Umfrage Entscheidungshilfe fürs Kreuzchen

Metzingen / Von Chiara Tortorella und Anja Weiß 20.09.2017

Wen wählen? 40 Prozent  sind in dieser Frage noch unentschlossen und das kurz vor der Wahl. Eine Entscheidungshilfe war da das Wahlpodium der SÜDWEST PRESSE, in dem sich sechs Direktkandidaten des Wahlkreises Reutlingen den Fragen der Redaktion und der Besucher gestellt haben.

Wir haben uns vor der Veranstaltung bei den Zuschauern umgehört und danach. Wer war sich vor Beginn schon sicher, wo er seine Kreuz am Sonntag setzen wird? Wer könnte sich noch überzeugen lassen? Und wie war die Einschätzung nach dem Auftritt? So gibt es natürlich diejenigen, die bereits seit langem wissen, wem sie ihre Stimme geben, zu ihnen gehört Gerhard Pawelzik, der bereits einen Favoriten hat, wie er sagt. „Dennoch bin ich auf die Meinungen der anderen Parteienvertreter gespannt. Als ehemaliger evangelischer Diakon interessieren mich vor allem  die Themen Ehe, Familie und Religion, umso mehr bin ich gespannt, was FDP-Kandidat Pascal Kober als evangelischer Theologe dazu zu sagen hat.“

Auch Rolf-Dieter Loos war gespannt, was ihn erwartet: „Ich freue mich auf eine spannende Diskussion und möchte die Kandidaten und ihre Ansichten näher kennen lernen. Obwohl ich bereits entschlossen bin, bin ich gespannt, wer sich heute wie präsentiert.“

Viele unentschlossen

Ganz so klar war die Wahlentscheidung aber nicht bei allen. Ludwig Retzbach etwa könnte sich noch umstimmen lassen: „Ich bin mir zu 95 Prozent sicher, wen ich am Sonntag wählen werde, für die anderen fünf Prozent bin ich offen. Dennoch empfinde ich es als sehr unwahrscheinlich, dass ich meine Meinung auf Grund des heutigen Abends ändern werde.“

Zwischen zwei Kandidaten schwankte die Neuwählerin Christin Münzing und gar keinen Favoriten hatte Michel Salzer: „Deshalb möchte ich den heutigen Abend nutzen, die Kandidaten und die Parteien, die sie vertreten, näher kennen zu lernen, um mir anschließend hoffentlich im Klaren zu sein, wen ich wählen werde.“ Ähnlich ging es Jan Seidler, der sich erhoffte, „dass sich die Unterschiede zwischen den Kandidaten der Parteien klar herauskristallisieren werden, um mir so ein klares Meinungsbild machen zu können“. Auch Urs Spellenberg und Matthias Greger kamen ohne vorgefertigte Meinung.

Die jungen Männer sind zwar politisch interessiert, wie sie betonen, aber wollten sich mit dieser Debatte aktiv informieren, um sich eine Meinung bilden zu können, „ich weiß nicht, wer für was steht“.

Peter Brugger zeigte sich gespannt, was die Kandidaten bieten würden, um die Gunst der Wähler zu erlangen. Und für so manch einen bot sich Überraschendes oder Angenehmes. „Das war sehr informativ“, lobte Matthias Greger. Urs Spellenberg zeigte sich vor allem angetan von den drei Damen in der Runde, „die kamen besser, authentischer und ehrlicher rüber als ich im Vorfeld erwartet hätte.“

Jetzt wüssten sie, wen sie am Sonntag wählen, so die beiden. Auch Christin Münzing sah nach der Debatte klarer, und teilte die Einschätzung, dass die drei Damen sehr gut vorbereitet waren, vor allem Beate Müller-Gemmecke, „die konnte richtig punkten“.

Doch auch wenn die meisten nach dem Podium klarer sahen als zuvor, blieben manches Mal doch noch Zweifel. So gab es von Peter Brugger ebenfalls Lob für die Kandidatinnen, die er „strukturiert und gut informiert erlebte“. Zumindest in weiten Teilen des Abends, auch wenn jeder mal ins Schwimmen gekommen sei. Darum würde er sich am liebsten einen eigenen Abgeordneten basteln, bestehend aus 20 Prozent jedes einzelnen, Ausnahm sei die AfD, so Brugger, zu der wolle er sich lieber nicht äußern. Übrigens gab es sogar Zuhörer, die bereits per Briefwahl abgestimmt haben und dennoch kamen, um sich ein Bild von den Kandidaten zu machen. Und auch etliche, deren Meinung schon fest stand, aber auch welche, die am Ende genauso unschlüssig waren wie zuvor, wie einer bedauerte. „Nach der Diskussion bin ich nun genauso ratlos und verwirrt wie davor.“ Doch umsonst war der Besuch dennoch nicht, denn wenigstens eines weiß er jetzt: „Wen ich nicht wählen werde.“

Eine deutliche Sprache spricht unsere Probewahl. Anhand zweier Abstimmungen, eine vor und eine nach der Diskussion, müsse sich doch ein Meinungsbild ablesen lassen, dachten wir und lagen mit dieser Vermutung richtig. Vor der Diskussion hatte Michael Donth fast ein Drittel der Stimmen erhalten, Jessica Tatti kam auf 9 Prozent. Nach der Diskussion erhielt Donth nur noch 16,4 Prozent, Rebecca Hummel fiel von 23 auf 10,9 Prozent ab, dafür schnellte Jessica Tatti auf 35,1 Prozent hoch. Auch Beate Müller-Gemmeke konnte zulegen. Die anderen verloren. An den beiden Abstimmungen beteiligten sich 201 und 219 Personen.