Metzingen / Regine Lotterer  Uhr

Vor 100 Jahren endete der erste industrielle Krieg der Geschichte. Auf den Schlachtfeldern zwischen Flandern und den Alpen holte sich der Tod seine Beute anonym und wahllos. Das millionenfache Sterben wurde entmenschlicht. Damit begann ein neues Kapitel der Kriegführung, das stetig fortgeschrieben wird. Mit diesem Thema befassen sich in diesem Jahr auch die Metzinger Friedenswochen. Unter dem Stichwort „Krieg 3.0“ gibt es vom 3. Oktober bis zum 18. November wieder verschiedene Veranstaltungen, von einem Kino­abend bis zur Diskussionsrunde.

Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit wollen die Organisatoren dabei nicht zuletzt die modernen technischen Möglichkeiten rücken, derer sich Politiker und Militärs heute bedienen können. Mit Hilfe von Drohnen, sagt Susanne Bernauer vom Metzinger Arbeitskreis Frieden, bestehe die Möglichkeit, einzelne Personen zu identifizieren und gezielt vom Schreibtisch aus zu töten. Die Generäle, so Bernauer, suchten inzwischen speziell nach Soldaten, die gerne am Computer spielen. Das Dilemma: Der Drohnenkrieg schont zwar die eigenen Leute, die Entscheidung darüber, ob ein Mensch leben darf oder sterben muss, fällt aber weder ein Gericht oder ein Parlament: „Es gibt kein Gremium mehr, das gefragt werden muss und das einen solchen Einsatz billigt“, betont Bernauer.

Die Metzinger Friedenswochen sind eingebettet in eine bundesweite Veranstaltungsreihe, die ihre Wurzeln in den 1980er Jahren hat. An vielen Orten der Republik befassen sich die Menschen seither mit der Frage, welche Alternativen es zum Krieg gibt und wie sich Konflikte ohne Waffen lösen lassen. Antworten darauf liefert beispielsweise eine Ausstellung, die an sieben unterschiedlichen Orten in Metzingen aufzeigt, wie  der Gewalt Einhalt geboten werden kann. Thematisiert wird beispielsweise die „Singende Revolution“ im Baltikum, die Entspannungspolitik während des so genannten Kalten Krieges oder der Kampf gegen die Apartheid in Südafrika. Zu sehen sind die Exponate vom 16. Oktober bis zum 15. November.

Die Friedenswochen starten am 3. Oktober mit einem „Weltcafé“ im Familienzentrum in der Pfleghofstraße. Von 12 bis 19 Uhr können die Besucher dort arabische, rumänische und russische Spezialitäten kosten, gemeinsam kreativ sein, offenen Unterricht für Englisch und Arabisch besuchen und internationale Tänze bewundern. Außerdem gibt es ab 17 Uhr eine offene Diskussionsrunde zum Thema „Erfolgreich gelungene Integration an konkreten Beispielen“.

Um die Frage „Warum Diskussionen über Israel besonders emotional werden“ dreht sich ein Vortrag von Dr. Michael Blume am 12. Oktober in der Medienakademie. Blume ist der Beauftragte des Landes Baden-Württemberg gegen Antisemitismus.

Gemeinsam mit Metzingens Stadtarchivar Rolf Bidlingmaier werden am 10. November Orte besucht, die mit dem Ersten Weltkrieg in Verbindung stehen. Dabei geht es auch um die Frage, wie sich die Art des Gedenkens an dieses Ereignis verändert hat. Im Blick hat Bidlingmaier dabei die Martinskirche, das evangelische Gemeindehaus und den Mühlwiesenfriedhof. Einen Tag später zeigt das Luna-Kino den Film „Eye in the sky“. Das Kriegsdrama aus Großbritannien befasst sich mit einer Drohnen-Operation in Nairobi. Die Soldaten versuchen, Terroristen aufzuspüren und auszuschalten, ohne selbst vor Ort zu sein.

Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe wird am 18. November zu einem ökumenischen Gottesdienst in die Friedenskirche eingeladen. Zu hören ist dort auch ein Projektchor unter Leitung von Stephen Blaich, an dem sich jeder beteiligen kann. Die Proben sind am 5. und am 12. November jeweils ab 19 Uhr im Gemeindehaus der Martinskirche.

Das Programm der Friedenswoche

3. Oktober: Weltcafé im Familienzentrum Pfleghof von 12 bis 19 Uhr

12. Oktober: Vortrag von Dr. Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter des Landes, zum Thema „Warum Diskussionen über Israel besonders emotional werden“, Medienakademie, Eisenbahnstraße 29, 19.30 Uhr

24. Oktober: Eröffnung der Ausstellung „Frieden geht anders!“, Kreissparkasse, Schönbeinstraße 11, 19.30 Uhr

Dienstag, 6. November: Gemeinsame Ausstellungsbegehung „Baltikum, die singende Revolution“, Realschule, 19 Uhr

Samstag, 10. November: „Metzingen im Ersten Weltkrieg“, mit Stadtarchivar Rolf Bidlingmaier, Treffpunkt Rathaus Metzingen, 14 Uhr

Sonntag, 11. November: Film „Eye in the sky“, Luna-Kino, 19.30 Uhr

Sonntag, 18. November: Ökumenischer Gottesdienst, Friedenskirche, 10 Uhr