Auingen / Ralf Ott  Uhr

Im Albmaler Museum ist noch bis zum 7. April die Sonderausstellung mit Werken von Fritz Genkinger zu sehen. Darüber hinaus wurde jetzt in den hinteren beiden Räumen im Erdgeschoss eine Sonderschau eröffnet: Professor Dr. Rainer W. Gülch zeigt dort Arbeiten unter dem Titel „Bedrohte Natur und Umwelt“. Etwa ein Dutzend Gemälde sind zu sehen, die nicht nur die Veränderungen und Zerstörungen der Natur thematisieren sondern genauso in sozialkritischer Hinsicht zum Nachdenken anregen.

Eine Absicht, die für Gülch im Vordergrund dieses Teils seiner künstlerischen Arbeit steht. Denn neben den Werken mit einem zeitkritischen Hintergrund malt er gerne Porträts, Landschaften und Tierbilder, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung am Rande der Ausstellungseröffnung erzählt. Einem Prinzip bleibt er aber treu, nämlich der Gegenständlichkeit. Gerade bei den Bildern aus dem Umweltbereich ist dies für ihn unverzichtbar, will er doch eine Botschaft mit seinen Bildern vermitteln. „Gegenständliche Bilder prägen sich dem Betrachter viel besser ein“, betont Gülch. Der Fokus seines Schaffens liegt eindeutig auf der Ölmalerei, der „Königsdisziplin“, wie er es nennt. Die Bilder, die er, der schon als Kind „den Drang zu malen“ verspürte, während seines Berufslebens malte, entstanden notgedrungen in der Freizeit. „Bei der Ölmalerei ist eine gute Planung unerlässlich und die Farben benötigen natürlich genügend Zeit zum Trocknen“. Ein Umstand, der bisweilen auf der Rückfahrt aus dem Urlaub für Probleme sorgte, erinnert er sich. Heute, als Pensionär, spielt das keine Rolle mehr, er kann sich für Skizzen und die Planung genauso Zeit nehmen wie für die Umsetzung. Dabei nutzt er inzwischen den PC zur Planung der Proportionen. Er stuft sich „als unheimlich naturverbunden ein“ und daher beobachtet er Veränderungen und Zerstörungen in einer sich wandelnden Umwelt sehr genau. „Waldmetamorphose“ hat er das Bild genannt, das für den Titel zur Ausstellung gewählt wurde. „Die Idee entstand auf der Höhe des Waldsterbens“, erinnert er sich. Inmitten der toten Bäume ist es ein Wald aus Hochspannungsmasten, der in den diesig verhangenen Himmel ragt. Seine künstlerischen Motive sind gegenständlich, aber kein Abbild der Realität. „Es sind unterschiedliche Ideen und Motive, die ich gegebenenfalls in einem Bild zusammenfüge“. Auch „Variationen“ – in der Malerei kaum bekannt – hat er umgesetzt, so zum Beispiel mit dem Monet-Bild „Das Mohnfeld bei Argenteuil“, das Gülch um einen Traktor, der Felder düngt, eine Familie, die sich mit dem Smartphone fotografiert und Mountainbiker ergänzt hat. Die jetzt gezeigten Bilder sind über einen längeren Zeitraum hinweg entstanden. Neueren Datums ist zum Beispiel die Arbeit „Glücksmoment unter den Ärmsten“: Drei Kinder suchen im Dunst einer Müllhalde in Afrika im Wohlstandsmüll der westlichen Welt nach Verwertbarem.

Gülch wurde 1943 in preußischen Königsberg als Sohn schwäbischer Eltern geboren und absolvierte seine Schulausbildung in Reutlingen und Stuttgart. Sein Physikstudium in Stuttgart und London schloss er mit einem Diplom ab, es folgte ein Aufbaustudium der Medizin in Tübingen. Am Physiologischen Institut promovierte und habilitierte er. Von 1979 bis 2007 war er dort Professor für Humanphysiologie und seit 1992 zugleich Lehrbeauftragter für Flugmedizin an der Fakultät für Luft- und Raumfahrt der Universität Stuttgart.

Info Die Ausstellung im Albmaler Museum im albgut (Gebäude OF 7) ist noch bis 7. April zu sehen. Öffnungszeiten bis 1. März sonntags von 10 bis 16 Uhr. Danach von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 10 bis16 Uhr.