Da war er also, der alte Haudegen. Sie haben ihn auf die Bühne geführt, weil ihm eine missglückte Rückenoperation derzeit das Dasein verleidet. Wolfgang Ambros, der Liedermacher und Lebemann, der Wiener, den die Fachwelt zu den Mitbegründern des Austropops zählt. Gebückt schlich er auf seinen Stuhl auf der Bühne, gebrechlich sah er aus, und hätte man seine Körpergröße schätzen lassen, wäre vielleicht ein Durchschnittswert von ein Meter 40 rausgekommen. Dann aber saß er.

Ausverkaufte Stadthalle

Die Metzinger Stadthalle war radikal ausverkauft, und kaum jemand im Publikum schien überrascht. Dass Ambros nicht mehr der jugendliche Querschläger ist, der „Heroin spaziert“ in die Welt säuselt, haben die 520 Besucher des Konzerts ohnehin gewusst. An Ambros ist das Leben stückweise kleben geblieben. In seinem Gesicht, in den Knochen, selbst in seiner Stimme, der das Feuer junger Tage fehlt, nicht aber die Glut.

Schließlich hat er angefangen. Zusammen mit Keyboarder Günter Dzikowski und Gitarrist Roland Vogl hat er seine Zuhörer begeistert. Es war dieses Gefühl zu spüren: Endlich! Wer ihn lange nicht gehört oder gesehen hatte, war schnell eingehüllt in Erinnerungen und beseelt von den vertrauten Melodien und vom alten Wolfgang Ambros, der so alt noch gar nicht ist. Am Dienstag wurde er 67 Jahre alt, eigentlich ist es da noch nicht an der Zeit, am Stock zu gehen. Er aber tut’s und hat es angenommen und vielleicht auch akzeptiert. Am Ende des zweieinhalbstündigen Konzerts drückte er es auf seine Weise aus mit einem Lied: „Mir geht es wie dem Jesus, mir tut das Kreuz so weh.“ Vielleicht ist es Mut, vielleicht einfach nur Authentizität, denn „das Leben“, schließt Ambros, „ist ein Heidenspaß. Für Christen ist das nichts.“

Publikum spendete Sonderapplaus

Immer wieder spendete das Publikum auch den beiden Instrumentalisten Sonderapplaus. „Die waren klasse“, hat Walter Dieterle, Vorsitzender des veranstaltenden Kulturvereins „z.B. Glems“ nach dem Konzert gesagt. Irgendwo war es auch wohltuend, zu sehen, wie Ambros, Dzikowski und Vogl gefeiert wurden wie eine junge Boygroup. Und das ganz ohne kreischende Teenager im Saal, sodass Ambros dem schwarzen Afghanen huldigen durfte, der zerbröselt und dem Tabak beigemischt möglicherweise ein früher Begleiter des Liedermachers aus Wien war: „Du grün’s Marokkanderl, kumm schleich die ins Hirn.“ Eine Ode auf die verbotenen Früchte dieser Welt, die so viel Begeisterung entfacht hat, dass sie alle gestanden sind. Männer und Frauen, die ihrem Wolfgang Ambros zugejubelt haben, als gäbe es kein Morgen.

Zweieinhalb Stunden hat Ambros mit seiner Formation „Ambros pur! Vol. 5“ gespielt. Zwischendrin gab es eine kleine Pause. Er, Ambros, hatte zweifelsohne viel Spaß an dem Abend. Immer wieder hat er dem Publikum Geschichten erzählt. Warm und geschmeidig wie Öl kriecht sein Wiener Schmäh durch die Gehörgänge ins Herz, was freilich anatomisch gesehen als nicht besonders plausibel erscheint und jedem angehenden Mediziner, der derlei in seiner Examensprüfung sagen würde, ein unwillkommenes Ende seiner Prüfung bescherte.

Doch das Ambros-Konzert ist keine Sache für Logiker und Analysten, und schon gar nicht für Mediziner und noch weniger für Moralisten. Man muss schon loslassen wollen, wenn Ambros singt: „Da Rausch unsa Schicksoi, im Rausch san ma z‘aus, A Rauchal, a Fixal, do kenn‘ ma uns aus.“

Im Publikum saß auch seine Frau Uta Schäfauer, mit der er seit knapp zwei Jahren verheiratet ist. Sie stammt aus Filderstadt und hat einen kleinen Fanclub mitgebracht. Für sie und ihre Freunde war das Konzert eine besonders schöne Geburtstagsfeier mit vielen lieben Gästen, die Wolfgang Ambros das zollen, was er verdient: Zuneigung.

Auch Ambros hat dem Publikum etwas gegeben. Nur ein paar Worte: „Weil i wü ...“: Und dann kam die hundertfache Antwort: „Schifoan, Schifoan, weil Schifoan ist das leiwaundste, wos ma sich nur vurstelln kann.“

So leb’ denn wohl, Wolfgang Ambros. Und komm mal wieder.

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Zuhörer bejubelten am Dienstagabend das Konzert des Wiener Liedermachers Wolfgang Ambros, der an diesem Tag seinen 67. Geburtstag feierte.