Nach dem antisemitisch motivierten Terroranschlag in Halle an der Saale, bei dem am Mittwoch zwei Menschen getötet wurden, stehen die Synagogen und andere jüdische Einrichtungen im Südwesten unter besonderem Polizeischutz. Das geht auf eine Anordnung des Landes-Innenministeriums von Baden-Württemberg zurück. Die Schutzmaßnahmen gelten laut Michael Aschenbrenner, Sprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen, nicht nur für jene Synagogen, in denen sich noch jüdische Gemeinden versammeln, sondern auch für Gedenkstätten mit jüdischem Hintergrund – und damit auch für die Alte Synagoge in der Hechinger Goldschmiedstraße und die ehemalige Synagoge im Haigerlocher Haag.

Auch jüdische Friedhöfe im Blick

Außerdem wollen die Ordnungshüter ein besonders wachsames Auge auf die jüdischen Friedhöfe in beiden Städten haben. „Die landesweiten Präsenzmaßnahmen werden auch bei uns umgesetzt“, sagte Aschenbrenner auf Nachfrage der Hohenzollerischen Zeitung. Die Anordnung aus dem Innenministerium gelte „bis auf weiteres“.

Polizeistreife vor der Rottweiler Synagoge

Vor der Synagoge in Rottweil, die von einer Gemeinde der Israelitischen Religionsgemeinschaft (IRG) Baden aktiv genutzt wird, hatte am Donnerstagmittag schon ein Streifenwagen Position bezogen.

Die Polizei hat in den ersten sechs Monaten des Jahres 46 antisemitische Straftaten in Baden-Württemberg registriert. Entwickeln sich die Zahlen im zweiten Halbjahr ähnlich weiter, liegen sie unter dem Niveau der Vorjahre. Nach Angaben des Innenministeriums in Stuttgart wurden im vergangenen Jahr im Südwesten 136 politisch motivierte Straftaten erfasst, die sich gegen Juden richteten. Im Jahr 2017 waren es 99 Taten, im Jahr 2016 95 Taten.

Jeder Vorfall sorgt für Verunsicherung

Die Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft (IRG) Württembergs, Barbara Traub, mahnte, nicht nur die reinen Zahlen zu betrachten. Jeder antisemitische Vorfall sorge für eine Verunsicherung unter den Gemeindemitgliedern, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Die Israelitischen Religionsgemeinschaften in Württemberg und Baden haben rund 8500 Mitglieder. Darüber hinaus leben im Südwesten Juden, die nicht Mitglied einer Gemeinde sind.

Freveltat auf dem Hechinger Judenfriedhof im Juni 2018

In Hechingen hatte es zuletzt im Juni 2018 eine Freveltat auf dem jüdischen Friedhof gegeben. Unbekannte Täter stießen einen Grabstein um und zerstörten ihn dadurch. Einen zweiten, kleineren Grabstein warfen sie über die frisch sanierte Friedhofsmauer und beschädigten diese dadurch. Die Täter wurden nie gefasst.

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