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Windkraft
Region / Von Hardy Kromer Der „Teilregionalplan Windkraft“ soll beerdigt werden. Damit wird auch der Standort im „Dreiländereck“ hinfällig.

Die Widerstände aus der Bürgerschaft waren zu groß, die Einwände der Natur- und Landschaftsschützer zu gravierend. Nach sechs Jahre währendem Ringen um die Ausweisung „regional­bedeutsamer“ Standorte für Windkraftanlagen zieht der Regionalverband Neckar-Alb nun die Reißleine.

Wenn am kommenden Dienstag, 12. März, um 17.30 Uhr die Verbandsversammlung in der Sport- und Kulturhalle Dußlingen tagt, dann soll der Beschluss gefasst werden, das komplette Verfahren zur „Teilfortschreibung Windkraft des Regionalplanes Neckar-Alb“ zu beenden. Der Grund: Es bleibt einfach nichts Habhaftes mehr übrig. Ein Standort nach dem anderen ist bei näherem Hinsehen hinfällig geworden. Gerade mal zwei (Klein-)Standorte mit Platz für insgesamt sechs Windräder – bei Gomadingen und Römerstein auf der Reutlinger Alb – wären am Ende aller Prüfungen noch in Frage gekommen. Das würde unterm Strich aber nicht mehr die Etikette „regionalbedeutsam“ verdienen. Also lautet die neue Linie des Regionalverbandes: Dann lieber gar keine Vorranggebiete ausweisen!

Offiziell begraben wird mit diesem Beschluss auch der hohenzollerische Groß-Standort namens „Hohwacht“ im „Dreiländereck“ zwischen Haigerloch, Rangendingen und Grosselfingen. Gegen diesen hatte sich die Bürgerinitiative „Gegenwind Hohenzollern“ stark gemacht. Auf ihr Drängen hin hatte die Stadt Haigerloch Untersuchungen in Auftrag gegeben, die die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) anstellte. Ergebnis: Im Gebiet „Hohwacht“, wo auf 114 Hektar Fläche Platz für zehn bis 15 riesige Windräder gewesen wäre, leben „mehrere streng geschützte, windkraftempfindliche Vogelarten“, insbesondere der Rotmilan und der Schwarzstorch. Damit hatte sich eine Weiterverfolgung der Windkraftpläne nach § 44 des Bundesnaturschutzgesetztes verboten.

Rotmilan-Vorkommen waren auch dafür verantwortlich, dass zwei ähnlich große Gebiete auf der Gemarkung von Hohenstein und Pfronstetten im Kreis Reutlingen hinfällig wurden. In Engstingen und St. Johann wiederum war die Lage im Landschaftsschutzgebiet Großes Lautertal der Hinderungsgrund.

Sechs Jahre lang – seit Januar 2013 – wurde mithin vergeblich versucht, „regionalbedeutsame“ Vorranggebiete auszuweisen. Am Ende steht das Ergebnis, „dass aufgrund der hohen und nahezu flächendeckenden Restriktionen in der Region Neckar-Alb (...) kein substanzieller Beitrag zur Förderung der erneuerbaren Energien erfolgen kann“.

Kommunen können weiter genehmigen

Das Aus für die Windkraft-Regionalplanung (so sie denn am Dienstag beschlossen wird) bedeutet freilich nicht, dass in der ganzen Region keine Windräder mehr möglich sind. Zum einen werden in Regionalplänen keine Ausschlussgebiete festgelegt, sodass eine Einzelfallprüfung möglich bleibt, wenn ein Investor antritt. Zum anderen können Windkraftanlagen nach § 35 Baugesetzbuch genehmigt werden. Den Kommunen bleibt die Möglichkeit, auf der Ebene der Bauleitplanung zu steuern. Dies geschieht zum Beispiel in Burladingen, wo die Stadt örtliche Standorte ausgewiesen hat.