Wer mit angezogener Handbremse unterwegs ist, wird auf Dauer einfach stehen bleiben. So lautete die Kernbotschaft des 11. Münsinger Wirtschaftsforums, das am vergangenen Mittwochabend in der Zehntscheuer stattfand.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Stefan Gaub, Fachgruppenleiter freie Berufe und Dienstleister des Veranstalters Pro Münsingen, lud Markus Geörger die Besucher zu einem spannenden Keynote-Vortrag in die Arbeitswelten der Zukunft ein. Nach mehr als 30 Jahren Führungserfahrung, unter anderem als Offizier bei der Bundeswehr, Geschäftsführer beim skandinavischen Möbelriesen Ikea und unterschiedlichen mittelständischen Unternehmen,  hat sich der studierte Betriebswirtschaftler dazu entschieden, seine Expertise gezielt einzusetzen. Als zertifizierter Coach und Trainer gibt Geörger insbesondere mittelständischen Unternehmen Handlungsempfehlungen, sich bestmöglich für eine erfolgreiche Zukunft aufzustellen. „Faulheit, Feigheit und Fixation sind echte K.o.-Kriterien, um in der VUCA-Welt bestehen zu können“, weiß der Consultant.

Die neue VUCA-Welt

VUCA ist ein Akronym, ein Kunstwort, und soll die Anforderungen der vierten industriellen Revolution, die derzeit auf uns alle zusteuert, prägnant zusammenfassen.

Volatility“ steht für die Unbeständigkeit der Dinge, die Vorhersehbarkeit von kleinen und prägnanten Veränderungen nimmt rapide ab. „Uncertainty“ drückt die wirtschaftliche, politische sowie soziale und kulturelle Unsicherheit in der Gesellschaft aus. „Complexity“ bedeutet, dass Zusammenhänge unübersichtlicher werden und damit Ursachen und deren Wirkung nicht mehr klar nachvollziehbar sind. „Ambiguity“ beschreibt die Mehrdeutigkeit: Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß, auch bunt ist eine Option. Entscheidungen fordern Mut, Bewusstheit und Fehlerfreudigkeit. „Viele Unternehmer fahren heute auf Sicht, weil sie es nicht wagen, eine Strategie für zehn oder 15 Jahre zu verabschieden“, verdeutlicht Geörger die derzeitige Situation.

Der Mensch ist die Lösung

Die Digitalisierung, die Schnelllebigkeit und der internationale Wettbewerb setzen die Unternehmen also einem immer stärkeren Innovationsdruck aus. Und diese entstehen nicht aus verkrusteten Abläufen oder einer „Das war schon immer so“-Mentalität. Wer neue Antworten will, muss neue Fragen stellen, rät der Experte. Es gilt, eine neue Führungskultur zu schaffen und agile, projektbezogene Teams einzusetzen. Noch niemals haben so viele Generationen wie heute zusammengearbeitet. Für Markus Geörger eine klare Sache: „Vernetzt denken und handeln, die Kompetenzen aller zusammenbringen und von einer großartigen Schwarmintelligenz profitieren.“

Wer gewinnen will, muss also trotz aller Technik auf den Faktor Mensch setzen, dafür hat der Referent eine Formel parat: IQ + EQ + DQ = FS. Es bedarf Menschen unterschiedlicher Intelligenzstufen (IQ), emotionale Persönlichkeiten, die Visionen haben und Vertrauen schaffen (EQ), und ebenso die jungen Leute, die die neuesten digitalen Technologien beherrschen und völlig andere Denkweisen einbringen (DQ). Das Ergebnis: Future Success. „Führungskräfte von heute müssen Hierarchien abbauen und als Mentor tätig sein“, gibt Geörger als Denkanstoß mit auf den Weg. „Seien Sie mutig, definieren Sie Ihr Ziel und gehen Sie in den Dialog mit jungen Menschen“, schließt er seinen einstündigen Vortrag ab, währenddessen kein anderer Ton in dem vollbesetzten Saal zu hören war.

Weg von der Rotstift-Kultur

Dass der Leistungswille von Innen heraus kommen muss und das Lernen vor allem dann Freude bereitet, wenn ein Kind für ein Thema brennt, weiß auch Kathrin Lebrink, Schulleiterin des Münsinger Gymnasiums. „Wichtig ist eine positive Herangehensweise. Man muss erkennen, wo ein Kind seine Stärken hat und nicht ausschließlich auf eventuelle Defizite hinweisen“, erklärt Lebrink. Man will leistungsstarke Schüler an die Arbeitswelt übergeben, daher wurde im gesamten Schulgebäude WLAN verlegt. Zudem wurden hochwertige Tablets angeschafft, um die Kinder schon früh mit diesen Technologien vertraut zu machen. Ein weiterer Baustein ist die intensive Zusammenarbeit mit dem SOL-Institut in Pliezhausen. Die wissenschaftliche Einrichtung beschäftigt sich intensiv mit dem Thema „Industrie 4.0“ und begleitet Unternehmen, Schulen und Hochschulen auf dem Weg in die nächste Stufe der Industrialisierung. Selbstorganisiertes Lernen, kurz SOL, heißt das Schlüsselwort.

Getreu dem Motto „Endecke deine Stärken“ wurden im Juli die Projekttage „Zukunft“ durchgeführt. Dabei durften die Schüler aller Klassen in kleinen Teams in Sachen „Nachhaltigkeit“ aktiv werden. Katinka Sander, Annika Hölz, Pauline Arnold und Leonie Kuhn erzählten begeistert von den wichtigen Erfahrungen.

„Bitte sagen auch Sie uns, was Sie von Ihren künftigen Mitarbeitern erwarten“, richtete sich Schulleiterin Leibrink abschließend an das Publikum.