Mit dem Pianisten Pervez Mody hat sich die Gesellschaft der Musikfreunde einen wahren Meister geholt. Der Inder sprühte vor Spiellust, bot  in teils sehr eigenwilliger, indes spannender, ja, poetisch-dramaturgischer Interpretation Musik von Beethoven, Fanny Hensel, Alexander Skrjabin und Franz Liszt.

Obschon sich Mody derzeit intensiv mit Beethoven befasst, dessen gesamtes Klavierwerk er in einem Zyklus aufführen will und seine Ausbildung geprägt war von Alexander Skrjabin, war es die ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt, die dem Konzertabend einen furiosen Schluss bescherte. Unter Mody‘s Händen schimmerte die Rhapsodie farbenreich und mit seinem außerordentlich akzentuierten Spiel fächerte er es auf in malerische Miniaturen. So führte er sein Publikum in die vielschichtigen Facetten, phantasievoll sowie mit feinem Sinn für Humor.

Das komplexe und schwer zu spielende Stück kam in schillernden Tremoli und strahlenden Glissandi sowie glitzernd skizzierten Figuren daher, denen Mody wie mit dem Expander gedehnte Pausen entgegensetzte – Spannung hoch drei. Duftig geschlagene lyrische Passagen wechselten mit dröhnender Dramatik, was der Pianist mit ganzem Körpereinsatz darbot. Eben so mag man sich Liszt, den seinerzeit gefeierten charismatischen Bühnenstar bei seinen Auftritten vorstellen: Gelebte Musik, die sich im rasanten, virtuosen und klangmalerischen Spiel äußert, unterstrichen vom leidenschaftlichen Körpereinsatz.

Eben so expressiv drei Werke von Skrjabin. Die Sonate Nr. 9, Opus 68, die sogenannte „Schwarze Messe“ mit ihrem mystischen Duktus war geprägt von harten Kontrasten, die Mody mit mit abrupten, abrissartigen Zäsuren und anschließenden Pausen dramaturgisch betonte.

Mit Skrjabins „Impromptu opus 10“, leicht und heiter gespielt, holte Mody seine Zuhörer aus den düsteren Sphären heraus in eine duftige Wolke.

Den Konzertabend eröffnet hatte Mody mit Beethovens Sturmsonate. Kraftvoll und dynamisch fegte das drängende Thema durch das Werk, aufgehalten von abruptem Innehalten, vom Pianisten schmerzlich lange ausgedehnt, kaum auszuhaltende Momente der Spannung. Das Adagio kam daher wie perlender Champagner, garniert mit feinen Schnittchen figurativer Passagen, mal in fedriger Leichtigkeit, dann selbstbewusst und dominant, das tänzerische Allegretto war eine Wolke der Anmut.

War mit Beethoven schon Mody‘s expressiv-klangmalerische Vorliebe deutlich geworden, schlug sich das in den vier Stücken „Januar/Februar und Juni/August“ aus Fanny Hensel‘s „Das Jahr“ erst recht nieder. Mody interpretierte diese Werke in allen Facetten der Romantik: Verspielt, verträumt, voller ungezügelter Ungeduld, setzte kleinste Figuren in funkelndes Licht, ließ die Läufe in ihren chromatischen Harmonien auf und ab rieseln.

Nicht jeder mag sich mit Mody‘s individuellem Spiel, das vor allem bei Liszt‘s Rhapsody an die des chinesischen Pianisten Lang Lang erinnerte, anfreunden, es ist dennoch fesselnd, bis der letzte Ton verklungen ist. Den Steinwayflügel der Zehntscheuer brachte Mody damit jedenfalls facettenreich zum Schillern. Das war mit ein Grund, weshalb die GdM den Pianisten eingeladen hatte, denn der Flügel feiert heuer seinen 15. Geburtstag.

Zugunsten der GdM wurden am Konzertabend obendrein Aquarelle von Walter Gutbrod verkauft. Einst war der Erlös seiner Werke die Basis für den Kauf dieses Flügels.

Nächstes Mal mit Swing


Die Formation „Moi Et Les Autres“ gilt als die beste Swing-Chanson Band Deutschlands.Sie gastiert am Samstag, 30. März, 20 Uhr, auf Einladung der Gesellschaft der Musikfreunde in der Zehntscheuer Münsingen.