Ein gemütliches Ambiente mit Kaminfeuer muss man sich nicht zwingend erarbeiten, denn wird das benötigte Holz kann durchaus fix und fertig gekauft werden. Doch schwäbische „Schaffer“, die behagliche Wärme als ganzheitliches Erlebnis verstehen, machen ihr Holz mit Begeisterung selbst. Dazu braucht’s aber keinen eigenen Wald, bei der Inhabergemeinschaft Äußerer Wald Neuhausen wird Brennholz einmal im Jahr an Ort und Stelle verkauft – dort, wo es von einem beauftragten Holzhauertrupp geschlagen wurde. Doch nicht jeder Interessent bekommt den Polter, den er unter den 125 unterschiedlich großen favorisiert oder eines der 25 Flächenlose, das ihm behagt: Das Brennholz wird nämlich versteigert, Zuschlag erhält der Meistbietende – aufmerksame Schnelligkeit ist da gefordert.

„Die Brennholzversteigerung vor Ort ist Tradition bei uns“, erklärt Gerhard Fritz, oft finden die sonst in Wirtschaften oder Hallen statt. Fritz steht der Genossenschaft mit ihren 103 Privatwaldbesitzern seit 2014 als Vorsitzender vor, gemeinsam gehören ihnen etwas mehr als 100 Hektar Wald. Bereits seit 1994 ist er für den jährlichen Brennholzverkauf verantwortlich und schlüpft für drei Stunden in die Rolle des Auktionators. Routiniert wie ein Profi wickelt Fritz ein Polter nach dem anderen ab, ihm entgeht nichts – er hat die rund 70 mitlaufenden Interessen im Griff: „Sie müssen immer Blickkontakt zu mir halten“, erklärt Fritz. Und eines sei auch klar: „Geht der Finger zur Nase, ist das ein Gebot“, macht er möglichen Neulingen deutlich.

Letztlich ist es aber eine recht verschworene Gemeinschaft, die sich an dem eher trist-grauen Januar-Samstag im Bereich des Rosstriebs hoch über Neuhausen trifft: Interessenten aus dem Ort selbst und aus Metzingen, aber auch aus Dettingen und weiteren Gemeinden aus dem näheren Umkreis – es werden auch Autos aus Tübingen gesichtet: „Keiner wird ausgeschlossen“, meint Gerhard Fritz lachend. Die zahlreichen Stammbesucher wissen wie die Versteigerung läuft und gehen die Strecke bereits ein paar Tage vorher ab, um den Überblick zu haben. Insgesamt drei Stunden dauert der Auktions-Rundgang, zur Halbzeit bewirtet der Kelternverein Neuhausen die Brennholz-Gruppe. Erst danach schlägt ein Dettinger zu, der sich vorab informiert hat: „Man muss wissen, was hinten raus kommt“, erklärt er. „Denn viele haben es zu Beginn eilig und schlagen schnell zu, später sind sie dann oft nicht mehr dabei.“

Dieses Jahr gibt es besonders viele Polter und Flächenlose mit Buchenbestand: „Das ist ein beliebtes und wichtiges Brennholz“, weiß Fritz. Vergangenes Jahr war wesentlich mehr Esche im Angebot, das hat sich im Bereich des Auktionsgebiets etwas relativiert – es mussten nicht mehr so viele Exemplare wie 2018 aufgrund des Eschentriebsterbens gefällt werden. Darüber hinaus werden noch Polter mit Eichen versteigert – jeder kommt auf seine Kosten, keiner muss an diesem Vormittag leer ausgehen.

Noch ist die Welt des Brennholzmachens vorwiegend von Männern beherrscht, doch die Frauen erobern sich langsam auch diese Domäne: „Immer wieder sind welche dabei, die mitsteigern“, weiß Fritz aus Erfahrung. Und erstmals hat in Silke Stiefel eine Frau federführend das Sagen was der forstlichen Bereich betrifft: Die Revierförsterin hat die Inhaberschaft Äußerer Wald beim Holzeinschlag unterstützt und sie ist es auch, die für die über die reine Auktion hinausgehende Informationen verantwortlich ist: Biologisches Kettenöl sollte verwendet werden, heißt eine Vorgabe. Einen Motorsägenkurs müssen die potenziellen Bieter absolviert haben und bei der Bearbeitung des Holzes vor Ort auch mit sich führen. Und eines sei sowieso eine Selbstverständlichkeit: das Tragen von Sicherheitskleidung. Manche nehmen ihr ersteigertes Brennholz noch während der laufenden Auktion ab, haben ihre Anhänger schon mit dabei. Andere lassen sich Zeit und kümmern sich später darum. Eines ist bei aller Arbeit, die noch vor allen steht, indes groß: Die Vorfreude auf die gemütliche Wärme von Kachelofen oder offenem Kamin.

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Polter und 25 Flächenlose kamen bei der Brennholzversteigerung in Neuhausen unter den Hammer. Um an Brennholz zu kommen, braucht man also keinen eigenen Wald.