Kunst und Kultur liegen der Reutlingerin Edith Koschwitz am Herzen. Und sie will diese in den ländlichen Raum direkt zu den Menschen bringen. Deshalb hat sie sich das Gebäude im früheren Militärgelände Altes Lager in Auingen bei Franz Tress angemietet, jetzt steht es für Ausstellungen und Workshops zur Verfügung.

Künstlern aus der Region will sie eine Plattform und einen Ort bieten für Kunst, Kultur, Arbeit und Projekte. Sie können die Räume mit 450 Quadratmetern anmieten und dort arbeiten, wo einst französische und deutsche Soldaten wohnten. Kunstlandschaften will sie schaffen und insbesondere der Bildenden Kunst einen Ort der Präsenz und Präsentation mitten auf der Schwäbischen Alb bereiten.

Mit dieser Idee hat sie sich bei LEADER Mittlere Alb beworben, künftig erhalten ihre unterschiedlichen Projekte eine finanzielle Unterstützung. Landrat Thomas Reumann und Regionalmanagerin Elisabeth Markwardt brachten am Sonntag im Rahmen der Vernissage zur Ausstellung „abseits“ von Claudio Hils persönlich die LEADER-Plakette vorbei.

Reumann hob die Bedeutung von Kunst- und Kultureinrichtungen für die Entwicklung des ländlichen Raumes hervor: „Sie bauen Brücken, sorgen für Integration, Beteiligung und Teilhabe“. Dafür bedürfe es aber Angebote und neuer Ideen – so wie das LEADER-Projekt #kunstlandschaft von Edith Koschwitz, unter dem sie ihr Kulturhaus BT24 künftig betreibt.

Mittlerweile findet hier bereits die fünfte Ausstellung statt, alle Ausstellungseröffnungen waren sehr gut besucht. „Das zeigt mir, dass der Bedarf da ist und dass Kulturarbeit in der Region einen sehr hohen Stellenwert hat“, sagte Koschwitz. Die LEADER-Förderung gebe ihr die Möglichkeit, einen bunten Strauß an Aktivitäten anzubieten, die sie in dieser Form sonst nicht hätte durchführen können. „Ich möchte Künstler zusammenbringen, neue Kooperationen anstoßen, einen Beitrag zum Standortmarketing leisten, Menschen ins Gespräch bringen und den Austausch fördern“.

Franz Tress, Geschäftsführer von Albgut, begrüßt diese Entwicklung im Alten Lager: „Kunst und Kultur gehören hierher und passen wunderbar zu den unterschiedlichen Manufakturen, die sich im Albgut niederlassen“.

Bürgermeister Mike Münzing brachte die Kultur- und Kunst-
sinnigkeit mit den findigen Menschen auf der Schwäbischen Alb in Verbindung: „In der Region hat man schon lange erkannt, dass es mehr gibt als Essen, Schlafen und Fortpflanzung“. Die Alb sei eine Modellregion, die sich mit Nachhaltigkeit und einer sozialen, ökologischen und ökonomischen Entwicklung auseinandersetze. „Die Bekenntnisse zur Kultur und zur Kulturlandschaft gehören dazu“.

Ständig in Bewegung

Seit Jahrtausenden seien auf der Alb die Menschen nicht monokulturell unterwegs: „Von allem ein bisschen und davon das Beste entwickeln. Das hat die Älbler geprägt“. Aus Traditionen würde Neues entstehen, nichts Museales, sondern etwas, das ständig in Bewegung sei. Dieses Kulturhaus bietet jetzt die Möglichkeit, sich selbst wiederzufinden, anstatt andere zu kopieren.

„Hier sind Räume der Begegnung und der Identifikation entstanden, die ein Suchen und Finden ermöglichen“. Diese Räume können entweder zusammen oder einzeln, von einer ganzen Gruppe oder einem einzigen Künstler angemietet werden.

Das Albgut bietet eine besondere Atmosphäre, das Kulturhaus Ausstellungsflächen und Arbeitsplätze zum Zeichnen, Malen, Denken, Planen und Schreiben. Zwischen acht und 20 Personen finden in einem Raum Platz. Die früheren Waschräume sind optimal für das Reinigen von Künstlermaterialien geeignet. Eine großzügige Ausstattung zum Arbeiten ist vorhanden.

Die aktuelle Ausstellung „abseits“ mit Fotografien von Claudio Hils ist während der Öffnungszeiten von Mittwoch bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr bis zum 11. August zu sehen. Am 27. Juli findet von 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr der Workshop „Kulturarbeit im ländlichen Raum“ statt. Dabei geht es darum, den Kulturbereich im ländlichen Raum weiter voranzutreiben, um die Position der Kulturarbeit zu stärken und mit besonderen Methoden Zukunftsszenarien zu entwickeln. Eingeladen sind Kulturschaffende und alle Interessierten an Innovationen und Kooperation.