Kein schönes Wochenfinale für die gut 580 Mitarbeiter des Neuffener Maschinenbau-Unternehmens Bielomatik. In einer Betriebsversammlung haben sie gestern erfahren, dass ihre Firma Insolvenzantrag beim Amtsgericht Esslingen gestellt hat. Das Unternehmen hatte im Jahr 2018 und dem ersten Halbjahr 2019 unter „massiven Auftragseinbrüchen vor allem aus der Automobilindustrie gelitten“, sagt Unternehmenssprecher Frederic Bollhorst.

Massive Auftragseinbrüche in der Automobilindustrie

In den vergangenen Monaten sei es zwar wieder deutlich aufwärts gegangen, und auch aktuell geben die Anfragen wieder Anlass zur Hoffnung, so der Pressesprecher. Doch mit Blick auf die erste Jahreshälfte „ist der Bielomatik die Luft ausgegangen“, zitiert Bollhorst den zuständigen Insolvenzverwalter Dr. Tibor Braun.

Braun hatte die Bielomatik-Beschäfigten am Freitag über die Lage ihres Arbeitgebers informiert. Der Sanierungsexperte zeigte sich jedoch zuversichtlich, einen Investor zu finden, der das renommierte Unternehmen wieder in die Spur bringt, sagte Firmensprecher Bollhorst. So präsentiert sich die Bielomatik, Hersteller von Kunststoffschweiß- und Schmiertechniksystemen, Mitte Oktober wie geplant auf der Messe „K 2019“, der führenden Schau der Kunststoffindustrie in Düsseldorf.

Dort sollen weitere Kunden gewonnen und Aufträge gesichert werden. „Das Geld für die Messe steht nicht umsonst bereit. Wir bauen darauf, dass es weiter geht.“

Die Talsohle ist erreicht

Nach Angaben des Unternehmens sieht auch die Bielomatik-Geschäftsführung wieder eine Trendwende. Seit Ende des Sommers sei die Talsohle erreicht, die Auftragsbücher seien voller als im vergangenen Herbst. „Auch die mittelfristigen Anfragen sind stabil und deutlich über dem Markttrend“, heißt es in einer Stellungnahme der Bielomatik-Gruppe. Doch diese positive Entwicklung reiche nicht aus, um die Einbußen aus den Vormonaten aufzufangen.“

Schon 2015 geriet das Neuffener Unternehmen in Turbulenzen

Das Neuffener Unternehmen war zuletzt im Jahr 2015 in Turbulenzen geraten. Damals wurde die Papierverarbeitung an die amerikanische Gruppe BW-Paper-Systems verkauft. Die Firma hatte angekündigt, sich auf die „Wachstumssparten“ Kunststoffschweißen und Schmiertechnik zu konzentrieren.

Verbunden war das allerdings mit dem Abbau von knapp 100 Arbeitsstellen. Dank eines so genannten  Schutzschirmverfahrens konnte Bielomatik die Zahlungsunfähigkeit praktisch in letzter Sekunde abwenden.

Drei Gehälter sind gesichert

Nach dem jetzigen Insolvenzantrag sind für die knapp 600 Beschäftigten mindestens die nächsten drei Gehälter gesichert. Danach hoffen die Verantwortlichen baldmöglichst einen Investor zu präsentieren, lässt Frederic Bollhorst durchblicken.

Die Bielomatik habe in den vergangenen Monaten bereits ein „umfangreiches Restrukturierungs- und Wachstumskonzept auf den Weg gebracht“, um das Portfolio des Unternehmens stärken und neue Marktpotenziale zu erschließen, teilt die Firma mit: „Mit der Umsetzung des Restrukturierungskonzepts können wir es schaffen, wieder schwarze Zahlen zu schreiben“, so der Unternehmenssprecher.

Jetzt gehe es aber für alle Beteiligten zunächst darum, den Geschäftsbetrieb innerhalb des Insolvenzverfahrens weiter am Laufen zu halten.

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Bielomatik: Komplettanbieter für die Automobilindustrie mit 580 Mitarbeitern


Die Bielomatik-Gruppe mit Stammsitz in Neuffen gilt als international agierender Komplettanbieter unter anderem für die Automobilindustrie. Die Schweißtechniklösungen finden vielfältige Anwendungsfelder im Auto, zum Beispiel beim Antriebsstrang, Karosserie und Außenteilen.

Gefragt ist die Technik auch in der Innenausstattung sowie bei Elektrik und Sensorik. Auch die Schmiertechniksparte sei weltweit bei automatisierten Schmiersystemen gefragt. Neben dem Stammsitz in Neuffen unterhält das Unternehmen Standorte in den USA, in China und Rumänien.

Es beschäftigt 580 Mitarbeiter, 340 in Neuffen.