Es waren nur 13 Minuten. 13 Minuten, die zwischen Erfolg und Misserfolg entschieden haben. Denn als Georg Elsers Bombe am 8. November 1939 um 21.20 Uhr im Münchner Bürgerbräukeller explodierte, waren Hitler und seine Gefolgsleute bereits gegangen. Elsers Plan, den „Führer“ zu töten, war damit gescheitert. Wäre er aufgegangen, hätte die Geschichte wohl einen anderen Verlauf genommen. Ob er die Welt damit verändert, den Krieg verhindert hätte? „Man weiß es nicht“, sagt Josef Seibold, der anlässlich des „Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ in der Alten Synagoge den Lebensweg Georg Elsers beleuchtete.

Aktiv Widerstand leisten

Seibold, der 36 Jahre lang Lehrer in Königsbronn war, engagiert sich seit langem für die dortige Georg-Elser-Gedenkstätte. Er hat sich intensiv mit der Biographie des Mannes befasst, der genau das getan hat, was viel zu wenige taten: aktiv Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet. Sein Vortrag fand in Kooperation mit dem Weiterbildungsnetz Hechingen und dem Hohenzollerischen Landesmuseum statt, in dem noch bis 1. März die große Elser-Ausstellung zu sehen ist.

„Wenn man sich mit Georg Elser beschäftigt, muss man sich in völlig andere Zeiten zurückdenken, als wir sie heute haben“, ging Josef Seibold auf die Biographie des am 4. Januar 1903 in Hermaringen geborenen und in Königsbronn aufgewachsenen Widerstandskämpfers ein. Der Alltag damals sei von harter Arbeit und Hunger und Not beherrscht gewesen. „Das hat Georg Elser geprägt.“ Nach einer abgebrochenen Lehre in den Schwäbischen Hüttenwerken beginnt er eine Schreinerlehre, die er 1922 als Kammerbester abschließt und durch die er in Kontakt mit der Gewerkschaft kommt. Während seiner Wanderjahre erweitert er sein handwerkliches Geschick, was ihm später beim Bau der Bombe für sein Attentat zugute kommen wird. 1930 wird er Vater eines unehelichen Sohnes.

Die Not war groß

Parallel zum Lebenslauf Elsers beleuchtete Seibold die politische und wirtschaftliche Situation in dieser Zeit. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise sorgten für hohe Arbeitslosenzahlen, die Not der Menschen war groß, was den Nazis in die Karten spielte. „Man muss sich klarmachen, wie unglaublich schnell, innerhalb von nur knapp 18 Monaten die nationalsozialistische Diktatur im Deutschen Reich errichtet wurde“, unterstrich der Referent. Die von Goebbels gesteuerte NS-Propaganda, „mit der die Menschen verführt wurden“, habe ihre Wirkung nicht verfehlt. Besonders die Jugend sei regelrecht „einkassiert“ worden. „Da hat der überzeugte Arbeiter Georg Elser erkannt: Hitler bedeutet nichts anderes als Krieg“, so Josef Seibold.

1938 entschloss er sich zu handeln; die minutiöse Planung für sein Attentat begann. Er erkundete den Bürgerbräukeller in München, besorgte sich Sprengmaterial und tüftelte an seinem „Apparat.“ Die fertige Bombe zündete am Abend des 8. November 1939 dann auch wie geplant und tötete acht Menschen, doch  Hitler und sein Gefolge, die den Saal kurz zuvor verlassen hatten, waren nicht darunter. Das Attentat war gescheitert.

Durch Zufall festgenommen

Noch vor der Explosion wurde Elser auf seiner Flucht in Konstanz durch Zufall festgenommen und geriet in Verdacht, da er unter anderem ein Abzeichen des „Roten Frontkämpferbunds“ und eine Postkarte des Bürgerbräukellers bei sich trug. Es gab zwei Verhöre, Elser gestand und wurde 1945 im KZ Dachau ermordet. „Haben Sie irgendetwas von einem Prozess gehört, von einem Verteidiger? Nichts!“, konstatierte Seibold. Elser wurde einfach „beseitigt.“ Danach dauerte es lange, bis ihm sein Platz in der Geschichte des Widerstandes zugestanden wurde. Heute erinnern unter anderem die Gedenkstätte in Königsbronn und ein Denkmal am dortigen Bahnhof an Georg Elser. Sein Beispiel mahne uns, „den Mut zu haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen“, unterstrich Seibold. „Wenn wir so weit sind, dass wir Widerstand leisten müssen, dann haben wir zu spät reagiert.“

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