Am Samstag ist es soweit. Da fällt am Hamburger Hafen der Startschuss für den Baltic Sea Circle, die nördlichste Rallye der Welt. In 15 Tagen führt die Strecke durch zehn Länder, bis die Teilnehmer wieder in der Hansestadt zurückkehren. 7500 Kilometer legen sie in dieser Zeit zurück, mit Fahrzeugen, die mindestens 15 Jahre alt sein müssen. Mit dabei sind drei Volvos des Teams Schwabenstahl, das vor drei Jahren bereits bei der Allgäu-Orient-Rallye am Start war (wir hatten berichtet). Der Buttenhausener Lars Rupp und seine fünf Mitstreiter sind jedenfalls schon ganz heiß auf das eiskalte Abenteuer, das auf sie wartet. „Als wir mitbekommen haben, dass die Baltic-Rallye jetzt auch im Winter über die Bühne geht, haben wir gesagt, dass wir das Abenteuer anpacken wollen“, sagt Rupp.

Neben dem Buttenhausener sind wiederum die Geschwister Patrick und Tanja Zwerger sowie Marcel Karcher und als Neueinsteiger, Stefan Theis, der „Quotenbayer“, desweiteren Christoph Wössner (beides Freunde von Tanja Zwerger) mit von der Partie. Und mit „Ingeborg“ noch einer der drei Volvos, die 2016 die mehr als 10 000 Kilometer in den Orient und zurück gemeistert hatten. Knapp 300 000 Kilometer hat der Oldtimer mit Baujahr 1999 inzwischen auf dem Buckel. Anders als die beiden XC70 hat der V70 keinen Allrad-Antrieb. Schneeketten sind aber an Bord, versichert Patrick Zwerger. Abgekauft hat er das Auto für ein paar hundert Euro seinem Kumpel Rouven Sporer, der vor drei Jahren Mitglied im Team war.

Bei einem türkischen Autohändler wurde das zweite Auto gefunden. 1500 Euro wollte der gute Mann, doch schon beim Probefahren wurden einige Mängel festgestellt, am Ende einigte man sich auf 800 Euro. Dafür gab es aber in der Buttenhausener Werkstatt für die beiden „Schrauber“ Lars Rupp und Tanja Zwerger viel zu tun. Allrad funktionierte nicht, das Winkelgetriebe musste ausgetauscht werden, die Federbeine vorne waren zu ersetzen ebenso die Windschutzscheibe. So waren am Ende mehr als 1000 Euro zu investieren, um das zweite Auto fahrbereit zu machen.

Das dritte Fahrzeug, ebenfalls ein XT 70 mit Baujahr 1998 war zwar etwas teurer in der Anschaffung, dennoch waren auch hier einige Reparaturen fällig, ebenfalls das Winkelgetriebe und zwei Federbeine, dazu die Fensterheber. Unter dem Strich war reichlich Arbeit vorhanden, um in den vergangenen Wochen alles fertigzustellen, inklusive Innenausbau. Denn alle drei Volvo-Kombis sind jetzt mit Betten versehen: „Wir wollen so lange es nur geht in den Autos schlafen“, verrät Zwerger. Ob das am Nordkap noch möglich ist, dürfte eher bezweifelt werden: „Dann werden wir eben eine Pension suchen“, so Zwerger.

Insgesamt sind 80 Teams mit ihren Autos am Start, in der Regel mit zwei Personen. „Wir sind also eigentlich drei Teams“, erläutert der Journalist. Er sitzt zusammen mit Marcel Karcher im V70-Volvo, Lars Rupp und Tanja Zwerger steuern abwechselnd einen der XT 70, Christoph Wössner und Stefan Theis den anderen.

Der Baltic Sea Circle wird in jedem Fall ein Abenteuer werden und ist beileibe keine geführte Tour, wie die Veranstalter auf ihrer Homepage unterstreichen: „Bei der Route bist Du komplett auf Dich alleine gestellt. Wir geben Dir keinen bestimmten Weg vor, dem Du folgen musst. Wo wäre der Spaß, wenn alle Rallye-Teams in einer langen Autoschlange um die Ostsee brausen? Genau! Du biegst dort ab, wo es für Dich am abenteuerlichsten ist“. Zu den Regeln der Rallye zählen: Kein Navi, kein GPS, keine Autobahn. Jedes Team erhält ein Roadbook, das Anweisungen und Aufgaben enthält. Die Sieger der Roadbook-Competion erhalten einen Startplatz für ein anderes Event der Veranstalter. Der Spaß wird bei der Rallye nicht zu kurz kommen. Am Polarkreis sollen die fantastischen Nordlichter zelebriert werden mit anschließendem Test Drive auf einem Ice Track. Und im Baltikum werden gemeinsam die Zelte aufgeschlagen zur Winterbiwak-Party. In Hamburg wird das erfolgreiche Ende des Baltic Sea Circles Winter Edition mit einer großen Abschlussparty und natürlich einer Siegerehrung gefeiert.

Ein ganz wichtiger Aspekt die der Wohltätigkeits-Charakter des Abenteuers. Jedes Team sollte mindestens 750 Euro für selbst ausgewählte Charity-Projekte sammeln. Patrick Zwerger: „Wir haben uns dabei für die Stiftung Valentina entschieden – eine Stiftung zur Unterstützung der häuslichen Pflege und intensiv-medizinischen Betreuung sterbenskranker Kinder und deren Familien. Die Namensgeberin der Stiftung, Valentina aus Wangen im Allgäu, ist nach langem Kampf selbst im Alter von 13 Jahren an Krebs gestorben. Ihre Eltern nahmen den Tod ihrer Tochter zum Anlass, eine Stiftung zu gründen, die der chronisch unterfinanzierten Palliativ-Medizin unter die Arme greift, um damit anderen todkranken Kindern ihre letzten Lebenstage so schön und angenehm wie möglich zu gestalten. „Das Schicksal Valentinas und die Initiative ihrer Eltern hat uns sehr bewegt. Die 750 Euro an Spendengeldern sind längst zusammengekommen. 3000 Euro wurden bisher gesammelt“. Wer die Stiftung unterstützen will, findet Näheres dazu unter http://team-schwabenstahl.de/spenden. Patrick Zwerger: „Valentinas Eltern werden uns in Hamburg beim Start zujubeln“.

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Länder werden beim Baltic Sea Circle in gut zwei Wochen befahren: Polen, Litauen, Lettland, Estland, Russland, Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark und Deutschland.