Hechingen König Lear modern inszeniert in der Stadthalle

Die Besetzung war komplett männlich.
Die Besetzung war komplett männlich. © Foto: Antonia Lezerkoss
Hechingen / Antonia Lezerkoss 23.01.2018

Einen zeitgemäßen Anstrich hat das neue Globe Theater Shakespears Stück „König Lear“ in der Inszenierung von Kai Frederic Schrickel verpasst.

Das lebhaft agierende Ensemble erzählte den tragischen Stoff um den alternden König Lear als Demenzgeschichte, als Porträt eines Mannes, dessen Handlungen nicht mehr berechenbar sind. Die Welt ist voller Verrücktheiten, die der alternde Mann weder durchblickt, geschweige denn im Griff hat. So tanzt der König (Andreas Erfurth) zu dem 1980er-Jahre-Hit „It’s Raining Men“ über die Bühne und schmeißt Kleidungsstücke von sich – ein Höhepunkt der Dementia.

Der König ist alt, er gliedert sein Reich in drei Teile auf. Jede seiner Töchter soll einen davon erhalten. Seine liebste Tochter Cordelia jedoch das schönste Drittel. Einzige Bedingung an die Töchter: Sie sollen ihre Liebe zum Vater bekunden, aussprechen, wer von ihnen den Vater am meisten liebt.

Während sich die Schwestern Goneril und Regan im Schönreden zu übertrumpfen suchen, gibt Cordelia sich geschlagen: Nicht mit Worten liebe sie den Vater, sondern mit dem Herzen, wahrhaftig, ehrlich und direkt. Aber das ist Lear zu wenig. Enttäuscht wendet er sich von seiner Tochter ab.

Getragen wird dieses Geschehen von einem versierten, agil auftretendem Ensemble, das ganz im Zeichen Shakespeares nur aus männlichen Darstellern besteht und augenzwinkernd immer wieder obszönen Gesten einflicht.

Brillanter Hauptdarsteller

Allen voran brilliert Andreas Erfurth, der es als König Lear schafft, sein Spiel zwischen aufbrausendem Machtmenschen, tief gebrochenem Vater sowie entrücktem Wahnsinnigen gleichzeitig urkomisch und tief traurig zu präsentieren.

Killian Löttker bringt indes den Spagat zwischen sittsam verzweifelter Tochter Cordelia und durchgeknallt klugem Narr überzeugend auf die Bühne. Paul Maresch ist eine herrlich aristokratische Goneril, Dierk Prawdzik ein unerschütterlicher Graf von Kent und Robert Seiler ein ekelhafter Herzog von Cornwall. Till Artur Triebe überzeugt gleich in drei Rollen, Sebastian Bischoff als durchtrieben gelangweilter Regan, Saro Emirze als Herzog von Albany und Graf von Gloster.

Am Ende des Dramas ist es nur die leblose Cordelia, die dritte und verkannte Tochter, die König Lears Herzen nah ist. In dieser spiegelverkehrten Pietà findet er seinen Frieden und haucht sein Leben aus – ein berührender und großer Theatermoment.

8

Männer spielen in dem Stück 14 Rollen. Als König brilliert Andreas Erfurth, der den in der Demenz versinkenden König in all seinen Nuancen nachzeichnet.