Grabenstetten / Michael Koch

Zusammen mit der Rulamanschule ist im vergangenen Jahr auch die Bücherei in Grabenstetten ein Raub der Flammen geworden. Im Neubau wird keine öffentliche Bücherei mehr Platz finden, nur eine kleine Schulbücherei. Deswegen hat die Suche nach Alternativen begonnen.

Zunächst war angedacht, eine ausgemusterte Telefonzelle zu erwerben und als Büchertauschbörse aufzustellen. Dieses Unterfangen erwies sich jedoch als recht kompliziert, und letztlich böte eine Telefonzelle auch nicht all zu viel Platz für Bücher und Besucher. Deswegen hat die Gemeindeverwaltung eine Anfrage an den Jugendclub „Karra“ gestellt, dessen Mitglieder in der Vergangenheit schön öfters handwerkliches Geschick an den Tag gelegt hatten.

Und tatsächlich haben die Jugendlichen ihre Unterstützung zugesagt. Stellvertretend für die Gruppe stellten Luca Füllemann und Nick Scheu nun ihren Entwurf im Gemeinderat vor. Es soll ein Häuschen in Massivholzbauweise werden, und zwar seinem Nutzen entsprechend in Buchform. Die Grundfläche soll 2,50 auf 2,60 Meter betragen, das Bücherhaus bekommt eine Glasfront, damit viel natürliches Licht einfallen kann. Unter einem Vordach gibt es zwei Sitzgelegenheiten, wo man schon mal gemütlich in der Lektüre schmökern kann. Die Statik des Häuschens ist so berechnet, dass es im Winter eine Schneelast von einem Meter Höhe tragen kann. Es soll also etwas Stabiles werden, damit die Gemeinde auch in zehn oder 15 Jahren noch davon profitiert.

Die Materialkosten haben die Jugendlichen auf knapp 2200 Euro berechnet, ihren Lohn veranschlagen sie auf 1400 Euro als Festpreis. Wobei sie das Geld gar nicht in bar haben möchten, sondern lieber als Guthaben bei der Gemeinde verbucht haben möchten, wofür sie dann Material und Strom für ihren „Karra“ bekommen. „Damit ist sichergestellt, dass das Geld dort auch zielgerichtet verwendet wird“, warben Luca Füllemann und Nick Scheu geschickt im Gemeinderat um ihr Projekt. Mit dem sie dann, ganz unbescheiden, auch vorhaben, Preise für gelungene Jugendprojekte zu gewinnen. „Das wäre ein Imagegewinn für uns als Club, aber auch für die Gemeinde Grabenstetten“, sind sich die beiden sicher. Mit ihrem Bauwagen ist ihnen das Kunststück schon gelungen.

Die Gemeinderäte jedenfalls sind schon mal überzeugt, voll des Lobes genehmigten sie den kreativen Entwurf und „vergaben“ die Umsetzung des Bücherhaus an den „Karra“.

Als Standort ist das geschotterte Dreieck neben dem Rathaus angedacht, per Gabelstapler könnte das Häuschen aber auch später noch versetzt werden. Noch in diesem Frühjahr möchten die Jugendlichen mit dem Bau beginnen, danach sind die Grabenstetten gefragt. An ihnen wird es liegen, wie gut gefüllt das Bücherhaus ist und wie rege der Austausch stattfindet. Wer ein Buch ausgelesen hat, kann es in das Bücherhaus stellen und sich ein anderes dafür mitnehmen. „Es wird also keine Bücherei mit Leihcharakter, sondern eher eine Tauschbörse“, fasst Bürgermeister Roland Deh das Konzept zusammen.

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Jugendliche finden im „Karra Grabenstetten“ Platz. Der Bauwagen wurde in Eigenleistung ausgebaut, mit seiner nachhaltigen  Bauweise ist er inzwischen preisgekrönt.