Natürlich war die Tatsache, dass beide Künstlerinnen aus der Region stammen und sich hier einen Namen gemacht haben, mit ein Grund für den großen Besucherandrang, der am Samstagabend und am Sonntagmorgen den Prälatursaal mit je 120 Musikliebhabern füllte. Doch auch das Programm „Winterträume“ sprach mit russischen Romanzen und Liebesliedern der Romantik an und garantierte ein Musikerlebnis der besonderen Art.

Die für dieses Konzert ausgewählten Lieder der russischen Komponisten Nikolaj Listov, Michail Glinka, Peter Bulachov, Alexander Guriljev, Nikolaj Schischkin und vielen mehr waren reich an Emotionen und ließen dank einer grandiosen Darbietung durch die Sopranistin Karina Aßfalg und die Pianistin Liliana Roth das Geheimnis der russischen Seele erspüren. Beide Künstlerinnen sind in Russland geboren und konnten sich so mühelos in die russischen Kunstlieder, die im 19. Jahrhundert ihre Blüte erlangten, hineinversetzen.

Die Auswahl der Vorträge bildete einen abwechslungsreichen Querschnitt durch das goldene Zeitalter der russischen Dichtung mit Schwerpunkt auf Alexander Puschkin als wichtigsten Protagonisten des 19. Jahrhunderts.

Mit ihrer starken Bühnenpräsenz und ihrer lupenreinen Sopranstimme stellte Karina Aßfalg diese Lieder vor, stets im grandios stimmigen Zusammenwirken mit Liliana Roth am Klavier.

Bettina Eppler gab die Handlung eines jeden Liedes im Vorfeld wieder, doch auch ohne die Sprache zu verstehen war es durch die ausdrucksstarke Darbietung den beeindruckten Zuhörern möglich, dem Verlauf zu folgen.

Karina Aßfalg versetzte sich selbst und die Konzertbesucher in die kleinen Geschichten hinein und sorgte dafür, dass das Publikum in der Musik versinken konnte. Mit ihrer raumfüllenden Stimme überzeugte die Zwiefalter Sopranistin nicht nur in romantischen und traurigen Weisen wie etwa in „Verblühte Chrysanthemen im Garten“ von Nikolaj Harito, sondern auch in feurigen Zigeunerliedern wie in „Alter Ehemann, grausiger Ehemann“ von Alexsej Verstovskij.

So wurde das letzte von fünf Prälaturkonzerten in diesem Jahr zu einer grandiosen Vorstellung vorzüglicher Klangkultur, voller Energie, Freude und Sinn für Romantik. Beide Künstlerinnen ergaben sich hörbar der Leidenschaft der russischen Seele und ließen die Liebe zu ihrer Heimat in die Musik fließen.

Diese wurde durch das Klavierspiel und den Gesang zu einem musikalischen Gesamtwerk, das durch seine Intensität auf hohem Niveau überzeugte. Karina Aßfalg und Liliana Roth gestalteten eine musikalisch-literarische Reise durch Russland und schufen ein dichtes und tief reichendes Geflecht von Musik und Dichtkunst.

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Musikliebhaber genossen am Samstagabend das Konzert im Prälatursaal in Zwiefalten. Das Konzert am Sonntagmorgen lockte nochmals die gleiche Besucherzahl an.