Metzingen Eine Chance für 200 Mädchen

Das Weltgebetstagsteam hat das Projekt „Stifte machen Mädchen stark“ im Frühjahr vorgestellt. Nun wird die Aktion mindestens bis zum kommenden März verlängert.
Das Weltgebetstagsteam hat das Projekt „Stifte machen Mädchen stark“ im Frühjahr vorgestellt. Nun wird die Aktion mindestens bis zum kommenden März verlängert. © Foto: Archiv/Mara Sander
Metzingen / swp 06.11.2018

Stifte recyceln und zugleich 200 syrischen Mädchen in einem Flüchtlingscamp im Libanon Schulunterricht ermöglichen: Auf dieses Projekt wies der Weltgebetstag Anfang dieses Jahres in seinem Vorbereitungsheft für den Weltgebetstagsgottesdienst hin. Der Weltgebetstag ist auf Nachhaltigkeit bedacht und unterstützt die jeweiligen Partnerorganisationen, die Projekte für Frauen und Mädchen auf die Beine stellen, nicht nur in dem einen Jahr, in dem sie Weltgebetstagsland waren.

Die Aktion „Stifte machen Mädchen stark“ unterstützt nun die Organisation „Beit el-Nour“, eine Partnerorganisation des Weltgebetstags im Libanon, welches bereits 2003 das Weltgebetstagsland war. „Beit el-Nour“ hat ein Projekt entwickelt, das knapp 200 Mädchen den Besuch von Schulunterricht und Lernen in ruhiger Umgebung ermöglicht. Die meist schwer traumatisierten Kinder erhalten außerdem sozial-pädagogische und therapeutische Begleitung.

Stoff für neue Produkte

Doch was hat das Stiftesammeln mit der Hilfe für syrische Mädchen in einem Flüchtlingscamp im Libanon zu tun? Die gesammelten leeren oder kaputten Stifte werden an das Recyclingunternehmen Terracycle geschickt. Dort werden die Stifte zunächst in ihre Einzelteile zerlegt, sodass das Plastik von den anderen Bestandteilen getrennt wird. Das Plastik wird dann eingeschmolzen, um kleine Plastikkügelchen herzustellen. Diese dienen als Rohstoff für neue Produkte aus recyceltem Kunststoff wie Gartenmöbel, Gießkannen oder auch Stiftehalter. Zudem zahlen Terracycle und der Kugelschreiber-Hersteller BIC pro 20 Kilo gesammelte Stifte 20 Euro als Spende an die Hilfsorganisation im Libanon, die syrischen Flüchtlingsmädchen Bildung ermöglicht.

Hier Müll reduzieren und damit syrischen Flüchtlingsmädchen im Libanon helfen, diese Idee wollte auch das Metzinger Weltgebetstagsteam unterstützen und umsetzen. Und so wurden bereits Anfang März an verschiedenen Orten in ganz Metzingen bunte, selbst gestaltete Sammelboxen für die Stifte aufgestellt. Offensichtlich mit Erfolg. Bereits vor den Sommerferien waren in Metzingen mehr als 70 Kilo Stifte zusammengekommen und so konnten bereits zwei Pakete à 30 Kilo an das Recycling-Unternehmen geschickt werden. Eine Frau aus Reutlingen brachte ganze neun Kilo Stifte zu einer der zahlreichen Metzinger Sammelstellen. Inzwischen haben die Metzinger die 100 Kilo-Marke schon fast erreicht, rechnet man die in Neuhausen gesammelten Stifte hinzu, ist diese Marke schon längst überschritten.

Mehr als zehn Tonnen

Doch nicht nur Metzingen und Neuhausen sammeln – so wie der Weltgebetstag alljährlich am ersten Freitag im März überall gefeiert wird, so werden auch überall in Deutschland Stifte gesammelt. Das bundesweite Weltgebetstagsteam, welches die Stifte-Aktion betreut, berichtete bereits Mitte August, dass deutschlandweit inzwischen mehr als zehn Tonnen alte Stifte an das Recycling-Unternehmen geschickt worden sind und täglich zwischen fünf bis zehn neue Versandmarken für das Versenden weiterer Stifte-Pakete angefordert werden.

Allein dank des Stifterecyclings in Deutschland sind für das Bildungsprojekt im Libanon somit weit mehr als 10 000 Euro zusammengekommen. Wer die Masse an Stiften gesehen hat, die allein in Metzingen bisher in den zwei 30-Kilo-Paketen zum recyceln verschickt wurde, denkt automatisch: „Wie gut, dass diese riesige Menge nicht nutzlos in den Müll wandert, sondern sinnvoll weiterverwertet wird.“

Ursprünglich war die Aktion „Stifte machen Mädchen stark“ bis Ende dieses Jahres geplant, aufgrund der unerwartet guten Resonanz wird nun aber in Metzingen wie in Neuhausen noch mindestens bis zum nächsten Weltgebetstag im März des kommenden Jahres weiter gesammelt – dann laden die Frauen aus Slowenien ein.

Was wird gesammelt und recycelt?

Gesammelt werden: Kugelschreiber, Gelroller, Marker, Filzstifte, Druckbleistifte, Tintenkiller/Korrekturmittel (Tippex-Fläschchen), Füllfederhalter und leere Patronen, auch Metallstifte wie Edding. Die Stifte dürfen ganz in die Box, Kugelschreiberminen müssen nicht ausgebaut werden.

Nicht in die Sammelbox gehören: Klebestifte, Radiergummis, Lineale, Bleistifte, Buntstifte, Wachsmalstifte, Druckerpatronen und Scheren

Sammelboxen in Metzingen: Bonifatiuskirche, Gemeindehaus der Baptisten, Friedenskirche, Gemeindezentrum Neugreuth, Martinskirche, Schönbein-Realschule, Seyboldschule. Gesammelt wird außerdem in den Kindergärten Friedenskirche, Neugreuth 1, Hart-Hölzle, Haugenrain und Bonifatius. Zudem finden sich weitere Annahmestellen im Weltladen, im Rathaus Metzingen, der Stadtbücherei, im Naturkostladen Löwenzahn, der Buchhandlung Widmann, der Buchhandlung Stoll, bei Schreibwaren Stoll, der Adler-Apotheke, im Gemeindezentrum Neuhausen, im Rathaus Neuhausen und in der Neuhäuser Zweigstelle der Stadtbücherei im Bindhof.

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