Es ist eine beeindruckende Zahl: 250 Jahre gibt es in Hülben die sogenannte „Stunde“. Gemeint ist die Gemeinschaftsstunde der Hülbener Altpietisten, die sich heute Apis nennen. Ein Vierteljahrtausend, das dem beschaulichen Albdorf überregionales Ansehen – nicht nur in christlichen Kreisen –  verschafft hat. Klangvolle Namen wie Busch, Scheffbuch oder Eißler stehen mit Hülben in direkter Verbindung. Und natürlich ganz besonders der Name Kullen.

Römerbrief als Initialzündung

Dieser ist untrennbar mit Hülben und dem Pietismus verbunden. Alles begann mit Anna Katharina Kullen, geborene Buck. Sie war die Frau des Hülbener Schulmeisters und erlebte beim Lesen des Römerbriefes einen persönlichen, geistlichen Aufbruch. Schnell erfasste dieser ihren Mann und später dann immer mehr Hülbener. Bald lud die Gemeinschaft dann andere pietistischen Laienbrüder von außerhalb ein und so entstand um 1768 die „Hülbener Stunde“.

Im 18. Jahrhundert war Hülben ein bescheidener „Flecken“ und das Leben voller Entbehrungen. Noch nicht einmal eine Wasserversorgung gab es. Frisches Quellwasser musste von den Frauen aus dem Tal heraufgetragen werden. Geprägt von diesem einfachen und bescheidenen Leben, war auch der Glaube der Hülbener. Und er war stets praktisch orientiert. Da sich das Amt des Schulmeisters über sechs Generationen (1724 bis 1936) in der Hand der Familie Kullen befand, wurde nicht nur notwendiges schulisches Wissen vermittelt, sondern auch der Glaube beispielgebend vorgelebt. Während des ganzen 19. Jahrhunderts haben die „Kullenlehrer“ auch die „Stunde“ geleitet. In dieser Zeit entstand auch eine weitere Hülbener Besonderheit: Die Kirchweihmontagsstunde.

Da im damaligen Württemberg das Kirchweihfest (Kirbe) zunehmend ausschweifend gefeiert wurde, waren viele fromme Eltern besorgt und klagten dem Schulmeister Christian Friedrich Kullen ihr Leid. Der erfahrene Pädagoge wusste aber, dass Verbote allein keine frohen Christenmenschen macht. Also bot er den jungen Menschen eine Alternative: Er lud sie ins Schulhaus ein, bewirtete sie und erzählte ihnen biblische Geschichten. Das Kontrastprogramm stieß auf großes Interesse und wurde ein immer stärkerer Magnet, weit über die Ortsgrenze hinaus. Immer mehr und auch ältere Menschen kamen in den folgenden Jahrzehnten.

Lebendige Tradition

Der Enkelsohn des Gründers, Johannes Kullen, erfand die Hausaufgabe fürs jeweils nächste Jahr, einen ausgewählten Psalm samt Lied auswendig zu lernen. Bis heute bewährt sich diese lebendige Tradition und so entstand mit den Jahren eine große Glaubenskonferenz, zu der auch heute noch Hunderte Christen in die Hülbener Kirche strömen. Aktuell wird die Kirchweihmontagstunde vom Pfarrer Ulrich Scheffbuch aus Stuttgart geleitet, einem Ur-Ur-Urenkel von Christian Friedrich Kullen.

Die Kirchweihmontagsstunde und die später folgende Silvesterkonferenz trugen dazu bei, dass Hülben ein nicht ganz ernst gemeinter Beiname zuteilwurde: Als „Schwäbisches Jerusalem“ bezeichnen viele den kleinen Ort auf der Schwäbischen Alb mit einem Augenzwinkern.

Dieser humorige Vergleich und die geografische Lage auf ungefähr 719 Metern Höhe ließ die Gläubigen in Hülben jedoch nie abheben. Im Gegenteil. Hier geht es bodenständig zu. Keine geistlichen Höhenflüge, sondern schlicht und einfach die Verkündigung des Evangeliums. Pragmatisch, herzlich und humorvoll. Wie die Menschen auf der rauen Alb eben sind. Und noch etwas zeichnet die Hülbener Glaubensgemeinschaften aus: Apis, CVJM und Kirchengemeinde verstehen sich als eine Einheit und pflegen ein außergewöhnlich gutes Miteinander.

Und weil gelebte Gastfreundschaft und offene Türen schon immer ein wesentlicher Charakterzug der Hülbener Stundenleute war, sind auch heute alle willkommen, um mitzufeiern.

Festwochenende am 14. und 15. April


250 Jahre Hülbener Stunde – für die Gläubigen ein guter Grund dankbar zurückzublicken und zu feiern. Und auch hier zeigen sich die Älbler wieder äußerst bodenständig und bescheiden. Am 14. April findet dazu um 19.30 Uhr in der Christuskirche in Hülben ein Vortrag von Dr. Wolfgang Schöllkopf zu den Anfängen des Pietismus im Ermstal und der Uracher Alb statt. Sonntags folgt dann um 10 Uhr ein Festgottesdienst mit Steffen Kern und anschließendem Mittagessen im Gemeindehaus. Von 13 bis 14.30 Uhr findet dann die Gemeinschaftsstunde in der Kirche statt. Zum Abschluss gibt es Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus.