Es waren etwas weniger Aktivisten am Start, als sich die Bürgerinitiative für den Erhalt der Albklinik erstmals nach dem zumindest vorläufigen Aus für die Geburtshilfe am Mittwoch im „Hirsch“  traf. „Wir wollen ausloten, was man jetzt machen kann“, leitete BI-Sprecher Dr. Eberhard Rapp ein. Fakt sei, dass nicht genug Geburtshelfer gefunden wurden, dass es keine Vorwürfe in Richtung Kreiskliniken oder Landrat gebe. Man habe noch die Genehmigung für eine Hauptabteilung, die allerdings irgendwann erlöschen werde. Welche Möglichkeiten gibt es jetzt noch? Eine sei das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ), eine andere ein Hebammen geführter Kreißsaal. Die Hebammen sollten sich überlegen, ob sie in Münsingen zumindest eine prä- und postnatale Versorgung anbieten könnten, gab Dr. Siegfried Hahn auf den Weg. Dabei müssten die Versicherungsprämien tragbar sein, glaubt er. „Überlegungen dazu sind da“, bestätigte Hebamme Stefanie Sailer. Schließlich sei es wünschenswert, Schwangere bis zur und nach der Geburt zu unterstützen und zu begleiten. Es habe bereits ein Treffen zum Thema Hebammen-Praxis stattgefunden, bestätigte sie.

Dr. Gerhard Schnitzer, der bis vor knapp einem Jahr gemeinsam mit Bernd Angermann als Belegarzt an der Albklinik tätig war, erklärte, dass man die Geburtshilfe zentralisieren müsse, um die Qualität hochzuhalten. Es wäre kontraproduktiv, wenn man sich den Kreißsaal zurecht stricken würde ohne auf die Qualität zu achten. Er warnte davor, die Geburtshilfe mit Ärzten zu betreiben, die keinen inländischen Facharzttitel besitzen oder 20 Jahre lang keine Geburtshilfe mehr betrieben hätten. Dies wäre seiner Meinung nach Gewalt gegen Frauen.

Schnitzer nannte als Beispiel Norwegen, wo es keine Geburtshilfekliniken mit weniger als 2000 Geburten pro Jahr gebe. In Münsingen sei 30 Jahre lang verantwortungsvolle Geburtshilfe betrieben worden. Künftig brauche man Geburtshilfe, die leistungsfähig sei. Eine Hauptabteilung könne qualitativ hochwertig in der Albklinik nicht weitergeführt werden ohne eine ordentliche Personalausstattung. Er werde jedenfalls keine Geburtshilfe zweiter Klasse betreiben, unterstrich der Frauenarzt, der aber auch seine grundsätzliche Bereitschaft zur Mitarbeit in einer Hauptabteilung signalisierte.

Die Bürgerinitiative wird ihre Aktivitäten nicht einstellen. Das nächste Treffen findet am 20. März statt.