„Ich fühlte mich ganz schön alleine gelassen“, kritisiert ein praktizierender Zahnarzt aus der Region, der namentlich nicht genannt werden möchte, den hiesigen Umgang mit eventuell Corona-Infizierten gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet der Dentist, die Faschingsferien gemeinsam mit seiner Familie in Südtirol verbracht zu haben. Am ersten Montag nach dem Urlaub gingen die Kinder wieder in Schule beziehungsweise Kindergarten und er selbst trat seinen Dienst in der Praxis an. Nur wenige Tage später wurde Südtirol durch das Robert-Koch-Institut als Coronavirus-Risikogebiet eingestuft.

Coronavirus: Zurück aus dem Risikogebiet Südtirol

Gemäß den Vorgaben des Kultusministeriums Baden-Württemberg – Schüler und Kindergartenkinder dürfen unabhängig von Symptomen nach einer Rückkehr aus Risikogebieten für zwei Wochen nicht in die Schule oder Betreuungseinrichtung gehen – blieben die beiden Kinder ab diesem Zeitpunkt zu Hause. „Nun machte ich mir auch große Sorgen, schließlich behandle ich täglich etwa 20 Personen in meiner Praxis, und wollte nicht unbewusst das Virus an andere Menschen weitergeben“, erläutert er. Vor diesem Hintergrund wendete er sich an die Landeszahnärztekammer. „Erfolglos. Entweder man weist Symptome auf oder man hatte Kontakt mit einer Person, bei der der Virus nachgewiesen wurde“, lautet sein Fazit. Also nahm der besorgte Zahnarzt Kontakt mit dem Gesundheitsamt in Reutlingen auf und bat um einen Test – die Kosten dafür wollte er selbst übernehmen. Auch an dieser Stelle erfuhr er eine Abfuhr. Der Versuch, einen Test beim Hausarzt durchzuführen, scheiterte ebenfalls: Dieser hatte keine entsprechenden Proberöhrchen zur Verfügung und selbst eine Expressbestellung hätte mindestens zwei Tage in Anspruch genommen. „Ich verstehe nicht, warum jemand, der an einer solch exponierten Position im Einsatz ist, keine Möglichkeit bekommt, sich testen zu lassen. Das ist unbefriedigend“, bemängelt er. Auch wenn er sich zu 99,9 Prozent sicher sei, den Virus nicht eingefangen zu haben, habe ihn in den vergangenen Tagen stets ein höchst ungutes Gefühl begleitet. Keine Option war es, die Praxis auf Verdacht zu schließen: „Hätte ich dies prophylaktisch getan, wären meine Patienten nicht automatisch nach zwei Wochen wiedergekommen. Damit hätte ich nur dem Ruf geschadet und die Angst geschürt.“

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