Überall dort, wo Lilly und Nikolas hinreisen, erleben die abenteuerlustigen und neugierigen Geschwister die tollsten Geschichten. Und sie kommen ganz schön rum in Deutschland: Auf Usedom waren sie schon und in Nordfriesland, im Erzgebirge selbstverständlich auch und in Sachsen-Anhalt ebenfalls, selbst das Oldenburger Land haben sie nicht ausgelassen.
Wer so viel unterwegs ist, lässt die Schwäbische Alb auch nicht aus – dort versuchen sie das Geheimnis um eine Schnupftabakdose zu lösen. Gefunden wurde das Prachtstück in einer alten Scheune in einem kleinen Ort auf der Alb. Die Scheune gibt’s wirklich, sie steht in Lonsingen. Lilly und Nikolas dagegen sind fiktiv, die Abenteuer am Hohenzollern und in der Tiefenhöhle, im Landesgestüt Marbach und im Schokoladenparadies in Dapfen hat sich Ira Lenz ausgedacht.
Eine Berlinerin, die sich auskennt in der Region: Groß geworden ist sie auf der Schwäbischen Alb, ihre Eltern leben noch im St. Johanner Teilort. Die Erinnerungen an die Region sitzen tief und doch hat Ira Lenz bei den Recherchen vor Ort die Schwäbische Alb ganz neu kennengelernt: „Es war schon ganz speziell, sie mit den Augen der Kinder zu sehen“, gibt die Autorin zu.
Begleitet wurde die Berlinerin bei ihren zweimaligen Recherchereisen von ihren beiden Töchtern Tara und Youni, damals fünf und neun Jahre alt. Klar ging’s schon immer zwei bis drei Mal im Jahr in den Süden zu den Großeltern nach Lonsingen. „Aber wenn man Familie und Freunde besucht, verpasst man doch etwas“, weiß Ira Lenz inzwischen. Dass man in Münsingen in Jurten übernachten kann zum Beispiel. Oder sich die Lauter hervorragend zum Baden eignet und sich ein Ausflug auf den Hohenurach lohnt – auch wenn es steil bergauf geht: „Seither machen wir bei jedem Aufenthalt viel mehr.“
Die Schwäbische Alb habe sich absolut gewandelt, in ihrer Kindheit sei sie doch noch sehr rau und ruppig gewesen: „In den vergangenen 20 Jahren hat sich vieles zum Positiven geändert.“ Vor allem die Kinderfreundlichkeit sei ihr aufgefallen: „Ich habe einen neuen Blick auf meine alte Heimat bekommen.“
Die Gefühle für die Alb seien auch in der quirligen Bundeshauptstadt immer tief gewesen: „Ich bin immer gerne hergefahren.“ Ihr ganz persönlicher Sehnsuchtsort ist die Falkensteiner Höhle: „Das ist für mich ein magischer und zauberhafter Ort“, beschreibt Ira Lenz ihre Gefühle, ein Besuch werde bei (fast) jedem Aufenthalt in der Region eingebaut. Auch das Lonsinger Tal ist für sie als ehemaliges Kind des Dorfes immer noch etwas Besonderes: „Ich hatte Pferde am Haus und bin von dort aus immer ausgeritten.“ Letztlich habe jeder Wald in der Region seinen ganz speziellen Reiz: „Es macht einfach Spaß, dort spazieren zu gehen.“
Bei ihren Recherchen sei sie hervorragend unterstützt worden, man habe ihr an den verschiedensten Stellen sehr geholfen und immer ein offenes Ohr gehabt. Am Ende hatte sie sogar viel zu viele Attraktionen, die Ira Lenz gar nicht alle in die Geschichte von Lilly und Nikolas einarbeiten konnte: „Ich musste auswählen.“ Neben bekannten Orten hat sie auch persönliche Erlebnisse um die Geschichte der Schnupftabakdose einfließen lassen. So findet sich das einstige Elternhaus in Lonsingen im Buch wieder: „Ich habe der Illustratorin Claudia Gabriele Meinicke ein Foto gegeben.“
Ira Lenz ist diplomierte Soziologin, arbeitete in verschiedenen Bereichen und war unter anderem in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Geschrieben habe sie stets viel: „Aber ich wollte schon immer ein Buch schreiben.“ Dass es letztlich ein Kinderbuch wurde, ist Zufall: Bei einer Veranstaltung traf sie die Verlegerin des Verlags Biber & Butzemann. Der hat sich auf die Abenteuer-Reisebücher für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter spezialisiert, Ira Lenz schlug die Schwäbische Alb als Ziel vor. Eckdaten der Geschwister und deren Eltern sind vorgegeben, ansonsten haben die Autoren freie Hand. Die erste Auflage – im März 2016 ist das Buch erschienen – war relativ schnell vergriffen, die zweite folgte zügig. Inzwischen hat Ira Lenz einen zweiten Band über die Gegend um Köln und Bonn geschrieben, der Heimat ihres Mannes. „Aber der war ich emotional nicht so eng verbunden wie der Alb“, gibt sie zu.
Ira Lenz denkt nun über den Sprung in die Erwachsenenliteratur nach: „Für Kinder zu schreiben, ist ganz schön hart“, erklärt die 43-Jährige. Die beiden größten Kritikerinnen seien ihre Töchter gewesen: „Beim Vorlesen hat man sofort gemerkt, ob es sie noch interessiert oder ob ich gegensteuern musste.“ Ihre Kinder mochten die Schwäbische Alb schon immer sehr gerne, mit ihrem Buch hat Ira Lenz nun anderen Jungen und Mädchen Lust auf mehr gemacht. Abenteuer lassen sich überall erleben, auch in Lonsingen und drum herum.  

Info Das Buch „Abenteuer auf der Schwäbischen Alb – Lilly, Nikolas und das Geheimnis der Schnupftabakdose“ von Ira Lenz ist beim Verlag Biber&Butzemann erschienen und kostet 14,50 Euro.