Die Bankenwelt, sagt Volksbank-Vorstandssprecher Arndt Ständer, sei „nicht wiederzuerkennen“, und auch das Kundenverhalten verändere sich stetig. Diesen Trends könne sich auch die Volksbank Hohenzollern-Balingen nicht verschließen. Zum 30. März schließt das genossenschaftliche Geldinstitut die sechs unwirtschaftlichsten von bisher 18 Geschäftsstellen.

Besonders hart trifft es Haigerloch

Besonders hart trifft der diesmalige Einschnitt die Gesamtstadt Haigerloch: Auf der Streichliste sind die Filialen in Gruol, Stetten und Owingen. Außerdem geschlossen werden die Geschäftsstellen in Grosselfingen, Neufra und Weilstetten.

Gekürzte Öffnungszeiten in verbleibenden Filialen

Im hohenzollerischen Unterland ist die Volksbank damit künftig nur noch in der Haigerlocher Kernstadt und in Rangendingen vertreten. Und auch da sind gekürzte Öffnungszeiten zu beachten: In Haigerloch wird montags und dienstags künftig schon um 17 Uhr (statt bisher 18 Uhr) zugesperrt; diese Regelung gilt auch für die anderen großen Geschäftsstellen in Balingen, Bisingen, Burladingen, Frommern, Gammertingen, Hechingen und Rosenfeld.

Sogar 10,5 Öffnungsstunden pro Woche weniger gelten künftig für die verbleibenden kleinen Volksbank-Filialen in Rangendingen, Melchingen, Heselwangen und Veringenstadt. Mittags schließen diese Geschäftsstellen täglich schon um 12 Uhr, nachmittags ist künftig nur noch am Montag und am Donnerstag von 15 bis 18 Uhr offen.

Antwort auf rückläufige Kundenfrequenz

Für den Volksbank-Vorstand sind die Einschnitte die Antwort auf den stetigen Rückgang der Kundenfrequenz in den Filialen. Im Klartext: Immer mehr Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte online oder am Telefon, immer weniger suchen eine Filiale persönlich auf. „Wenn nur noch fünf Kunden am Tag in der Geschäftsstelle unsere Dienste in Anspruch nehmen, können wir diese nicht mehr aufrecht erhalten“, sagt Vorstandsmitglied Franz Steinhart.

Die Filialschließungen seien das Resultat „klarer Frequenzanalysen“. Speziell rund um Haigerloch (wo der Konkurrent Sparkasse schon vor Jahren mit Filialschließungen vorangegangen ist) sei die Volksbank vor drei Jahren „mit den Öffnungszeiten in die Vollen gegangen“, sagt Arndt Ständer. Die Kunden hätten jedoch „mit den Füßen abgestimmt“, indem sie das Präsenzangebot verschmähten.

„Voba Hoba“ will Präsenz vor Ort neu definieren

Präsenz vor Ort aufgeben will die „Voba Hoba“ indes nicht, sondern „neu definieren“. Das heißt: Die Geldautomaten bleiben (zumindest fürs erste), individuelle Beratung ist auch künftig täglich von 8 bis 20 Uhr überall möglich, die digitalen Aktivitäten werden ausgebaut, und in den verbleibenden zwölf Geschäftsstellen werden Kompetenzen gebündelt – auch mit Hilfe des Personals der zur Schließung anstehenden Filialen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen nämlich „möglichst vermieden werden“.

Bilanzsumme wächst auf 1,3 Milliarden Euro

„Mit den Änderungen im Geschäftsstellennetz sichern wir in Zukunft die Existenz der Volksbank Hohenzollern-Balingen eG“, sagt Vorstandssprecher Arndt Ständer. Wichtig ist ihm dabei, „aus einer Position der Stärke heraus zu handeln“. Recht gibt ihm dabei der Blick auf die vorläufigen Bilanzzahlen 2019. „Die Volksbank Hohenzollern-Balingen eG kann auf ein gutes Geschäftsjahr 2019 zurückblicken“, heißt es in der Pressemitteilung der Bank. „Sie konnte auch 2019 ihre Bilanzsumme durch stetiges und beständiges Wachstum um 4,8 Prozent auf 1.320 Millionen Euro steigern. Auch die Firmenkunden und Privatkunden hielten uns in 2019 die Treue, somit haben sich unsere bilanziellen Kundenforderungen im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent auf 721 Millionen Euro erhöht.“

Auch bei den bilanziellen Kundeneinlagen sei eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Diese wurden um vier Prozent auf 1.035 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr gesteigert. „Außerdem“, so Arndt Ständer, „stieg zum Vorjahr das betreute Kundenkreditvolumen um 7,4 Prozent auf 1.010 Millionen Euro. Ebenso wuchs das betreute Kundeneinlagevolumen um 5,5 Prozent auf 1.630 Millionen Euro, zu einem erfreulichen Gesamtkundenvolumen (inclusive Verbundgeschäft) in Höhe von 2.640 Millionen Euro. Dies entspricht einem Zuwachs zum Vorjahr von 6,2 Prozent.“

Neues Veranstaltungskonzept für den Draht zu den Kunden

Wie wichtig es Volksbank-Vorstand und -Aufsichtsrat ist, den Kontakt zu den Mitgliedern und Kunden vor Ort auch in Zukunft zu halten und weiter auszubauen, zeigt die Modernisierung und Flexibilisierung des Veranstaltungskonzeptes „VR-Kultur hautnah & regional“. Ob Konzert, Kleinkunst oder Theater – an drei Terminen im Jahr will die „Voba Hoba“ künftig unterhaltsame Mitglieder- und Kunden-Veranstaltungen anbieten.

Auch nach der Filialreform, so betonen die Volksbank-Vorstände, stehen zwölf Geschäftsstellen und 23 Geldautomaten zur Verfügung.

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