Der Geruch von weggefrästem Asphalt liegt in der Luft, schwere Baumaschinen sorgen auf dem Obertorplatz für eine beträchtliche Lärmkulisse, und das Mikrofon versagt immer wieder: Erschwerte Bedingungen für eine Gemeinderatssitzung. Die Hechinger Stadtväter und -mütter zogen ihre Freiluftsitzung am Dienstagnachmittag trotzdem durch. Die Stadtverwaltung wollte größtmögliche Transparenz und Beteiligung bei der Ausgestaltung des 6,3-Millionen-Euro-Platzes – bei Pflaster- und Mauersteinen ebenso wie bei Mülleimern und Fahrradständern. Und weil die Sitzung nicht nur in aller Öffentlichkeit, sondern auch formal öffentlich stattfand, schauten den Räten ziemlich viele Bürger beim Beraten und Entscheiden zu.

Hahn lässt Tempo 30 prüfen

Seit einer Woche ist der zentrale Platz der Hechinger Oberstadt jetzt Großbaustelle. Und so nutzte Bürgermeister Philipp Hahn (in gelber Stadtwerke-Leuchtweste) die Gelegenheit für eine erste Zwischenbilanz. Aus seiner Sicht ist die Baustelleneinrichtung „reibungslos“ verlaufen. „Nur am ersten Tag“, am vergangenen Mittwoch, sah Hahn „Schwierigkeiten“. Inzwischen habe man sich allgemein „ganz gut arrangiert“. Handlungsbedarf besteht gleichwohl bei der erlaubten Fahrgeschwindigkeit entlang der Baustelle. „Wir prüfen, ob wir während der Bauphase mindestens auf Tempo 30 reduzieren“, sagte Hahn mit Blick auf die Gefahrenstellen, die sich durch die Absperrungen und die Ersatzparkplätze aufgetan haben.

Dann ging’s unter der Regie der Ersten Beigeordneten Dorothee Müllges und der Stadtbaumeisterin Helga Monauni sowie mit vielen Erläuterungen durch Planer Johann Senner an die „Bemusterung“ der Materialien und Möbel für den Platz. Abstimmungsmarathon inklusive.

Muschelkalk für die Mauer

Die ersten Entscheidungen galten Steinen. Für die Mauer, die von der Platz-Ecke gegenüber des Kirchplatzes bis zum (leicht versetzten) historischen Brunnen führten soll, war die Wahl schnell getroffen: Der erdfarbene Muschelkalk gefiel besser als der gelbliche Sandstein, auch weil er billiger und trotzdem robuster gegen Salz ist.

Senner: Kinderarbeit spielt da keine Rolle

Mehr Diskussionen brachte der Pflasterbelag – wobei Helga Monauni eine Grundsatzdebatte über China-Importsteine erfolgreich unterband: „Lassen Sie sie nicht davon leiten, woher das Material kommt, sondern davon, was für den Platz das Beste ist“, lautete ihr Appell. Und Planer Senner sekundierte: Kinderarbeit spiele in jenem südchinesischen Steinbruch, aus dem der von ihm empfohlene Granitstein kommt, keine Rolle. Das sei ein „hochtechnisiertes Unternehmen“, für das er die Hand ins Feuer lege.

Von Betonpflaster – einer Alternative – riet Senner dringend ab. Das sei zwar billiger, aber längst nicht so haltbar. Und der Naturstein aus Spanien – ein Drittel teurer als der chinesische –, von dem eine Musterfläche ausgelegt war, wollte auch nicht so recht gefallen. Nur Dr. Regina Heneka (CDU) sprach sich für „den Spanier“ aus, nachdem sie erfahren hatte, dass Recyclingsteine aus der Prager Altstadt nicht in Frage kommen, weil sie „die Rutsch-DIN“ nicht erfüllen und der Stadt Klagen von stürzenden Senioren bescheren könnten. Klar war am Ende das Votum für den Granit aus China, zu verlegen in einem Reihenverband. Johann Senner stellte dem Gremium hohe Qualität für 150 Euro pro Quadratmeter in Aussicht – und vernünftige Lieferzeiten: „Ende Februar, Anfang März sind die Steine hier.“

Gelber Asphalt wie in Bregenz

Beim Belag für die Fahrbahn folgten die Räte Senners Empfehlung für einen im Farbton Ocker kolorierten Asphalt, „wie er in Bregenz vor dem Festspielhaus liegt“.

Mehr als 30 Sitzbänke werden auf dem neuen Obertorplatz zum Verweilen einladen – in verschiedenen Varianten: mal mit Lehne, mal ohne, mal gerade, mal geschwungen, mal rund. Vier Muster von zwei verschiedenen Herstellern wurden besichtigt. Gretchenfrage hier: Tropenholz oder nicht?

Bänke nicht aus Tropenholz

Auch wenn der Vertreter der Firma Runge (die schon die Tropenholz-Sitzbank auf dem Monopteros-Hügel im Fürstengarten geliefert) wortreich erklärte, dass das Holz aus dem Kongo „zertifiziert und nachhaltig“ sei, fühlte sich die Mehrheit des Gremiums auf den Bänken der Schweizer Firma Burri offensichtlich wohler. Denn die verwendet für ihren Klassiker, die Sitzbank „Landi“, heimische Esche, die thermisch veredelt wird und so „garantiert 25 Jahre haltbar“ wird, wie der Abgesandte der Firma versprach. Um die 1300 Euro kostet das typische Exemplar, für das sich der Gemeinderat mit klarer Mehrheit aussprach.

Auch interessant:

Baustelle Obertorplatz Hechingen Ansätze von neuer Ordnung auf dem Platz

Hechingen