Schon lange vor Corona hat das Thema Gesundheit und die medizinische Gesundheitsvorsorge die Menschen bewegt. Doch die Pandemie hat es in den Fokus gerückt: „Wir haben in Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme der Welt“, bekräftigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Montag bei seinem Besuch im PORT Gesundheitszentrum Hohenstein. Jetzt habe sich gezeigt, wie wichtig sektorenübergreifende Maßnahmen und untereinander vernetzte Berufsgruppen sind. Aus dem „beschaulichen Bernloch“  sei ein Hotspot geworden, an dem Pionierarbeit geleistet werde. „Was Sie hier tun, ist wichtig“, sagte er den Akteuren mit Allgemeinarzt, Kinderarzt, Hebamme, Physiotherapeut und Pflegestützpunkt zu. Sie führten Kretschmann gemeinsam mit Minister Manne Lucha und Landrat Thomas Reumann durch die Praxis und zeigten anhand von Fallbeispielen ihre Zusammenarbeit auf

Zukunftsweisend

„Ein Schlaganfall ist für einen Mediziner Alltag, für den Betroffenen aber ein tiefgreifender Einschnitt in sein Leben“, machte der Ministerpräsident deutlich und hob die Notwendigkeit einer Vernetzung über Berufs- und Fächergrenzen hervor. Denn plötzlich braucht es nicht nur den Arzt, der das Medizinische abklärt, sondern auch eine anschließende Krankengymnastik und vielleicht sogar psychiatrische Betreuung durch das ZfP. „Wir müssen raus aus dem Silodenken, denn dieses Thema beschäftigt die ganze Gesundheitsbranche“. Die Landesregierung werde sich auch weiterhin stark dafür einsetzen, Baden-Württemberg als Gesundheitsstandort zukunftsfest zu machen. Schließlich sei ein funktionierendes Gesundheitssystem ein Pfund für Bürger und Wirtschaft.

Kretschmann zeigte sich beeindruckt von der Demonstration dessen, wie eine innovative und zukunftsgerichtete Gesundheitsversorgung aussehen kann. „Wir dürfen Versorgung, Wissenschaft und Wirtschaft nicht isoliert betrachten, sondern müssen sie als Ganzes sehen“.
Dass der Ministerpräsident sich vor Ort umschaute, wertete Minister Manne Lucha als „Signal“. Das Gesundheitszentrum in Bernloch sei „zukunftsweisend“, ein „Zweckbau mit Seele“, getragen von „Kooperation statt Konkurrenz“. Zur richtigen Zeit erhalte man wichtige Hilfe vor Ort, hier heiße es nicht „Friss oder stirb“ und „rein ins System“, sondern technisches Know-How finde mit persönlicher Beseeltheit Anwendung. Was hier exemplarisch geplant wurde und jetzt zur Umsetzung kommt, sei das Grundmuster des Erfolges bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. In Bernloch sei ein „Leuchtturmprojekt“ geschaffen worden, das den Patienten ganzheitlich in den Blick nehme und Medizinstudenten anlocke. Schließlich werde ein Land an seinem medizinischen Fortschritt gemessen und daran, wie dieser bei den Menschen ankomme.
Landrat Thomas Reumann lobte die Unterstützung der Landesregierung beim Aufbau des Gesundheitszentrums und bezeichnete dieses als „zentraler Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge“. PORT stelle den Menschen mit all seinen Bedürfnissen und sozialen Bezügen in den Mittelpunkt, hier sei eine „Versorgung aus einem Guss“ durch die Überwindung der Gegensätze ambulant und stationär oder ärztlich und nichtärztlich möglich. Die Menschen bräuchten eine Gesundheitsversorgung im Sinne einer integrierten Versorgungsplanung und einer Behandlung, die vom Patienten her denkt und nicht in bestehenden Kirchtürmen verharre.
Entscheidende Schlagworte seien „sektorenübergreifende und multiprofessionelle Patientenorientierung“, die digital und vernetzt aufgestellt ist. Mit der Eröffnung des Gesundheitszentrums im September 2019 wurden bundesweite Maßstäbe gesetzt, um die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zukunftssicher zu gestalten.
Gefördert wird es durch die Robert Bosch Stiftung. Prof. Dr. Joachim Rogall, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung, hofft, dass „dieser Leuchtturm mit Gesundheitsversorgung aus einer Hand und unter einem Dach Schule macht“. Es sei schön zu sehen, wie eine Idee Gestalt angenommen habe und jetzt gelebt werde. „Wir zeigen hier, dass eine sektorenübergreifende Versorgung funktioniert“, betonte er und zeigte Hochachtung, dass bereits jetzt viele alltägliche Hindernisse überwunden wurden. „Seit der Einweihung bis heute wurde schon so viel erreicht“. Der Patient könne sich darauf verlassen, dass er ganzheitlich versorgt und sein gesamtes Umfeld betrachtet werde.

Gute Werbung

Für Prof. Dr. Michael Bamberg von der Universität Tübingen ein Zukunftsmodell: „Wir etablieren hier neue Strukturen, die dem Patienten zugutekommen“. Man komme weg von kleinen Praxen an jedem Ort und hin zu Gesundheitszentren, die für junge Mediziner einen Anreiz darstellten: „Sie sehen, wie sie vor Ort den Menschen helfen können. Das ist eine gute Werbung“. In welchem Maß eine gute Gesundheitsversorgung mit Nachhaltigkeit zu tun hat, war von Dr. Christof Bosch, Kuratoriumsvorsitzender der Robert Bosch Stiftung, zu erfahren. „Wir können unseren Nachkommen Lebensbedingungen weitergeben, die wertvoll sind“. Denn ein Leben in Gesundheit zu führen sei von zentraler Bedeutung.

So sahen es auch Mitinitiator Johannes Schwörer und Bürgermeister Jochen Zeller, der von einer hohen Akzeptanz in der Bevölkerung und von der Möglichkeit sprach, mit dem Zentrum neue Wege zu gehen.