1972, also vor 47 Jahren, ist der fahrplanmäßige Personenverkehr auf der Bahnstrecke von Hechingen über Haigerloch nach Eyach eingestellt worden. Seither verkehren im hohenzollerischen Unterland nur noch Güterzüge und der Radexpress „Eyachtäler“ im Freizeitverkehr. Das könnte sich in naher Zukunft wieder ändern. Die 27,9 Kilometer lange Bahnstrecke ist eine von 41 stillgelegten Trassen im Land, deren mögliche Reaktivierung das Verkehrsministerium jetzt prüft.

Das Land Baden-Württemberg will in den kommenden Jahren das Angebot im öffentlichen Nahverkehr deutlich steigern. Dazu gehört auch die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken. Verkehrsminister Winne Hermann (Grüne) sagte am Montag: „Viele der zwischen 1960 und 1990 stillgelegten Strecken haben auch heute noch ein hohes Fahrgastpotential. Das wollen wir dort wieder heben, wo eine Reaktivierung noch möglich ist.“

Beispiele für erfolgreiche Reaktivierungen sind das 1996 wiederbelebte „Seehäsle“ zwischen Radolfzell und Stockach (Landkreis Konstanz) und die Schönbuchbahn zwischen Böblingen und Dettenhausen sowie die 1999 reaktivierte Ammertalbahn zwischen Tübingen und Herrenberg. Ähnliches schwebt dem Verkehrsminister für etwa 15 der 41 Strecken vor, deren Potenzial jetzt im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersucht werden soll. Bis Ende 2020 werden das Fahrgastpotenzial sowie die erforderlichen Investitionen geprüft. Das Ergebnis soll Grundlage für eine Auswahl der zu fördernden Reaktivierungen sein. Bau und Betrieb müssten anschließend kommunal finanziert werden. Das Land, so heißt es, könne Investitionen wie den Streckenausbau oder eine mögliche Elektrifizierung über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz fördern.