Hin und her um Reisen in die Türkei, wo viele Menschen aus dem Kreis Göppingen diesen Sommer gerne ihren Urlaub oder einen Aufenthalt bei der Familie verbringen würden. Ziemlich überraschend wurde das Land jetzt vom Robert-Koch-Institut auf die Rote Liste der „Corona-Risikogebiete“ gesetzt, obwohl sich die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche weiterhin deutlich unter der zuvor festgelegten und als „objektiv“ bezeichneten Schwelle von 50 bewegt.

Quarantäne nach Urlaub im Risikogebiet Türkei

In Baden-Württemberg droht nun sogar eine 14-tägige Zwangsquarantäne für alle Rückreisenden aus der Türkei unabhängig von ihrer Nationalität. Nachdem diese Vorschrift mit Verweis auf die erwähnte Obergrenze erst am 5. Juni abgeschafft worden war, gilt seit Dienstag nun wieder das Gegenteil. Alle Ankömmlinge aus Risikogebieten müssen laut aktueller Fassung der „Corona-Verordnung Einreise“ 14 Tage lang zu Hause bleiben. Was ein „Risikogebiet“ ist, definiere das Sozialministerium in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut, heißt es in der Fassung vom 15. Juni. Maßgeblich soll eine Internet-Liste sein, die offenbar jederzeit ohne Veröffentlichung im Staatsanzeiger aktualisiert werden kann. Seit Dienstag, 16. Juni, ist darin auch die Türkei enthalten, womit nun wieder eine Quarantäne verlangt wird.

Ulm/Göppingen

Corona-Neuinfektionszahl in der Türkei niedriger als 50 pro 100.000 Einwohner

Auch wenn die Infektionszahl niedriger liege als 50 pro 100.000 Einwohner und Woche, könne ein Land zum Risikogebiet erklärt werden – zum Beispiel bei mangelnden Testkapazitäten oder unzureichenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, so das Robert-Koch-Institut auf seiner Homepage: „Ebenso wird berücksichtigt, wenn keine verlässlichen Informationen für bestimmte Staaten vorliegen.“
Juristische Kreise halten das Vorgehen zwar für „pragmatisch nachvollziehbar“, glauben aber auch, dass objektive Kriterien für Zwangsquarantäne und faktische Reiseverbote im Zweifelsfall vor Gericht eingeklagt werden können. Unter Umständen könnten dem Land auch Schadensersatzforderungen für ausgefallene Arbeitstage drohen, war von Rechtsexperten zu erfahren.

Bundesweit einheitliche Rechtslage

Grundlage der Einstufung in Baden-Württemberg seien die nach gemeinsamer Risikoanalyse und Entscheidung des Bundesministeriums für Gesundheit, des Auswärtigen Amts und des Bundeministeriums des Innern, für Bau und Heimat durch das Robert Koch-Institut veröffentlichten Informationen, die ständig aktualisiert und dem neuesten Stand angepasst werden, hieß es aus dem Sozialministerium Baden-Württemberg. Im Interesse einer möglichst einheitlichen Rechtslage im gesamten Bundesgebiet werde von diesen Informationen nur in begründeten Fällen abgewichen.

Offenbar negative Berichte von Auslandsvertretungen

Die Einstufung der Türkei als Risikogebiet durch das Auswärtige Amt soll auf der Berichterstattung von deutschen Auslandsvertretungen in der Türkei beruhen, war zu erfahren. Maßgeblich seien insbesondere die Infektionszahlen und die Art des Ausbruchs (lokal begrenzt oder flächendeckend), Testkapazitäten, durchgeführte Tests pro Einwohner sowie in den Staaten ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens wie Hygienebestimmungen und Kontaktnachverfolgung.

Das rät das Auswärtige Amt zu Corona in der Türkei:

  • Folgen Sie stets den Anordnungen der türkischen Behörden.
  • Registrieren Sie sich in der Krisenvorsorgeliste für Deutsche.
  • Verfolgen Sie die Website der deutschen Auslandsvertretungen in der Türkei.
  • Bitte beachtend Sie die fortlaufend aktualisierten Informationen zu Covid-19/Coronavirus.