Bodelshausen Joma Polytec baut neues Werk

Nehmen einen Extruder in den Blick: Joma-Polytec-Geschäftsführer Hans-Ernst Maute (vorne) und ein Mitarbeiter.
Nehmen einen Extruder in den Blick: Joma-Polytec-Geschäftsführer Hans-Ernst Maute (vorne) und ein Mitarbeiter. © Foto: Natascha Kübler
Bodelshausen / Natascha Kübler 22.03.2018
Zwölf Millionen Euro investiert das Bodelshausener Unternehmen Joma Polytec in ein neues Werk. Baubeginn ist noch in diesem Frühjahr.

Gäste werden bei der Bodelshausener Firma Joma Polytec in einem Konferenzraum mit Blick auf die Burg Hohenzollern begrüßt. Der Konferenztisch ist so ausgerichtet, dass, wer mit dem Rücken zur Tür sitzt, den perfekten Blick auf die Burg hat. Dort dürfen bei Meetings Gäste platznehmen – wohlgemerkt dürfen. Denn Geschäftsführer Hans-Ernst Maute hat die Erfahrung gemacht, dass seine asiatischen Gäste lieber mit dem Gesicht zur Tür sitzen. „Da denkt man wie ein typischer Gastgeber und liegt erst noch falsch“, berichtet Maute. Er habe irgendwann den Grund dafür erfahren: Die ausländischen Kollegen mögen es nicht, wenn Licht auf ihr Gesicht fällt und so jede Regung deutlich  zu sehen ist. Strategisch hat man auf dem Platz ohne Aussicht  die besseren Karten.

Maute weiß, wie das Geschäft läuft. Er und sein Bruder Alexander Maute leiten das Familienunternehmen mit seinen 490 Mitarbeitern und Auszubildenden seit 1990. In diesem Jahr steht in der Firma, die auf Kunftstofftechnik, Hydromechanik und Extrusion spezialisiert ist, nun ein Großprojekt an: Es wird ein neues Werk gebaut. Zwölf Millionen Euro lässt das Unternehmen für eine weitere Produktions- und Lagerhalle springen. Dort sollen künftig fast 9000 Quadratmeter für die Extrusion zur Verfügung stehen. Die Zahl der Extruder soll verdoppelt (zurzeit 14 Maschinen) werden.  Baubeginn des neues Werks ist noch in diesem Frühjahr, rund ein Jahr soll das Ganze dauern.

Notwendig ist die Erweiterung, da Joma Polytec im Geschäftsbereich der Extrusion bei den Aufträgen kaum mehr nachkommt. Die Abteilung arbeitet sogar mit einer Sondererlaubnis auch am Wochenende, um der Lage Herr zu werden. Mehr Maschinen würden ebenfalls Abhilfe schaffen, diese finden aber keinen Platz mehr in der alten Halle.

Profile für Fensterrahmen

Die gute Auftragslage bei der Extrusion – „die ist sicherlich dem Bauboom geschuldet“, meint Hans-Ernst Maute. Genauso wie dem Trend der energetischen Sanierungen. Denn mit den Extrudern stellt das Unternehmen Aluminiumprofile für Fensterrahmen her. Mit diesen können Fenster abgedichtet und isoliert werden.

Joma Polytec hat ein gutes Jahr 2017 hinter sich: 95 Millionen Umsatz machte die Firma, angesetzt waren 89 Millionen. Sorgenvoll blickt Jurist Maute jedoch in Richtung USA. Das Bodelshausener Unternehmen ist Zulieferer der Autoindustrie und diese wird, wenn es nach US-Präsident Donald Trump geht, bald mit Strafzöllen belegt. Daimler habe bereits angekündigt, dass in einem solchen Fall die Steuererhöhung anteilsmäßig an die Zulieferer weitergegeben würden. Also auch an Joma Polytec.

Roboter-Versorgungssystem

Einerseits voller Zuversicht, andererseits auch mit Bedenken fällt Mautes Urteil zu Themen wie Roboter und Industrie 4.0 aus. Ein Gabelstapler, der komplett selbstständig fährt (mit Kamera und Bewegungssensor) wird gerade getestet. Ziel ist es, ein komplettes Roboter-Versorgungssystem innerhalb des Unternehmens einzuführen. „Im Sommer wird es keine Fahrer mehr geben“, verspricht Maute. Die sollen in der Firma zukünftig andere Arbeiten übernehmen. Maute sieht große Chancen in der Industrie 4.0. Allerdings fordert er auch von der Politik: „In der Zukunft müssen wir beim Thema Sicherheit eine ganz andere Gangart einlegen.“  Gerade von einem guten Datenschutz sei die zukünftige Gesellschaft abhängig, prognostiziert der Geschäftsführer.

Soziale und politische Themen brennen dem 63-Jährigen auf der Seele. Deshalb müssen die Auszubildenden des Betriebs auch jedes Jahr ein Sozialprojekt machen. Der vergangene Jahrgang baute einen öffentlichen Bücherschrank, der aktuelle hat zwei Bienenstöcke auf dem Plan.

Im Gespräch mit der Hohenzollerischen Zeitung schneidet Maute ferner ein ganz aktuelles und umstrittenes Thema an: Innenminister Horst Seehofers (CSU) Aussage, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Sie findet Maute mutig. Der 63-Jährige scheut politische Diskussionen nicht, denn er ist überzeugt: „Eine gute Firma weiß, dass sie sich auch gesellschaftlich und politisch engagieren muss.“

Das Bodelshausener Unternehmen

Ein Vorgänger von Joma Polytec wurde 1926 als Textilbetrieb von Johannes Maute (daher der Name) in Albstadt gegründet. 1958 wurde dann das heutige Unternehmen mit Augenmerk auf Kunststofftechnik daraus, 1989 wurde der Textilbetrieb komplett eingestellt. Heute hat Joma Polytec drei Geschäftsbereiche: Kunststofftechnik, Hydromechanik und Extrusion. Geschäftsführer sind Hans-Ernst Maute (Kaufmännisches) und Alexander Maute (Technik und Vertrieb). Die Firma liegt zu rund 15 Prozent auf Hechinger Gemarkung, deswegen landet auch ein Teil der Gewerbesteuer in der Zollernstadt. Eigentümer von Joma Polytec sind die beiden Brüder (je ein Drittel) und die Stuttgarter BWK Unternehmensbeteiligungsgesellschaft.

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