nach Gesprächen mit Schornsteinfeger und Kesselhersteller hätten die SWU mehrere Zusatzmaßnahmen ergriffen, sagt Jünke. „Der Kamin wird jetzt häufiger gewartet und gereinigt als vorgeschrieben.“ Zudem seien die Brennkammer optimiert, der Zug am Schornstein begrenzt und höherwertige Holzpellets  als Brennmaterial eingesetzt worden. Fazit: „Die Anlage erfüllt in allen Belangen die Normen  der Brennstoffverordnung. Das hat der Kaminkehrer bei allen Inspektionen bestätigt.“

Für die Beschwerde führenden Anwohner ein schwacher Trost. Sie haben die Nase voll – an manchen Tagen buchstäblich.

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Energiefaktor Holzpellets haben einen niedrigen Primärenergiefaktor. Dieser Faktor unterscheidet Brennstoffe danach, wie stark sie das Klima mit CO2 belasten – auch im Hinblick auf die Gewinnung des Brennstoffs und dessen Transport. Holzpellets kommen in einer solchen Gesamtschau auf einen Faktor von nur 0,2, Erdgas liegt bei 1,1.

Verordnung Die Holzpellet-Anlage Blütenäcker unterliege der geltenden Energie-Einsparverordnung, teilen die SWU mit. Die Anlage und ihre Komponenten seien gemäß dieser Verordnung freigegeben. „Das erklärt, warum sich die Anlage nicht ohne weiteres auf einen anderen Brennstoff wie Erdgas umstellen lässt.“

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