Die Gemeinde Mehrstetten hat sich zum „sicheren Hafen“ erklärt. Demnach ist sie bereit, zusätzlich zur Quote fünf weitere geflüchtete Menschen aufzunehmen. Bisher sind es vor allem Städte wie Rottenburg, Reutlingen, Tübingen, Regensburg und Konstanz, die sich mit der zivilgesellschaftlichen Initiative „SeebrückeSchafft sichere Häfen!“ solidarisiert haben. Jetzt will die Gemeinde Mehrstetten ein Zeichen dafür setzen, dass sich auch kleine Kommunen für Menschlichkeit einsetzen können.

Für Diskussionen gesorgt

Frieder Gundert hatte dieses Thema bereits in der vorangegangenen Gemeinderatssitzung ins Gespräch gebracht und damit für Diskussionen gesorgt. Auf sein Anregen hin hat sich Bürgermeisterin Franziska Kenntner nun eingehend informiert und konnte die Bereitschaft zur Aufnahme von geflüchteten Menschen, die im Mittelmeer in Seenot geraten sind, dem Gremium empfehlen. „Wir können auch als kleine Kommune einmal vorausgehen. Es wäre für uns ein Leichtes, zusätzlich zu unserer Aufnahmequote noch fünf weitere Menschen aufzunehmen“, machte sie deutlich.

Als die Sitzungsvorlage unterzeichnet wurde, saßen wiederum 43 Gerettete auf dem Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ seit über neun Tagen fest, obwohl sich bereits über 60 Kommunen bereit erklärt hatten, diese Flüchtlinge aufzunehmen. Bereits in den vergangenen Jahren habe die Gemeinde Mehrstetten und insbesondere der Arbeitskreis Asyl gezeigt, dass sie bereit und fähig seien, geflüchtete Menschen aufzunehmen, zu integrieren und beim Ankommen zu unterstützen. Jetzt sehe sich die Kommune in der Pflicht zur Rettung von Menschen in Seenot als Ausdruck der Menschlichkeit und für Frieden. Mit Blick auf die 1425 Einwohner sei die Zahl der zusätzlich aufzunehmenden fünf geflüchteten Personen angebracht. Im Verbund mit anderen Städten und Gemeinden des Bündnisses sieht die Verwaltung so eine ausreichende Verteilung gewährleistet: „Wir können für diese fünf Personen ohne Weiteres alle notwendigen Ressourcen für eine menschenwürdige Versorgung, insbesondere in den Bereichen Wohnen, medizinische Versorgung und Bildung, zur Verfügung stellen“.

Seenotrettung zulassen

Für Frieder Gundert eine gute Nachricht: „Vielleicht können wir als kleine Gemeinde auch dazu beitragen, dass die Menschen die Situation anders betrachten und erkennen, dass Seenotrettung zugelassen werden muss. Wir müssen sicherlich nicht befürchten, dass hier mordsmäßig etwas auf uns zukommt.

Es geht vor allem um die Bereitschaft, da zu sein, wenn man uns braucht“. Bernd Schiller will damit ein Zeichen für Menschlichkeit gegenüber der Regierung setzen: „Leute lässt man nicht ertrinken“. Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung stimmte der Rat der Erklärung zum „sicheren Hafen“ zu.

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