Sowohl in Tansania als auch in Kenia sind inzwischen alle Schulen, öffentliche wie private, geschlossen. In Heimen und ähnlichen Einrichtungen wurden die Betreuten zu ihren Familien geschickt – wo immer das möglich war. Nur ein kleiner Mitarbeiterstab hält den Betrieb vor Ort aufrecht, so gut es geht – oder arbeitet zu Hause am PC. Freiwillige Helfer in den Projekten sind inzwischen wieder in Deutschland.

Planungen für Projekte in Kenia und Tansania stocken

Birgit Zimmermann, Projektleiterin des Badilisha Maisha Centres in Outspan bei Eldoret, hat ihren geplanten Heimatbesuch verschoben und versucht, den Kontakt zu ihren Schützlingen zu halten. Auch wenn diese nun alle zurück bei ihren Familien sind. Das betrifft zehn Kinder, die eben erst von der Straße geholt und neu ins Heim aufgenommen worden waren sowie 50 junge Menschen, die eine weiterführende Schule besuchen und wieder zu Hause leben. Die Furcht ist groß, dass einige bald wieder auf der Straße landen, wenn der Kontakt zu ihnen und ihren Familien abreißt. Jüngst hat das Badilisha Maisha Centre neue Kinderzimmer fertiggestellt, diese können jetzt für kritische Fälle ein Auffangnetz sein, und sind eine gute Investition für schlechte Zeiten.

Wassermangel und Stillstand bei Ausbau von Bildungseinrichtungen

Für ganz andere Krisen, nämlich Wassermangel bei anhaltender Trockenheit, ist der Tiefenbrunnen für die Dorfgemeinschaft gedacht, der mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gebohrt werden soll. Anfang März war noch eine Delegation aus der Partnergemeinde Bempflingen mit Bürgermeister Bernd Welser und dem Vereinsvorsitzenden Holger Dembeck an der Spitze zu Besuch in Kenia gewesen, um dieses für die Gesundheit der Bevölkerung hoffnungsvolle Projekt voranzubringen. „Mit Zuversicht“ habe man sich auf den Weg und an die rechtlichen Hürden gemacht, berichtet Dembeck. Corona erschwert nun alles.
Ebenfalls ins Stocken gerät der Aufbau einer Farmschule, die an das Heim angegliedert werden und dieses Jahr noch an den Start gehen sollte. Jugendliche sollen den Anbau von Gemüse lernen und dazu das Know-how für dessen Vermarktung mitbekommen – ein Beitrag gegen die Armut in der Region.

Von Brunnen, Schutzmasken bis zum Kinderheim

Im Badilisha Maisha Centre hat inzwischen Sarah Müller eine Corona-Zuflucht gefunden: Ihr Workshop in Karai, in dem sie Taschen für den deutschen Markt aus alten Zementsäcken produziert, ist geschlossen. Dafür näht sie jetzt Schutzmasken für das ganze Dorf. Händewaschen ist im Kinderheim „Springs of Hope“ in Maralal kein Problem – ganz im Gegensatz zum örtlichen Krankenhaus, wie Marit Wiest vom Arbeitskreis Maralal/Münsingen berichtet. Die medizinische Versorgung der Stadt sei katastrophal. Das Heim ist abgeriegelt, nur die Heimleitung darf das Gelände zum Einkauf von Lebensmitteln und Medizin für die HIV-positiven Kinder verlassen. Seit 2019 gibt es einen eigenen Brunnen mit gutem Wasser, neue Sanitärräume, einen Speisesaal und ein Abwassersystem: Hygiene ist auch in normalen Zeiten überlebenswichtig für die Kinder mit geschwächtem Immunsystem.
Ohne Bewässerung gäbe es den großen Gemüsegarten nicht, der dem Heim jetzt mehr denn je durch die Krise hilft. Eine Kuh sorgt für Milch. Mais, Reis und Bohnen müssen jedoch zugekauft werden, um eine ausgewogene Ernährung zu sichern. Allerdings schnellen die Lebensmittelpreise gerade in die Höhe, denn die Stadt muss über lange und schlechte Anfahrtswege versorgt werden.

Allein in Nairobi und Eldoret 350 Kinder auf Unterstützung angewiesen

In den kenianischen Großstädten Nairobi und Eldoret finanziert der CVJM Kappishäusern Schulbildung für 350 Kinder, die aus ärmsten Verhältnissen stammen und sonst keine Chance auf Bildung hätten. Das Schulessen gehört dazu – für viele Kinder die einzige Mahlzeit am Tag. Jetzt, wo alle zu Hause bleiben müssen, überlegen die katholische Kirchengemeinde „Church of the Rock“ und Pastor Geoffrey, wie man dennoch Mahlzeiten für die Kinder bereithalten könnte. Der Initiator des Projektes, Werner Held, glaubt, dass die Restriktionen arme Familien besonders hart treffen: „Die Menschen wissen nicht, wie das Leben weitergehen soll“. Staatliche Hilfe gibt es keine. 

Ein Waschhaus für Tandala

„Gut, dass wir einander haben“ ist der Slogan für die Partnerschaft zwischen Neuhausen und dem Diakoniezentrum Tandala in Tansania, die es seit 1996 gibt. Eine Krise ähnlichen Ausmaßes, wie sie jetzt auf Mitarbeiter und Schützlinge zukommt, musste sie in fast 25 Jahren nicht bewältigen. Die Kinder in den Sonderschul-Internaten wurden von Mitarbeitern nach Hause gebracht.

Auszubildende in Schneiderei und Schreinerei können nicht weitermachen, ein Seminar für Diakoniebeauftragte wurde abgebrochen. Nur in der Verwaltung wird noch gearbeitet. Ein langgehegter Wunsch rückt jetzt besonders in den Fokus: Ein Waschhaus, in dem die große Menge an Bettwäsche im Projekt hygienisch einwandfrei gereinigt und aufbewahrt werden kann. Bis jetzt geschieht fast alles noch von Hand im Freien. Getrocknet wird auf der Wiese.

Nationaler Gebetstag in Kenia gegen die Pandemie

Afrika hat seine ganz eigene Art, der Pandemie zu begegnen. In Kenia hat der Präsident gleich nach Bekanntwerden der ersten Fälle einen nationalen Gebetstag ausgerufen – natürlich zu Hause. Die Menschen sind es gewohnt, aus dem Gebet Trost und Hoffnung im Alltag zu schöpfen. So klingt es auch in den Nachrichten, die von den afrikanischen Freunden nach Deutschland kommen.

Mit ziemlicher Sicherheit wird die Krise alle Afrikaprojekte im Kirchenbezirk finanziell treffen: Schulgebühren fehlen, Lehrergehälter müssen aber weiterlaufen. In den Werkstätten kann nichts produziert werden. Eher sieht es so aus, als müsste es demnächst ein Notfallprogramm geben, damit die Angestellten mit ihren Familie über die Runden kommen: Die Lebensmittelpreise steigen – auch wegen der Heuschreckenplage in Ostafrika.
Hinzu kommen außerdem die Kosten im Krankheitsfall. Bei der Kenia-Hilfe Schwäbische Alb überlegt man, Gemüse von der eigenen Farm in Karai, das in der Küche wegen der stark reduzierten Kinderzahl nicht gebraucht wird, kostenlos an die Mitarbeiter abzugeben.