Etwa 120 Gäste des jüngsten Metzinger Unternehmergesprächs sind am Dienstagabend in den Genuss des Flairs der ehemaligen Gesenkschmiede Henning gekommen. Diese ist inzwischen zur Motorworld Manufaktur Metzingen geworden und war kürzlich Gastgeber der Metzinger Gewerbe- und Industrieschau.

Metzingens OB Dr. Ulrich Fiedler gehört zu jenen, die schon oft auf dem Gelände und in den zahlreichen, unterschiedlich großen und ehedem verschiedentlich genutzten Gebäuden waren. Er freue sich stets, wenn er hierher komme, sagte er am Dienstag, „denn jedes Mal sieht es etwas anders aus.“ Das trifft den Kern dessen, was auf dem Gelände passiert. Schritt für Schritt werden ehemalige Fabrikhallen und -gebäude umgebaut, wobei das Denkmalamt ein Auge darauf hat, dass substanzielle Dinge erhalten bleiben, wie der Geschäftsführer der Motorworld Manufaktur, Volker Rose, ausführte.

Das ist freilich durchaus im Interesse der Motorworld, die den morbiden Reiz einer vergessenen Industrie ohnehin nicht aufgeben würde. Zu wesensgleich sind die Patina grob verputzter und rußgeschwärzter Wände in Backsteingebäuden und die teilweise bereits eingezogenen Mieter, die beispielsweise in die Jahre gekommene und Rost angesetzte Autos in wertvolle Oldtimer verwandeln. Das passt zusammen, und wer mit Volker Rose übers Gelände geht, erlebt ihn dieser Tage fast schon entspannt, obwohl noch so viel zu tun ist.

Konzept der Motorworld

Das Areal, mithin das Konzept der Motorworld, wird also Schritt um Schritt entwickelt. Derzeit etwa sind Arbeiter damit beschäftigt, den von der Auchtertstraße aus sichtbaren Rundbau mit Leben zu füllen. Die bereits in dieser Halle stehenden Oldtimer tragen Nummernschilder mit der Aufschrift „Bockemühl, Classic Cars“. Holger Bockemühl gehört zu den ersten, die sich in der Metzinger Motorworld eingemietet haben. Ursprünglich stammt er aus der Motorworld in Böblingen, doch die hat er verlassen. „Metzingen ist für uns besser geeignet“, sagt er. Das liegt am Konzept, denn die Metzinger Dependance trägt den Zusatz „Manufaktur“ ganz bewusst: „Hier haben wir zwei Hebebühnen und können an unseren Oldtimern schrauben.“ Das macht die Sache authentischer als der reine Verkauf.

Retro-Tankstelle und Hotel

Eher zurückhaltend gibt sich Volker Rose, wenn es um konkrete Zeitvorgaben geht. Wann etwa das für 120 bis 140 Zimmer geplante Hotel gebaut wird, kann er noch nicht sagen. Gespräche mit Architekten und potenziellen Betreibern freilich gibt es. Wann die Retro-Tankstelle mit dazugehörigem American Diner an der Auchtertstraße gebaut wird? Er kann und möchte noch kein Datum nennen, aber die Planungen laufen.

Dass die große Schmiedehalle, wegen ihrer Ausmaße auch Kathedrale genannt, multifunktional bespielbar ist, hat die Gewerbe- und Industrieschau gezeigt. Aussteller und Besucher waren, so jedenfalls der Tenor unter den Befragten, begeistert. Am Donnerstag haben andere Aussteller dort die nächste Messe vorbereitet, sie ist von heute bis Samstag zu sehen und nennt sich Fachmesse für den Reitsport.

Diese größte Halle der Motorworld Metzingen ist für Soraya Salim noch eine Nummer zu groß. Die Inhaberin des Bar-Restaurants „Dolce“ aus Reutlingen hat für den 31. Oktober die etwas kleinere Schmiedelounge reserviert. Das sind zwei mittelgroße Hallen, nur durch eine Tür getrennt. Dort möchte sie Halloween feiern mit vermutlich bis zu 350 Gästen, die durchschnittlich um die 30 Jahre alt sind und stilvoll, vor allem gruselig, verkleidet kommen. Es ist ihre zweite Party dieser Art in der Metzinger Motorworld Manufaktur. Ob das zum Thema Mechanik passt, hängt freilich von der Art der Kostümierung ab. Sollte ein Frankenstein unter den Gästen sein, könnte er durchaus durch eine nur halb in den Schädel gedrehte Schraube auffallen. Volker Rose mag diese Art von Veranstaltungen. Weder Vorglühen noch exzessives Trinken stehen im Vordergrund, sondern Phantasie und Spaß.

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Das Konzept der Motorworld


Die Motorworld Manufaktur Metzingen hat sich die Revitalisierung der historischen Gebäude auf dem rund 21 000 Quadratmeter großen Areal der früheren Gesenkschmiede Henning auf die Fahne geschrieben. Sie  setzt auf klassisches Handwerk, Ateliers und Werkstätten rund um das Thema Mobilität. Event-, Gastronomieflächen und Hotellerie vervollständigen das Konzept.