Sie wirkte beherrscht, aber man merkte ihr den Schock und die Empörung trotzdem an: Barbara Traub, die Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, bekannte in der Alten Synagoge vor annähernd 100 Zuhörern zwar, dass die Jüdinnen und Juden nach wie vor Zuversicht und Vertrauen in Deutschland hätten. Aber nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle müsse es jetzt einen Ruck geben: „Da muss etwas gesehen!“

Zu lange nur zugeschaut

Es müssten Grenzen gesetzt werden, wo man zu lange nur zugeschaut habe. Die Gesellschaft dürfe sich nicht entsolidarisieren und sich nicht von Extremisten in die Defensive treiben lassen. Denn das Ziel solcher Attentäter sei, jüdische Menschen und die ganze Gesellschaft in Angst und Schrecken zu versetzen. Das wiederum führe zum Vertrauensverlust in Regierung und Behörden. Genau dagegen gelte es nun vorzugehen: Niemand dürfe isoliert sein in Angst.

Aufatmen gebe es in der jüdischen Gemeinde wegen der vielen, vielen Unterstützung und der Erklärungen, sagte Barbara Traub. Aber, sie betonte es mehrmals, das reiche nicht. Justiz und Recht müssten nun voll ausgeschöpft werden.

Widmann-Mauz: Schande!

Initiiert hatte die Veranstaltung in Hechingen Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU). Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration nannte den „feigen Terroranschlag“ eine „Schande für unser Land“. Nach diesem Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland müsse man solidarisch zusammenstehen, dürfe nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Die Tübinger/Hechinger Bundestagsabgeordnete: „Was muss noch geschehen, damit der Letzte kapiert, dass Deutschland ein Problem mit Rechtsextremismus hat?“

Die Politik müsse umsteuern, verlangte die Ministerin, die ein Sonderkabinett nicht nur fürs Klima, sondern auch die Innere Sicherheit verlangte. Akut brauche es mehr Polizeischutz für Synagogen und (!) Moscheen. Zerstört werden müsstne die Netzwerke, welche die sogenannten Einzeltäter verbinden – durch Entziehen der Grundlagen im Internet.

Den Mund aufmachen

Die Gesellschaft, so Annette Widmann-Mauz, müsse den Mut haben den Mund aufzumachen auch schon bei vermeintlich kleinen antisemitischen oder rassistischen Klischees – „denn mit den Worten fängt es an.“ Ihre mit viel Beifall bedachte Aufforderung: „Wir schauen nicht weg, wir stehen zusammen.“

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Hechingen/Haigerloch