Metzingen / Regine Lotterer  Uhr

Die Familiensaga um die Stuttgarter Fabrikantendynastie Rothmann verkauft sich wie geschnitten Brot, wiewohl Brot in diesem Zusammenhang eigentlich die falsche Metapher ist. Schließlich trägt das Buch den Titel „Die Schokoladenvilla“. Und dieser mehr als 600 Seiten dicke Roman rangiert schon seit Wochen weit vorne auf den Bestsellerlisten.

Schon kurz, nachdem das Buch Anfang Oktober auf den Markt kam, zeichnete sich dieser Erfolg ab. Die genauen Verkaufszahlen verrät Autorin Maria Nikolai zwar nicht, der sechsstellige Bereich sei aber inzwischen erreicht, berichtet sie. Das ist fulminant und darf freiheraus als Riesenerfolg bezeichnet werden. Dass ihre Geschichte um das Schicksal zweiter starker Frauen derart einschlägt, hat Maria Nikolai natürlich gehofft. Zumal ihr Verlag die „Schokoladenvilla“ mit entsprechendem Aufwand als Spitzentitel bewirbt. Planen lässt sich ein solcher Siegeszug trotzdem nicht. „Das hat man nicht in der Hand“, sagt Nikolai. „Das muss sich aus sich selbst heraus entwickeln.“ Auch deshalb sei sie über den Erfolg denkbar. „Ich bin natürlich auch froh, dass ich die Erwartungen des Verlages erfüllen konnte.“

Mittlerweile, so berichtet die Autorin, haben ihre Romanfiguren sogar ein gewisses Eigenleben entwickelt. Fans der Schokoladenvilla haben eine Facebook-Seite und eine Whats-App-Gruppe eingerichtet, um sich dort regelmäßig über das Buch und die einzelnen Handlungsstränge zu unterhalten. Initiiert hat die beiden Plattformen eine Frau aus Niedersachsen, die Maria Nikolai bis vor wenigen Wochen noch gar nicht kannte.

Auf den Fanseiten geht es längst auch um die Frage, was den Hauptfiguren im zweiten Band der Romantrilogie zustoßen wird. Noch müssen sich die Leser diesbezüglich in Geduld üben, denn derzeit schreibt Maria Nikolai noch an der Geschichte. Ende Januar muss sie das Manuskript endgültig beim Penguin-Verlag abgeben. „Mir stehen jetzt noch einige richtig harte Schreibwochen bevor“, sagt sie. Etwa die Hälfte des Buches hat sie inzwischen zu Papier gebracht, die Weihnachtsferien kommen nun genau richtig, um ins Reich der Fantasie abzutauchen.

Blühendes Nachtleben

Der zweite Band, so viel verrät die Autorin bereits, spielt in den 1920er Jahren, Schauplätze sind Berlin und Stuttgart. Wie im ersten Teil tauchen auch dieses Mal historische Personen auf und bilden damit einen authentischen Rahmen für die fiktiven Ereignisse. In Stuttgart gab es in den so genannten Roaring Twenties eine höchst lebendige Subkultur, erzählt Nikolai. Das Nachtleben blühte, der Lebenshunger nach dem überstandenen Krieg ließ die Menschen in Tanzlokale, Varietés und Theater strömen. Gerade Frauen profitierten vom neuen, liberalen Geist, der in Deutschland Einzug gehalten hat, betont die Autorin. Gleichzeitig versuchten Extremisten von beiden Seiten, die Demokratie zu zerstören. Auch vor politischen Morden schreckten die Fanatiker nicht zurück, wie im zweiten Band der „Schokoladenvilla“ zu lesen sein wird. Ebenso lässt Nikolai die legendären Solitude-Rennen wieder aufleben. Anders gesagt, die Leser dürfen sich auf dramatische Szenen freuen, für die Hauptfiguren wird es aber dennoch ein „Wohlfühlende“ geben, wie die Autorin ihrem Publikum versichert.

Apropos Publikum. Einen Teil ihrer Leserschaft hat Maria Nikolai in den vergangenen Wochen näher kennen gelernt. In vielen Städten der Republik hat sie aus ihrem Roman vorgelesen, oft vor ausverkauftem Haus. Besonders gut in Erinnerung geblieben ist ihr dabei der Abstecher nach Erfurt, die Stadt und deren Sehenswürdigkeiten haben sie begeistert.

Mit besonders viel Enthusiasmus ist die Metzingerin auch in der Nachbarstadt Bad Urach empfangen worden. In der Buchhandlung am Markt stand ein derart üppiges Schokoldenbüffet, dass es den Besuchern fast den Atem verschlug: „Das war wirklich sensationell.“