Am 10. Mai dieses Jahres hat es sich zum 50. Mal gejährt, dass in Hechingen vor der Villa Eugenia ein Gedenkstein an Friedrich Wilhelm von Steuben, der von 1764 bis 1776 Fürstlich-Hohenzollerischer Hofmarschall in Hechingen war, feierlich enthüllt wurde. Die Enthüllung des Gedenksteins erfolgte anlässlich der deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche 1969 durch Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern und den amerikanischen General David A. Burchinal, damals stellvertretender Befehlshaber der US-Streitkräfte in Eu­ropa.

US-Abteilung marschierte samt Militärkapelle zur Villa Eugenia in Fürstengarten ein

Aus den Presseberichten vom Mai 1969 geht hervor, dass damals die Hechinger Bürgergarde, eine Fahnenabteilung der Bundeswehr aus der Brigade Stetten am kalten Markt und des Panzerartilleriebataillons Immendingen mit der Bundeswehrfahne und friderizianischen Traditionsfahnen, US-Fahnenabordnungen mit der Fahne des europäischen Oberkommandos und den Fahnen der vier amerikanischen Truppenteile, eine US-Abteilung in historischen Uniformen und historischen Fahnen und eine US-Militärkapelle zur Villa Eugenia in den Fürstengarten einmarschierten.

Fürst von Hohenzollern ergriff das Wort

Dort angekommen spielte die US-Kapelle, und der Spielmannszug der Bürgergarde und die Stadtkapelle Hechingen ließen den Marsch „Preußens Gloria“ erklingen. Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern ergriff das Wort und verlas ein Telegramm des damaligen Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger, der sich entschuldigt hatte.

So kam Steuben nach Hechingen

Friedrich Wilhelm blendete in seiner Ansprache zurück in das 18. Jahrhundert und skizzierte den geschichtlichen Hintergrund der Feier. Der Siebenjährige Krieg war 1763 abgeschlossen, und 1764 traf der damals regierende Fürst Joseph von Hohenzollern-Hechingen in Wildbad den aus der preußischen Armee entlassenen Stabskapitän Friedrich Wilhelm von Steuben. Er trug dem stellungslosen Offizier das Hofmarschallamt in Hechingen an. So kam Steuben nach Hechingen, wo er zwölf Jahre in der nächsten Umgebung des Fürsten blieb, bis er endlich den Absprung aus den engen Verhältnissen fand, indem er nach Amerika übersiedelte.

In der „neuen Welt“ spielte Steuben an der Seite von George Washington, dem späteren Ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, eine entscheidende Rolle als Organisator und Generalinspekteur der amerikanischen Truppen im Unabhängigkeitskrieg, den diese nach Ansicht von Historikern ohne das Eingreifen von Steuben kaum gewonnen hätten. Auf jeden Fall war der preußische Offizier ein erfrischender Faktor für die junge amerikanische Armee.

Aber Steuben, so betonte Friedrich Wilhelm, habe auch anderweitig ausgestrahlt. Er sei zu einem Beispiel der Auswanderung (insbesondere aus dem Hechinger Kreisgebiet) geworden, die Ende des 18. Jahrhunderts wegen der Überbevölkerung der Dörfer eingesetzt hatte. Der Redner wies noch auf die in den USA heute immer noch stattfindende Steubenparade hin und schloss mit der Bemerkung, dass Steuben zu einer Schlüsselfigur zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten geworden sei.

Baron von Steuben war „unentbehrlich zur Erlangung der amerikanischen Unabhängigkeit“

Aus amerikanischer Sicht ergriff danach General David A. Burchinal das Wort. Laut damaligen Presseberichten erzählte er, dass Baron von Steuben etwa viertausend Meilen von Hechingen entfernt in einem Staatspark in der Nähe von Utica im Staate New York seine letzte Ruhe gefunden hat. Eine Tafel aus Bronze auf einem Denkmal aus Granit bei seinem Grabe trage die Aufschrift: „Unentbehrlich zur Erlangung der amerikanischen Unabhängigkeit“. Man habe sich nun während der deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche in Hechingen versammelt, um Steuben in seinem Geburtsland ein Denkmal zur Würdigung seiner Verdienste zu widmen.

Steuben, so Burchinal, habe Deutschland am 26. September 1777 verlassen und sei auf dem Handelsschiff „Le Flammand“ in die neue Welt gesegelt. Er habe Portsmouth, New Hampshire, am 1. Dezember 1777 erreicht. Weiter erinnerte der General an Steubens Bericht vom 4. Juli 1779 über die gefährliche Überfahrt in einem Brief an seinen alten Freund, Kanzler Frank in Hechingen, in dem Steuben erzählt, dass es ihm gelungen sei, einen Sturm, drei Feuersbrünste, die die Munition gefährdeten, und eine kleine Meuterei zu überleben. Amerika schulde dem großen Deutsch-Amerikaner, der so entscheidend zur Freiheit des amerikanischen Volkes beigetragen habe, höchsten Dank.

Steubens Genie zu verdanken

In den „dunkelsten Tagen der amerikanischen Geschichte“, im Winter von Valley Forge 1777/78, als die kontinentale Armee auf 3000 Mann zusammengeschrumpft war, sei Steuben auf der Bildfläche erschienen. Er habe eine Gruppe von entmutigten, kranken, schlecht ausgerüsteten und hungernden Männern in eine schlagkräftige Einheit verwandelt und die Amerikaner vor der Niederlage im Kampf um Monmouth gerettet. Steuben habe mitgeholfen am Belagerungsplan von Yorktown, wo er auch eine Division von George Washington befehligt habe. Er habe einen Verteidigungsplan für New York entworfen, als 1794 ein neuer Krieg mit Großbritannien gedroht habe. Fort Hamilton und Fort Wadiworth seien seinem Genie zu verdanken.

Der General aus Preußen haben schließlich auch die Grundlagen für die Organisation der amerikanischen Nationalgarde entworfen. Im Jahre 1783 war ihm die Staatsbürgerschaft von Pennsylvanien und 1788 die von New York verliehen worden. Amerika, so Burchinal, sei stolz auf die Leistungen von Friedrich Wilhelm von Steuben. Er sei ein deutscher und ein amerikanischer Patriot gewesen. Nach diesen Ansprachen erfolgte die Enthüllung des Denkmals.

So stand der Steuben-Gedenkstein dann einige Zeit vor der Villa Eugenia auf der Wiese. Eines Tages wurde es weggebracht und an anderer Stelle im Fürstengarten in der Nähe des Weißen Häusles neu aufgestellt. Dort steht es nun seit vielen Jahren, kaum beachtet und schwer zu entdecken im Schatten von Bäumen und Hecken.

Wieder vor die Villa Eugenia!

Wünschenswert wäre es, dass ein Denkmal für einen derart berühmten Mann, der zwölf Jahre in den Mauern der Stadt Hechingen weilte, für jeden Gast der Stadt, beim Besuch der Villa Eugenia durch das Haupteingangstor des Fürstengartens sofort zu sehen ist. Der Steuben-Gedenkstein sollte also wieder vor der Villa Eugenia auf der Wiese oder zumindest am Weg vom Haupteingang des Fürstengartens zur Villa gut sichtbar aufgestellt werden. Es wäre sicher eine Bereicherung für jede Stadtführung, wenn Touristen von dieser besonderen deutsch-amerikanischen Geschichte Kenntnis nehmen könnten.

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Stetten

Der Text auf dem Steuben-Gedenkstein


Zum Andenken an Friedrich Wilhelm von Steuben, Fürstl. Hohenz. Hofmarschall in Hechingen von 1764-1776, Organisator der amerikanischen Armee, gewidmet am 10. Mai 1969.

In memoriam Friedrich Wilhelm von Steuben, Lord Chamberlain of the Prince of Hohenzollern, in Hechingen from 1764 to 1776, Inspector General of the American Army, dedicated on May 10, 1969.