Das Unternehmen Walter Maschinenbau, das zur United Grinding Group gehört, hat nach Gewerkschaftsangaben am 10. Juli der Belegschaft völlig überraschend mitgeteilt, dass es beabsichtigt, rund zehn Prozent der Arbeitsplätze abzubauen. Zum Teil soll dies über Aufhebungsverträge geschehen, die der Arbeitgeber einigen von ihm ausgewählten Arbeitnehmern anbieten möchte, zum Teil soll es aber auch betriebsbedingte Kündigungen geben. Die Industriegewerkschaft Metall mutmaßt, dass die gesetzliche Sozialauswahl nicht vorgenommen werden soll.

Backnang/Reutlingen

Scharfe Kritik vonseiten der IG Metall an Walter

„Für uns ist dieser Schritt überhaupt nicht nachvollziehbar“, so der zuständige Gewerkschaftssekretär Ralf Jaster. „Jahrelang war das Unternehmen Klassenprimus in der Region mit ständig steigenden Umsätzen und sehr hohen Gewinnen. Letztes Jahr sind die Gewinne zwar zurückgegangen, trotzdem konnten viele andere Unternehmen von solchen Zahlen nur träumen. Jetzt, nach nur drei Monaten Kurzarbeit im Zuge der Coronakrise, will man die Leute rausschmeißen, die diese Erfolgsstory erst möglich gemacht haben.“

Walter Betriebsrat bei Entscheidung nicht eingebunden

Während andere Unternehmen in solchen Situationen das Gespräch mit der IG Metall suchen würden, um die Bewältigung der Krise mit tariflichen Werkzeugen zu unterstützen, handle die Firma ohne Abstimmung mit der Tarifvertragspartei oder dem Betriebsrat. Das sei im Besonderen ärgerlich, weil das für Arbeitgeber inzwischen vergünstigte Instrument der Kurzarbeit bei weitem noch nicht ausgeschöpft wurde, so Jaster weiter. Es scheine, dass nach dem Verkauf von Walter Maschinenbau 2018 an eine Schweizer Investorengruppe unter der Führung des Schweizer Milliardärs Martin Ebner, einseitig nur auf die Gewinne geschielt würde, ohne der sozialen Verantwortung gegenüber den Beschäftigten gerecht zu werden, so der Gewerkschafter weiter.

Nur mit Beratung in die Verhandlungen um Aufhebungsverträge

„Der Arbeitgeber will nun mit von ihm ausgewählten Beschäftigten individuell über Aufhebungsverträge verhandeln“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Jörg Bernhard. „Wir empfehlen den Betroffenen dringend, zu diesen Gesprächen ein Betriebsratsmitglied ihres Vertrauens mitzunehmen und nichts ohne eine rechtliche Prüfung zu unterschreiben.“ Betriebsrat und IG Metall fordern das Unternehmen auf, umgehend in Verhandlungen über die Sicherung der Arbeitsplätze einzutreten.