Bürgermeister Mike Münzing brachte es auf den Punkt: „Die, die nicht da waren, haben schlichtweg etwas versäumt“, zeigte er sich überzeugt, während er auf dem Schlosshof, vor dem Eingang zum Verlies, feinsten Champagner an der Station des Partnerschaftskomitees an die Besucher brachte.

Wenige Besuchern an den Kulturstationen

Eine Aussage, die unter anderem die Familien Hägele und Müller-Pfleiderer durch ihre Eindrücke von der Kulturnacht, die von Begeisterung geprägt waren, unterstreichen konnten. Beide Familien zählten zu den wenigen Besuchern an den Kulturstationen in Gruorn und Buttenhausen, die bequem mit dem Shuttlebus erreicht werden konnten. Miriam Hägele konnte nicht nachvollziehen, warum das lobenswerte Angebot, bei dem die ganze Familie etwas mitnehmen konnte, nicht bei mehr Besuchern auf Interesse gestoßen war. „Ich habe auf dem Friedhof in Buttenhausen zum Beispiel gelernt, dass alle Gräber in Richtung Jerusalem ausgerichtet sind“, berichtete ihr neunjähriger Sohn Mattis, der mit seinen Geschwistern Linnea und Julius sowie seinen Freunden Luise, Gesine und Hennrik von Station zu Station unterwegs war. Alle Stationen konnten die befreundeten Familien dennoch nicht besuchen, doch so manches Kinderangebot, von denen es zahlreiche gab, konnten die sechs Freunde teilweise ganz allein für sich genießen.

Großes Lob

Den Organisatoren der Veranstaltung zollte Miriam Hägele großes Lob. „Das eher geringe Interesse der Kulturnacht ist dem Wetter geschuldet“, waren sich die meisten sicher, die die Schlacht zwischen kulturellem Interesse und Hitzewetter kurzerhand auf sich genommen hatten und als Sieger aus dem Gefecht hervortraten.

Leicht gefrustet über das geringe Interesse zeigte sich Stadtarchivar Yannik Krebs, der die Idee zur Kulturnacht hatte, um den Besuchern den Zugang zu den Münsinger Museen zu erleichtern und um sie aktiv mit in vergangene Zeitepochen hineinzunehmen. Bei rund 15 000 Einwohnern hätte sich der Historiker trotz der heißen Temperaturen deutlich mehr Resonanz gewünscht.

Apropos Hitze, die schien zumindest den anwesenden Besuchern nichts auszumachen. Das zeigte sich am Abend bei der Feuershow mit Pila Accendi. Heiß nicht nur die wirbelnden Feuerbälle, sondern auch die Feuerkünstler Thilo Häferer und Sabrina Wolfram. Abkühlung fand man im Anschluss beim Abstieg ins Schlossverlies. Angenehme Temperaturen herrschten auch im Kirchenschiff der Martinskirche, in der Ferdinand Ehni gemeinsam mit Stephan Lust mit einem Orgelkonzert begeisterte.

Spannend für die Besucher war die Sonderausstellung „Was geschah vor 90, 80, 70, 30 Jahren“, die im Heimatmuseum die kulturinteressierte Bevölkerung anlockte. Eines der Angebote, das für Kinder wohl zu trocken war. Kein Problem, denn für spannende und kinderfreundliche Abwechslung war auf dem Schlosshof beim Angebot des „Kelten- & Germanenstamm Sugambrer e.V.“ gesorgt, bei dem es unter anderem schmackhaftes Stockbrot und ein cooles Fotoshooting mit Helm und Schwert gab.

Die Musikauswahl der Karrer-Steigle-Band, die auf dem Rathausplatz aufspielte, hätte durchaus zum Tanzen eingeladen. Die Besucher zogen es jedoch vor, ganz gechillt bei erfrischenden Getränken einfach zu genießen. Auch trieb es noch einige der Besucher ins alte Gefängnis, in dem die Familie Speidel unter anderem mit eigens für die Kulturnacht gebrautem „Jail Ale“ und wechselndem Livemusikprogramm begeisterte. Wasser und Brot gab es hier sogar umsonst. „Spätzle und Soß“ hingegen wurde in der Zehntscheuer vom Theater Lindenhof verbal aufgetischt.

Aufwand für die Vorbereitungen ist ziemlich groß

Bei der gemeinsamen Planung mit Anja Leuze, der Kulturamtsleiterin, hatte Krebs Wert auf ein breites Angebot gelegt, bei dem von Anfang an klar war, dass nicht jeder Besucher jeden Programmpunkt wahrnehmen kann. Jeder sollte sich das aussuchen, was ihm gefällt. „Die Bezeichnung „Kulturnacht“ fand so mancher der Besucher nicht ganz passend, weil sie schon um 14 Uhr los ging und viele der Angebote bereits vor Sonnenuntergang beendet waren. „Da müssen wir uns fürs nächste Mal vielleicht noch eine andere Bezeichnung überlegen“, so Anja Leuze, die sich sicher war, dass dies nicht bereits nächstes Jahr sein wird. „Der Aufwand für die Vorbereitungen ist ziemlich groß, das können wir nicht jedes Jahr stemmen. Denkbar ist vielleicht ein zweijähriger Turnus“.

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