Metzingen Brodbeck ohne Brodbecks

Sie haben oder hatten die Geschicke der Bauunternehmensgruppe Brodbeck in der Hand: Uwe Büchele, Wolfgang Nagel, Ulrich Brodbeck, Wolfgang Brodbeck, Jürgen Schwefel und Axel Breitmaier (von links).
Sie haben oder hatten die Geschicke der Bauunternehmensgruppe Brodbeck in der Hand: Uwe Büchele, Wolfgang Nagel, Ulrich Brodbeck, Wolfgang Brodbeck, Jürgen Schwefel und Axel Breitmaier (von links). © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Michael Koch 06.12.2018

Doch, es gibt sie natürlich im Unternehmen, die Nachkommen des Gottlob Brodbecks, der 1930 sein Bauunternehmen gegründet hat. Bis heute sind die Familien Brodbeck auch die Gesellschafter, fünf Familienmitglieder sind zudem immer noch in der Firmengruppe tätig, drei aus der dritten, zwei aus der vierten Generation. Und doch steht zum Jahreswechsel „eine große Zäsur“ an, wie Ulrich Brodbeck sagt, wenn er als Geschäftsführer der übergeordneten Holding auf eigenen Wunsch hin in den Ruhestand übergleiten wird. „Dann ist erstmals kein Mitglied unserer Familie mehr als Geschäftsführer im Unternehmen tätig“, so Brodbeck.  Das müsse natürlich kein Dauerzustand bleiben, augenblicklich sei die vierte Generation aber noch zu jung. „Aber wer weiß, was in ein paar Jahren passiert“, lässt der 63-Jährige alle Zukunftsoptionen offen.

Seinen Posten wird Wolfgang Nagel übernehmen. Der 52-Jährige ist mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung im Mai dieses Jahres zum Unternehmen gestoßen und hat sich seither sehr gut eingelebt. Er übernimmt einen kerngesunden Mittelständler, der die Ziele aus seiner „Agenda Brodbeck 2020“ schon in diesem Jahr übererfüllt hat. Seit Ulrich Brodbeck 1995 die Führung übernommen hatte, hat es für die Gruppe kein Jahr mit Defiziten im Gesamtergebnis mehr gegeben. „Wir sind gegen den Trend immer gewachsen“, so Brodbeck.

Für seinen Nachfolger ist das natürlich eine Herausforderung, die er aber gerne annimmt. Im „deutlich dreistelligen Millionenbereich“ liegt inzwischen der Jahresumsatz der Gruppe, wenngleich diese Kennziffer zweitrangig sei, wie die Geschäftsführer betonen. Wichtig ist der Ertrag. Denn wie für ein Familienunternehmen typisch, wird dieser sogleich wieder in das Unternehmen investiert. So ist zum Beispiel der moderne dunkelgrüne Brodbeck-Fuhrpark im Straßenverkehr unübersehbar. 40 Lastwagen, 85 Kleinbusse und 55 Bagger gehören dem Unternehmen, etliche Spezialmaschinen kommen noch obendrauf.

Mit diesem Fuhrpark werden täglich 30 Bau- und drei Asphaltkolonnen in den Straßen- und Tiefbau auf die Baustellen geschickt. Pro Jahr werden mehr als 200 Projekte umgesetzt, im Bereich der Tochterfirma Heber Terramix weitere 300. „Diese Menge an Projekten hat mich gleich zu Beginn besonders fasziniert. Da steckt eine Menge an Organisation dahinter“, sagt Wolfgang Nagel.

Die Brodbeck Holding mit ihren vier gleichberechtigten Gesellschafterfamilien unterteilt sich in sechs verschiedene Geschäftsbereiche. Die Gottlob Brodbeck GmbH ist im Straßen- und Ingenieurbau zu Hause. Hier fungiert Axel Breitmaier als Geschäftsführer für Straßen- und Tiefbau, Jürgen Schwefel leitet den Bereich Hoch- und Ingenieurbau. Die im Jahr 2000 gegründete Heber Terramix GmbH ist unter der Leitung von Uwe Büchele als einzige Tochterfirma international tätig und kümmert sich um das Thema Bodenverbesserung.

Die Casa Blanca Immobilien GmbH ist als Bauträger tätig, die Asphalt Malibu GmbH ist eine Grundstücksgesellschaft mit Sitz in Bad Urach. Außerdem gibt es in der Kurstadt noch die Asphalt Malibu Asphalt- und Baustoffrecycling GmbH.

Es ist nicht nur das einzige Asphaltwerk in der Region, hier werden jährlich auch zwischen 60 000 und 100 000 Tonnen Abbruchmaterial und Alt­asphalt vollständig recycelt. Letztlich gibt es noch die Sparte der Vermögensverwaltung, die sich um die Verwaltung der Betriebsgebäude kümmert.

Als regionales Unternehmen hat Brodbeck die meisten seiner Mitarbeiter in der Region gesucht und gefunden. Das werde freilich immer schwieriger, weshalb das Unternehmen inzwischen auch in die Mitarbeiterpflege investiert. Gesundheitstage, Rücken- und Yogakurse sind Angebote, die selbst in einem rustikalen Bauunternehmen sehr gut ankommen. Die auffällig hohe Betriebstreue ist Zeugnis für diese Bemühungen, von denen auch alle angereisten Mitarbeiter profitieren, die im firmeneigenen Wohnheim untergebracht werden.

Auch außerhalb der eigenen Mauern kümmert sich Brodbeck durch vielfältiges soziales Engagement um seine Umgebung. Die Unterstützung etlicher Vereine oder etwa das „Vereinsbussle“ sind nur zwei gelungene Beispiele dafür.

Meilenstein der Firmenchronik

1930: Pflasterermeister Gottlob Brodbeck gründet das Unternehmen in Zizishausen.
1933: Umzug nach Metzingen
1945: Nach dem Krieg begann Gottlob Brodbeck mit Pflasterarbeiten den Wiederaufbau.
1949: Die erste Teermaschine wird für 7000 Mark erworben.
1953: Die Firma steigt in den Straßenbau ein.
1955: In der Metzinger Römerstraße wird das erste Grundstück erworben, im Jahr darauf erfolgt der Umzug dorthin

1958: In Bad Urach entsteht eine Asphalt-Mischanlage.
1960: Nach dem Tode Gottlob Brodbecks übernimmt sein Sohn Kurt die Firma.

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Gesellschafter aus den Familien Brodbeck, die sich auf vier gleichberechtigte Anteile aufteilen, sind heute im Besitz der Metzinger Unternehmensgruppe.

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