Wenn sich die Bundeswehr um eines derzeit keine Sorgen machen muss, dann ist das ihre musikalische Zukunft. Dies bewiesen die rund 70 „Musikstudenten in Uniform“, die im Ausbildungsmusikkorps, der zentralen militärmusikalischen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr, musizieren und in der vollbesetzten Hechinger Stadthalle ein Konzert der Extraklasse ablieferten. Unter der Leitung von Oberstleutnant Michael Euler und Fähnrich Lisa-Marie Holzschuh präsentierten sie ein Programm, das alle Facetten der Blasmusik beinhaltete.

Der Erlös der Benefizveranstaltung geht an die Jugendarbeit der Stadtkapelle Hechingen, die als Veranstalter fungierte. Deren Vorsitzender Michael Hegele schürte zu Beginn die Vorfreude auf ein „ganz besonderes musikalisches Erlebnis“ und erinnerte daran, wie es der Stadtkapelle gelungen ist, ein so hochkarätiges Auswahlorchester zu gewinnen: „Vor drei Jahren hat sich unsere Jugendkapelle am Bw-Musix-Wettbewerb beteiligt und in ihrer Kategorie den 1. Platz erreicht.“ Oberstleutnant Michael Euler saß damals in der Jury, und so kam der Kontakt zustande. Dazu kommt, dass das Ausbildungsmusikkorps mit der Oboistin Lisa Best eine Musikerin in seinen Reihen hat, die ganz eng mit Hechingen verbunden ist: Ihr Vater Markus Best ist Jugenddirigent der Stadtkapelle.

Wie es sich für ein Militärorchester gehört, wurde der Programmreigen mit dem energiegeladenen Marsch „Große Zeit, neue Zeit“ von Fritz Brase eröffnet. Hier wie auch bei der „Festive Ouverture“, die Dimitri Schostakovich 1947 anlässlich des 30. Jahrestags der Oktoberrevolution komponierte und die mit klangvollen Fanfarenmotiven und schneller, lyrischer Melodieführung aufwartet, spielte das Orchester sein enormes Klangvolumen aus.

Wie der Titel schon sagt, kam mit „Pulse“ ein wahrhaft pulsierendes, sehr rhythmisch angelegtes Musikstück zum Vortrag, bei dem Baritonspieler Lukas Mauckner als Solist glänzte. Unter einer ganzen Reihe von schmissigen Märschen, darunter der „Viktoria­marsch“ oder der „Marsch Infanterie-Regiment Großherzog Friedrich von Baden“ stach eine Komposition hervor: Der „March­e des Soldats de Robert Bruce.“ Der Klang von Trommel und Piccolo stehen im Mittelpunkt – „das Spiel der Infanterie“, erklärte Michael Euler und erläuterte, wie wichtig die Rolle der Militärmusiker einst in der Schlacht war. Denn schließlich waren sie es, die zu Angriff oder Rückzug trommelten. „Deshalb waren sie auch die bestbezahlten Soldaten“, betonte Euler und fügte humorvoll hinzu: „Wir arbeiten noch daran.“

Zwischen dem imposanten symphonischen Stück „1405: Der Brand von Bern“, das in lebendigen musikalischen Bildern eine flammende Katastrophe nachzeichnet und dem furiosen „Hussa! Horrido“, in dem die Jagdhörner erschallen, nutze Michael Euler die Gelegenheit, für das Ausbildungsmusikkorps werben. „Wir suchen dringend Nachwuchs“, betonte er und zählte die Vorteile auf: „Bei uns kann man den ganzen Tag Musik machen und muss morgens nicht überlegen, was man anzieht“, spielte er auf die Uniformen an.

Mitten in den Urwald entführten die Musiker mit dem Medley zu Walt Disney’s Filmklassiker „Jungle Book“, bei dem Lisa-Marie Holzschuh den Taktstock in Händen hielt. Solist Stephan Krecklow wusste bei „The Golden Age of Xylophon“ mit atemberaubender Geschwindigkeit am Schlagwerk zu begeistern. Einen äußerst unterhaltsamen Auftritt legte eine ganz besondere Putzkolonne aufs Parkett. „Die flotten Feger“ bewiesen, dass man mit Besen, Eimer, Kehrschaufel und Rhythmus im Blut weit mehr kann als nur saubermachen.

Bei „Merci Udo“, einer musikalischen Hommage an den großen Udo Jürgens, zog das Orchester im wahrsten Sinne noch einmal alle Register und brachte mit vielen Solisten samt E-Gitarre den Saal zum Beben. Als Zugaben erklangen ganz stilecht der „Radetzky-Marsch“ und die deutsche Nationalhymne, mit der ein großartiger Konzertabend beendet wurde.