Grabenstetten Neuland in der Falkensteiner Höhle

Grabenstetten / Michael Rahnefeld 24.09.2018

Bei Forschungsarbeiten im Sommer 2018 haben Aktive der 140 Mitglieder zählenden Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten einen Seitengang in der bislang auf rund 5000 Meter vermessenen Falkensteiner Höhle entdeckt.

Dieser Gang ist laut Angaben der höhlenkundlichen Vereinigung bislang auf etwa 200 Meter erforscht. „Der Seitengang ist von wechselnder Größe und Raumform, insgesamt jedoch deutlich kleiner als der Hauptgang der Falkensteiner Höhle“, erklärt Thilo Müller, Geschäftsführer der Arge Grabenstetten. Wie der Verein weiter mitteilt, gibt es in diesem Gang ein Gerinne, das der Falkensteiner Höhle zufließt. Der Seitengang verläuft in Richtung Osten. Da laut Müller ein kräftiger Luftzug im Gang zu verspüren ist, gehen die Forschungen weiter, die Höhlenkundler erhoffen sich noch weitere Gangteile zu entdecken.

Der Zustieg zu diesem neuen Teil wurde laut Müller verschlossen, da er teilweise sehr eng ist und für nicht geübte Höhlengeher gefährlich werden kann. Überhaupt darf die Falkensteiner Höhle seit April 2018 nach einer Polizeiverordnung der Gemeinde Grabenstetten nur noch mit Genehmigung der Gemeinde betreten werden.

Die Neuentdeckungen in der aktiven Wasserhöhle zwischen Bad Urach und Grabenstetten (Kreis Reutlingen), die mit zu den längsten Höhlen der Schwäbischen Alb zählt, ergaben sich seit Mitte Juli 2018. Markus und Robin Schüssler, Arndt Karger und Julius Krause fanden im Bereich des sogenannten „Fuchsbaus“ in der Falkensteiner Höhle eine Stelle, an der Lehm an den Wänden wegen der langen Trockenheit im Sommer abgesackt war und einen Spalt zwischen Lehm und der Felsdecke freigegeben hatte. An diesem Spalt, so informiert der Verein auf seiner Homepage im Internet, spürte man einen starken Luftzug. Thilo Müller: „Ein klares Zeichen für eine Fortsetzung.“

Lehm mache das Vorankommen sehr schwierig

Das Hindernis war nach Angaben des Vereins schnell beseitigt, und die Forscher betraten aufrecht eine erste Neuland-Passage von etwa 20 Meter Länge. Anfang August, so berichtet der höhlenkundliche Verein weiter, gelang es dann, eine anschließende Engstelle zu bezwingen. Es folgte ein etwa 50 Meter langer, sehr enger Abschnitt. Zwei Kammern in diesem Abschnitt, hätten die Befahrung etwas erleichtert, schildern die Forscher die Situation. Doch der allgegenwärtige Lehm mache das Vorankommen in diesem Teil sehr schwierig. In der zweiten Kammer hörten die Forscher Wasserplätschern über eine etwa drei Meter tiefe Röhre erreichten sie einen schmalen Canyon, in dem ein kleiner Bach von Nordosten nach Südwesten fließt.

Forscher vermaßen neue Passagen

Bei zahlreichen weiteren Erkundungstouren seit Ende August vermaßen die Forscher diese neuen Passagen und dokumentierten sie. Dabei stellten sie fest, dass der abwärtsfließende Teil des Canyonbachs in einem sogenannten Siphon endet. Bei einem Siphon taucht die Höhlendecke in den Wasserspiegel ein. Laut Thilo Müller ist es somit wahrscheinlich, dass dieser Bach im Lehmwandseitengang wieder erscheint. Wegen einer Unterwasser-Engstelle konnte das Arge-Team bislang den Gang nicht weiter erkunden. Der andere Ast des Canyons zieht nach Nordost-Ost, hier kamen die Höhlenkundler ein gutes Stück weiter, obgleich es stellenweise sehr eng werde und nur wirklich schlanke Höhlenforscher die Engstellen überwinden könnten. Schließlich endet dieser Gangabschnitt auch an einer Engstelle, an der jedoch das Wasser hervorquillt. „Der Luftzug kommt aus einem trockenen Seitengang, der aktuelle Forschungsendpunkt ist nach weiteren Engstellen erreicht, doch der Gang wird zuletzt wieder etwas größer und geht weiter“, sagt Müller. Für nicht geübte Höhlengeher könne diese Stelle schnell gefährlich werden.

Info:

Die neuen Entdeckungen werden mit Plan, Bildern und Film am Gästeabend der Arge Grabenstetten am Samstag, dem 10. November, in der Falkensteinhalle in Grabenstetten der Öffentlichkeit vorgestellt. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr, die Halle ist ab 18 Uhr. www.arge-grabenstetten.de

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