In einer der Metzinger VHS-Außenstellen gab es während des Semesters lange Gesichter: Die Englisch-Dozentin informierte ihre Kursteilnehmer über eine von ihr eigenmächtig geplante Kürzung der Unterrichtseinheiten. Den Schilderungen einer Leserin zufolge gab es noch eine weitere Variante, die die Kursleiterin dann in Betracht zöge, wenn die Gruppe mit dieser informellen Regelung nicht einverstanden sei. In diesem Falle nämlich würde sie die Kurse hinschmeißen.

Das braucht sie jetzt nicht mehr zu tun, wie VHS-Leiter Oliver Beck unserer Zeitung auf Anfrage bestätigt. Die Volkshochschule hat sich bereits von der Englisch-Dozentin getrennt.

Bereits im Jahr 2015 fielen der VHS „schwierige Rückmeldungen aus deren Klassen auf“, wie Oliver Beck sagt. In der Regel, das räumt auch Beck ein, ist es nicht die Aufgabe der Dozenten, Verwaltungsarbeit zu übernehmen. Insbesondere in den Außenstellen teilen aber auch mal die Kursleiter die Listen aus, auf denen die Teilnehmer ihr Interesse an einer Fortsetzung des Kurses im kommenden Semester bekunden: „Das ist ein besonderer Service von uns an unsere Kunden“, sagt Beck.

Wer bereits einen Sprachkurs besucht, kann sich in den letzten zwei bis drei Wochen des laufenden Kurses einen Platz fürs neue Semester reservieren. Diese Trumpfkarte ziehen einige, denn viele besuchen seit 15 Jahren den Englischkurs, und es ist nicht so, dass sie ewige Sitzenbleiber wären. „Der Kurs hat auch eine soziale Komponente“, sagt Oliver Beck. Die Leute treffen sich und können miteinander Englisch reden. Jetzt kommt die Dozentin ins Spiel: Lässt sie die Liste nicht rumgehen, gibt sie sie nicht bei der VHS-Leitung ab oder meldet zwar mündlich, aber fehlerhaft eine Zahl von Interessenten, geraten die Planungen in Schieflage. Und genau das sei immer wieder vorgekommen, wobei Beck durchaus einräumt, der Fehler könne auch in Einzelfällen bei der VHS-Verwaltung gelegen haben. Dass eine Kursleiterin freilich von sich aus die Unterrichtseinheiten deswegen kürzt, wird von der VHS-Leitung nicht geduldet. Im vorliegenden Fall habe die Frau diesen Schritt gegenüber Oliver Beck sogar im Vorfeld angedroht. „Inhaltlich ist sie gut, aber sie hat schon ein sehr bestimmtes Auftreten.“ Und Widerspruch, so Beck, mag sie nicht.

So haben das auch die Kursteilnehmer erlebt, wie eine Frau aus Metzingen berichtet. Nach aufkeimender Kritik am Gebaren der Dozentin erwiderte diese: „Wenn Sie mit den Gegebenheiten nicht einverstanden sind, können Sie sich ja einen anderen Kurs suchen.“ Das brauchen sie jetzt doch nicht zu tun, denn in einem Gespräch teilte VHS-Leiter Beck der Englisch-Dozentin mit: „Sie sind raus.“

Die VHS und das Honorar


Als Oliver Beck im Jahr 2014 die Leitung der VHS übernahm, stockte er das Honorar von 17 Euro pro Stunde (eine Stunde zu 45 Minuten Unterricht) auf 19 Euro auf.

Dozenten mit besonders hoher Qualifikation erhalten ein höheres Honorar, das von Fall zu Fall variiert. Wer Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, bekommt 35 Euro, die die VHS vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erstattet bekommt. Allerdings können nur wenige Dozenten von ihren VHS-Jobs leben, weil die Deputate gering sind. Viele unterrichten nur drei bis fünf Stunden pro Woche.