Es war ein wahrlich beeindruckender Fund: in Trailfingen auf der Schwäbischen Alb wurde 1965 ein irdenes Gefäß mit einem Münzschatz entdeckt, das etwa sechs Jahrhunderte zuvor verborgen worden war. „Mit rund 10.000 Silbermünzen zählt der Schatz von Trailfingen zu den größten württembergischen Funden des späten Mittelalters“, heißt es seitens des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart, wo der Silberschatz aufbewahrt und untersucht wird. Die Münzen zeigen dabei eindrücklich, wie vernetzt die Welt schon lange vor der Globalisierung war: Die Heller und Pfennige, bilanziert das Landesmuseum, stammen aus Prägestätten von Brandenburg im Norden bis Tirol im Süden und von den elsässischen Reichsstädten Straßburg und Weißenburg im Westen bis nach Neuböhmen in Osten.

Mehr als dreieinhalb Kilogramm Gewicht

Dr. Matthias Ohm, Leiter der Fachabteilung Kunst- und Kulturgeschichte am Landesmuseum, hat den Trailfinger Münzfund genau im Blick. „In einer Flasche aus Ton waren über 10.000 silberne Münzen verborgen, die zusammen mehr als dreieinhalb Kilogramm wogen“, berichtet der Experte. „Diese Münzen stammen aus über 30 Prägestätten, von Brandenburg im Norden bis Tirol im Süden und von den elsässischen Reichsstädten Straßburg und Weißenburg im Westen bis nach Neuböhmen im Osten.“

Die kleinsten Münzen im Mittelalter

Der Fund bestand aus Hellern und Pfennigen, den kleinsten Münzen des spätmittelalterlichen Münzsystems, erklärt Ohm. Sie wiegen zwischen 0,2 und 0,5 Gramm und haben einen Durchmesser von maximal 20 Millimetern. „Der Trailfinger Schatz entsprach einem Wert von rund 7500 Pfennigen und damit dem Arbeitslohn eines Bauhandwerkers von zwei bis vier Jahren.“

Jahrhundertelang hatte es in Mitteleuropa nur ein Münznominal gegeben: den Pfennig. Seit etwa 1200 änderte sich das. In der Prägestätte Hall, dem heutigen Schwäbisch Hall, entstand in millionenfacher Auflage eine neue Münze: der Heller. Er zeigt auf seiner Vorderseite ein Kreuz, dessen Arme in Gabeln enden, und auf der Rückseite eine Hand mit erhobenen Fingern. Schon bald begannen andere Münzherrn mit der Ausgabe von Hellern, so auch die Burggrafen von Nürnberg aus dem Geschlecht der Zollern. In Langenzenn (Landkreis Fürth) ließen sie Heller schlagen, die dem Münzbild aus Hall folgen – mit einem Unterschied: Auf der Handfläche findet sich ein Hundekopf, der auch auf dem Wappen der Burggrafen zu finden war.

Einblicke in die Kriminalitätsgeschichte

Exemplare dieser Münzen lassen sich allesamt im Trailfinger Münzschatz entdecken. Der Silberschatz gibt indes auch Einblicke in die Kriminalitätsgeschichte. So finden sich unter den mehr als 10.000 Münzen auch 30 Fälschungen, die heute leicht zu erkennen sind: Weil sie nicht wie vorgeschrieben aus einem Drittel Silber bestehen, sondern nur aus Kupfer, sind diese Münzen an ihrer roten Farbe leicht zu erkennen. „Ich gehe davon aus, dass die Fälschungen mit einer hauchdünnen Schicht aus Silber überzogen waren, und dass diese Schicht wärend der jahrhundertelangen Lagerung im Boden oder bei der Reinigung der zusammengebackenen Münzen nach der Auffindung verloren ging“, erklärt hierzu Dr. Ohm. „Eine rote Münze wäre sonst natürlich damals leicht erkannt worden.“

Vortrag in Trailfingen wird verschoben


Kurz vor der Corona-Krise wurde der Trailfinger Münzschatz im Rahmen der „Kunstpause“ am Landesmuseum Württemberg wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Am Freitag, 8. Mai, sollte dies auch auf der Alb geschehen: Dr. Matthias Ohm vom Landesmuseum wollte an diesem Tag im Dorfgemeinschaftshaus in Trailfingen über den Trailfinger Münzschatz und die neuesten Erkenntnisse hierzu berichten. Nach heutigem Stand muss der Vortrag wohl verschoben werden. Ein Nachholtermin ist nicht bekannt.