Vertreter des Kreisbauernverbands zogen gestern gegenüber den Medien eine erste Bilanz der diesjährigen Ernte. Mit von der Partie auf dem Hof von Pia und Walter Münch im Zwiefalter Teilort Hochberg waren auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober und die beiden Landtagsabgeordneten Karl-Wilhelm Röhm (CDU) sowie Rudi Fischer (FDP).

Gebhard Aierstock, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, erinnerte eingangs an die Trockenheit im vergangenen Jahr, die sich im Herbst fortgesetzt und die Aussaat beeinträchtigt habe. „Zum Teil musste im Frühjahr nachgesät werden, weil sich die Pflanzen nicht entwickelt haben“. Die zu kalten Temperaturen im April und Mai haben ihm zufolge bei der Obsternte den Ertrag gemindert. Beim Weizen, der bereits zu 75 Prozent abgeerntet ist, fallen die Erträge auf der Alb „durchschnittlich“ und im Albvorland „sehr gut“ aus. Dort sei die Ernte bereits abgeschlossen. Anders sieht es auf der Albhochfläche aus, doch bis Mitte nächster Woche könnten auch hier die Mähdrescher fertig sein, hofft Aierstock mit Blick auf das angekündigte gute Wetter.

Preisminderung des Weizen

Die Qualität ist gut, die „Fallzahlen“, die Aufschluss über die Eignung zum Backen geben, seien in Ordnung. „Ist das Getreide reif und es regnet, dann beginnt es zu keimen und die Backqualität verschlechtert sich“, so Aierstock weiter. Weniger zufrieden zeigte sich der Kreisbauernchef bei der Preisentwicklung. Beim Brotweizen werden derzeit 14 bis 15 Euro pro Doppelzentner gezahlt und damit zwei bis drei Euro weniger als im vergangenen Jahr. Der Preis orientiert sich am Weltmarkt. Den Kurs bestimmen die „weltweit guten Ernteerträge“, betonte Aierstock. Qualitativ „recht gut“ nannte er die Braugerste, die jedoch pro Doppelzentner (18 Euro) ebenfalls zwei bis drei Euro weniger einbringt als im Vorjahr, während die Einbußen bei Futtergerste (14 Euro) sogar rund vier Euro betragen. Keinen Preisrückgang verzeichnen die Landwirte beim Raps, doch die Erträge liegen hier rund zehn Prozent unter dem langjährigen Mittel. Die Heuernte ist „recht ordentlich“ – die Preise fallen jedoch tendenziell – auch Stroh steht in ausreichender Menge zur Verfügung. Die derzeitigen Maisbestände lassen einen „guten Ertrag“ erwarten. Der Auszahlungspreis für Milch ist seit Jahresbeginn von 36 auf 35 Cent gesunken und damit weitgehend stabil. Mit 1,85 Euro pro Kilo Schlachtgewicht ist der Schweinepreis im Vergleich zum Vorjahr wieder spürbar gestiegen. „In Asien werden als Folge der Schweinepest massive Rückgänge in den Beständen erwartet“, berichtete Aierstock.

Unterm Strich fallen die Ernteerträge bei Getreide auf der Alb nicht überall gleich aus. „Hier am südlichen Rand der Alb gab es mehr Niederschläge als zum Beispiel im Münsinger Raum“, betonte Aierstock. Ein Phänomen, das auch Dr. Maria Maushammer, die im Münsinger Landwirtschaftsamt für den Bereich Agrarstruktur und Produktion zuständig ist, bestätigte: „Ein überregionaler Landregen hat im Sommer völlig gefehlt“. Zudem seien bislang durchschnittlich zwei bis drei Hitzetage hintereinander die Regel gewesen, heuer waren es neun bis zehn.

Fiel die Bilanz bei den Ernteerzeugnissen unterm Strich also positiv aus, gilt das nicht für eine ganze Reihe aktueller Themen, die den Landwirten unter den Nägeln brennen. Aierstock verwies auf die Debatte um den Klimaschutz – „der deutsche Bauernverband hat eine Klimaschutzstrategie entwickelt“ –, die Diskussion um das Tierwohl, die Kastration von Ferkeln oder neue Auflagen im Bereich der Düngeverordnung sowie die Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik und vor allem das geplante „Volksbegehren Artenschutz“, das Kober als „moderne Form des Ablasshandels“ bezeichnete.

Letztlich gehe es immer darum, ob der Verbraucher bereit ist, höhere Preise für Lebensmittel zu bezahlen, die zwangsläufig mit höheren Auflagen für die Landwirtschaft einhergehen. Hier forderte Albert Werner, Aierstocks Stellvertreter, die „0“ als weitere Klasse beim Tierwohllabel für Erzeugnisse, die importiert werden und nicht nach den für die deutschen Landwirte geltenden Mindeststandards – für die eine „1“ vorgesehen ist – produziert wurden.

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